Predigt des Monats März

Eine Einladung an Martha

Predigttext zum 3. März 2019 Estomihi: Lukas 10, 38-42

Verantwortlich zu sein, dass der „Laden“ läuft, dass rechtzeitig mögliche Probleme erkannt werden, dafür zu sorgen, dass alle im Haus Beschäftigten ihrer Qualifikation entsprechend auch eingesetzt sind, Vorsorge zu treffen für schwierige Zeiten: in der Tat Marta hatte einen Job, der sie rund um die Uhr auf Trab gehalten hat.
Zu ihrer Zeit hatte sie zudem als Frau, als Herrin des Hauses eine für damalige Zeit ungewöhnliche Rolle und Aufgabe. Auch wenn es der Realität nicht unbedingt entsprach: Zum einen fühlte sie sich ständig unter Beobachtung, ob sie ihrer Aufgabe auch gerecht wird. Zum anderen wollte sie es allen beweisen, dass sie als Frau auch
leiten konnte. So wird kaum Zeit geblieben sein, durchzuatmen, innerlich und äußerlich
aufzu tanken. Der Besuch Jesu in ihrem Haus mobilisierte alle ihre Energien als Herrin des Hauses in außergewöhnlicher Weise. Etwas Gutes zu essen und zu trinken, ein bequemes Nacht lager, für diesen Gast musste es etwas Besonderes sein.
Marta war im Stress. Dass ihre Schwester, Maria, statt ihr zu helfen, sich zu dem Gast gesetzt hatte, ihm zuhörte, passte ihr nun überhaupt nicht. Mit ihrem Ärger wandte sie sich nicht direkt an Maria, sondern an den Gast. Ausgerechnet dieser soll Maria auffordern, ihrer Schwester zu helfen. Peinliche Situation, mit der Jesus souverän  umgeht. Freundlich spricht er Marta an, sieht nicht nur ihre Sorge für ihn, sondern ihre ständigen Belastungen, die die Leitung des Hauses mit sich bringt. Jetzt ist etwas anderes dran: innehalten, zur Ruhe kommen, schweigen, zuhören. „Das Wort kommt nicht zu den Lärmenden, sondern zu den Schweigenden“ (Dietrich Bonhoeffer). Marta
braucht das Wort, um wieder geerdet zu werden, zu sich zu kommen, für sich zu klären, wonach sie ihr Leben ausrichten will. Gottes Wort in sich aufzunehmen, das eigene Tun und Denken auf diesem Hintergrund zu reflektieren, braucht Zeit und Ruhe, lässt sich nicht mal so eben nebenbei beim Zusammenstellen der Einkaufsliste für das Menü zu
Ehren des Gastes erledigen. In unserer schnelllebigen Zeit, wo vieles nicht schnell genug gehen kann, sollten wir uns wie Marta einladen lassen, ab und zu den Computer
aus zu machen, weniger perfekt sein zu wollen, zu schweigen, in uns aufzunehmen,
was Gott für uns persönlich wollen könnte und für die Welt, in der wir leben. Ab und zu tut es nicht nur gut, Maria zu folgen, sondern es ist lebensnotwendig.

Susanne Kahl-Passoth, Pfarrerin und Kirchenrätin im Ruhestand,

Gebet des Monats März

Fantasie für den Frieden – Ein Gebet für März

Großer Gott, Schöpfer des Lebens, so viele Menschen werden Opfer der Kriege dieser Welt. Kinder, Frauen, Männer, hilflos ausgesetzt den Machtkämpfen anderer. Hör Du ihr Schreien um Frieden. Jesus von Nazareth, Du hast gesagt, die Friedensstifter sind selig. Aber es scheint, als sind die Waffenlobby und die Machtinteressen so viel stärker. Gib Du uns Mut, das in Frage zu stellen. Heiliger Geist, Du Kraftquelle, die uns trägt, die Verzagtheit ist groß, die Antwort scheint immer nur Gewalt. Brause Du durch die Welt und gibt uns Fantasie für den Frieden.
Margot Käßmann,
Aus: frei und unverzagt. Gebete der Hoffnung, Hamburg 2017