Predigten des Monats Mai 2026

 

Ein Anker auf einer Wiese mit einem Fischerboot im Hintergrund
Foto: reverent/pixabay

Zum Monatsspruch Mai 2026

„Die Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker unserer Seele.“
Hebräer 6,19 (L)

Hoffnung bezeichnen wir oft als „Anker der Seele“ – ein Bild, was eng mit dem Hebräerbrief (6,19) verbunden ist. Es beschreibt eine Hoffnung, die unverrückbar und unzerbrechlich ist, selbst wenn das Leben durch negative Umstände ins Wanken gerät. Unser Monatsspruch verwendet das Bild.

Den Schiffsanker wirft man dahin, wo er sich festhaken kann. Das geht nicht im eigenen Knopfloch. Wir können unsere Hoffnung nicht bei uns selbst festmachen. Ein Anker, der im Meeresboden verankert ist, hält das Schiff an seiner Position und bewahrt es davor, von Strömungen mitgerissen zu werden in stürmischen und unruhigen Zeiten.

Woran halte ich mich fest?

Gerade dann kann es wichtig sein, innezuhalten und sich zu vergewissern: Wer oder was trägt mich? Woran halte ich mich fest? Worauf setze ich? Unsere christliche Hoffnung gründet nicht auf unseren eigenen Kräften, sondern auf den Verheißungen und der bedingungslosen Liebe Gottes.

Madeleine Delbrel sagt es so: „Hoffen heißt, mit vollem Vertrauen auf etwas zu warten, was man nicht kennt, aber es von jemanden zu erwarten, dessen Liebe man kennt. In dem Maße, in dem man hofft, empfängt man.“

Vertrauen auf Gott als Quell der Hoffnung

Dazu fällt mir das schwungvolle Glaubenslied „Du meine Seele singe“ von Paul Gerhardt ein. So aufmunternd, so auffordernd. Gerade wenn meine Seele mal wieder ganz erschöpft ist. Das Lob dieses Liedes ist Vertrauen auf Gott – trotz dieser Wirklichkeit. Ein Trost für die, die unter Unrecht leiden. Eine Hoffnung für alle, die an die Grenzen ihrer Kraft oder ihres Lebens kommen. Und eine Quelle der Widerstandskraft, die uns hilft, gegen das Unrecht, gegen den Krieg, den Hunger, die Ausbeutung und die Ausgrenzung aufzustehen.

Alexander Reichart, Mitarbeiter im Konsistorium der EKBO, Jüterbog

 

Predigten im Monat Mai 2026

Illustration eines Trompeters mit roter Kleidung
Trompeten erklingen zum Lob Gottes. Illustration: IMAGO / Ikon Images

Unisono – als hörte man eine Stimme loben

Predigttext zum 3. Mai 2026 Kantate:
2. Chronik 5,2–5 (6–11) 12–14

… und alle Leviten, die Sänger waren, nämlich Asaf, Heman und Jedutun und ihre Söhne und Brüder, angetan mit feiner Leinwand, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen. Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den HERRN lobte: „Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig“, da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke als das Haus des HERRN, sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes.

2. Chronik 5,12+13+14
 

Der biblische König David spielte als Junge so ausgezeichnet die Harfe, dass er den sehr jähzornigen König Saul mit seinem Spiel zu besänftigen vermochte. Später als König setzte er sich für die Ausgestaltung der geistlichen Musik ein und ­strukturierte sie nach professionellen Maßstäben. Nach mindestens 5 Jahren Ausbildung durften ­junge Männer aus dem Stamm Levi mit 30 Jahren offiziell in den musikalischen Dienst treten. Das Auswahlverfahren (1. Chronik 6,16) war streng: aus 4000 Sängern, die alle auch Instrumentalisten waren, wurden die besten 288 ausgewählt, und in 24 Gruppen zu je 12 Sängern eingeteilt. Alle ­Sänger, die später im Tempel Dienst taten, hatten täglich zu proben, dafür waren sie von anderen Aufgaben freigestellt.

Überwältigendes Klangerlebnis

Der Vers 13 unseres Predigttextes beschreibt das Ergebnis des harten Übungsprozesses mit höchstem Lob: „Musik wie von einer Stimme“. Ein überwältigendes Klangerlebnis, dem aber harte Arbeit auch in unseren Chören und Orchestern heute vorausgeht. Wenn aus so unterschiedlichen Menschen ein Ensemble werden soll, müssen Geben und Nehmen untereinander in den Gleichklang kommen. Der Einzelne soll sich gehört fühlen, aber seine Stimme auch einordnen. In einem Workshop auf der Chor.com in Hannover erlebte ich die Sänger von Voces8, ein A-cappella–Oktett aus Großbritannien, in perfekter Ausgewogenheit. Scheinbar aus dem Nichts beginnen sie mit dem Singen des Chorwerkes ohne dirigentische Unterstützung – absolut auf den Punkt und zeitgleich. Die Sänger erspüren ihren Atem untereinander in der Stille vor dem Beginn, dann geht ein Impuls vom jeweiligen Stimmführer des Stückes aus und die Musik erklingt glasklar und durchsichtig in überzeugender Harmonie.

Was bedeutet unisono?

Wenn alle Beteiligten eines Klangkörpers gemeinsam dieselbe Melodie spielen und singen, bezeichnet man das mit dem Fachbegriff „unisono“. Wenn das wie im biblischen Text zu einem besonderen Klangerlebnis mit ungeheurer Durchschlagskraft wird, entsteht darüber hinaus die konstruktive Interferenz – die zusätzliche Ver­stärkung des Tones, wenn die Schwingungen auch physikalisch synchron laufen.

Zur langersehnten Einweihung des Tempels tritt das Ensemble professionell vorbereitet und in Bestbesetzung auf. 120 (!) silberne, nach genauen Vorschriften gebaute Trompeten rufen das Volk zusammen. Zimbeln geben den Beginn des Gesanges an, Leiern und Harfen begleitenden den Gesang. Das Lob ­Gottes und der Dank für seine Barmherzigkeit erklingen unisono – und die musikalische Qualität gelangt Gott zu Ohren und überzeugt ihn sichtbar.

Cornelia Ewald ist Kirchenmusikerin und Chorleiterin in Berlin

 

Ein blauer Schuh wird hergestellt
Wie ein Schuster einen Schuh macht, so soll ein Christ beten. Foto: Raoul Ortega/unsplash

Das Handwerk eines Christen 

Predigttext zum 10. Mai 2026
Rogate: Matthäus 6,5–15

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. 

Matthäus 6,7–10
 

Zum Vaterunser ist schon alles gesagt: Dass es zum wichtigsten Gebet beider Kirchen wurde und dass Jesus selbst seinen Jüngerinnen und Jüngern die sieben Bitten lehrte. Ein heiliges Manifest, das mit der Anrede „Vater unser im Himmel“ – der aramäischen Anrede „abba“ – beginnt und mit dem Verweis auf die Ewigkeit Gottes mit einem Amen endet.

„Denn dein ist das Reich…“

Die mögliche Urfassung aus Lukas 11, 2–4 ­begnügte sich mit fünf Bitten: 1. Heiligung des Gottesnamens, 2. Bitte um das Kommen des ­Gottesreiches, 3. Bitte um das tägliche Brot, also die Notwendigkeiten des Alltags, 4. Befreiung aller Schuld gegenüber Gott und das Vergeben aller ­Verfehlungen anderer. 5. Die Bewahrung vor ­Ver­suchung durch das Böse. In der Fassung nach Matthäus sind zwei Bitten ergänzt: Dein Wille geschehe und die Erlösung von dem Bösen. Eine sogenannte Doxologie, ein Wort der Ehre, ist hier hinzugefügt: „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.“ Sie dürfte der frühchristlichen Gebetspraxis entsprechen. Schon der Kirchenlehrer Thomas von ­Aquin (1225–1274) nannte das Gebet einen „Akt der Religion im eigentlichen Sinn“. Er verwies damit auf die Gnade Gottes und die Abhängigkeit des Glaubenden davon.

Als ich vor vielen Jahren in Tübingen in einer Vorlesung des Systematikers Eberhard Jüngel saß, mahnte er uns junge Studierende beim Thema „Was heißt beten?“, den Dank im Gebet nicht zu vergessen. Denn Beten, so habe es Luther geschrieben, sei ein ganz handwerklicher Akt: „Wie ein Schuster einen Schuh machet und ein Schneider einen Rock, also soll ein Christ beten. Eines Christen Handwerks ist beten.“ Jüngel, der bekanntlich Vikar der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg war, schloss: „Auch dieses Handwerk hat goldenen Boden.“

Das Gebet als Sprache des Herzens

Martin Luther bezeichnete das Gebet als eine Sprache des Herzens. Wir sollten Sorge tragen, dass es vom Herzen herrührt, sagt er. Das sollen wir wissen: „Dass all‘ unser Schutz und Schirm allein im Gebet steht. Wesen und Natur des Gebets ist nichts anderes als Erhebung des Gemüts oder Herzens zu Gott.“ Damit zeigt sich Luther als Mahner bis heute: Dass nämlich Lebensglück nicht monopolisiert werden darf: Arbeit und Leistung, Erfolg und Anerkennung, Bildung und Lebens­genuss gehören allen, nicht nur Auserwählten.

Frère Roger, der Gründer von Taizé, machte es sich in diesem Sinn zur steten Aufgabe, jeden Freitagabend vor dem Kreuz in seiner Gemeinschaft ein Gebet zu halten, für alle, die leiden und in existenzieller Not sind: Er war der Über­zeugung, die jungen Leute, die zu ihm kamen, sollten sich nicht in eine Spirale der Verdrossenheit hineinziehen lassen. „Gott hat uns nicht zur Untätigkeit erschaffen. Wir sind nicht einem ­blinden Schicksal unterworfen.“ Der protestantisch getaufte Bruder Frère Roger strahlt damit eine Zuversicht bis in die Gegenwart aus, die in jedem Gebet des Herrn sich wiederholt: Gottesgewiss­heit. In diesen Worten bleibt ­niemand allein.

Dr. Roger Töpelmann ist Pfarrer im Ruhestand und freier Autor in Berlin

 

Zwei Kinder laufen Schulter an Schulter einen Weg entlang
Einen Bund besiegelt. Foto: Juan Pablo Rodriguez/unsplash

Unverbrüchlich verbunden

Predigttext zum 17. Mai 2026
Exaudi: Jeremia 31,31–34

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen (…), sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und ich will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein. 

Jeremia 31,31.32.33
 


Als Kinder schrieben wir in einer Art Geheimsprache etwas auf ein Blatt Papier. Das war unser Bund! Geheimnisvoll saßen wir in unserer Hütte aus Zweigen im Wald und schlossen eine Art Geheimbund. Auf ewig wollten wir mit den anderen Dorfkindern verbunden sein. Und jeder für den anderen einstehen. Wer dazugehörte, war aus­erwählt. Einmal drückten wir uns gegenseitig sogar einen Blutstropfen aus dem Finger, um das zu besiegeln.

Einen Strich unter die Vergangenheit setzen

Ein Kinderspiel. Aber auch Gott will einen Bund „mit dem Haus Israel und mit dem Hause Juda“ schließen. Er möchte auch eine Selbstverpflichtung eingehen und einen Strich unter die Vergangenheit setzen. Klar, das Volk Israel hat auch noch andere Götter angebetet, der Versuchung von Eitelkeiten, Reichtum, Macht und schönen Frauen nicht widerstanden. Aber sie haben gelitten in der Verbannung, in der sie viele Jahre gelebt haben. Damit soll Schluss sein. Der Prophet Jeremia verkündet es im Namen des Herrn. Der sieht nun das in die Fremde verschleppte Volk Israel gnädig an. Er begnadigt es und erlaubt seine Heimkehr in die verlassene Heimat. Aber nicht einfach nur um Rückkehr geht es. Gott lässt Gewesenes hinter sich und dem Volk, er vergibt, wo die Israeliten auf Abwege geraten, ihn vergessen hatten und schenkt einen neuen Anfang. Auch hier geht es um ein Bündnis – zwischen Gott und seinem Volk.

Gott schätzt die Lage realistisch ein

„Wenn man den Himmel oben messen könnte und den Grund der Erde unten erforschen, dann würde ich auch verwerfen alle Nachkommen Israels für all das, was sie getan haben, spricht der HERR“ (Jeremia 31,40). Gott schätzt die Lage realistisch ein. Aber er bleibt nicht dabei. Er schüttet trotz allem seine Barmherzigkeit aus: „Ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.“ Und so beendet der Prophet Jeremia das Gotteswort mit einer unverrückbaren Zusage, Grund aller Hoffnung für alle Zeit: „Und die Stadt wird niemals mehr eingerissen und ­abgebrochen werden.“ Denn sie ist heilig, weil Gott mit seinem Volk darin wohnt. Und nicht nur in der Stadt. Der Bund wird in ihren Herzen und ihrem Sinn leben, so dass sie ihn erkennen und immer auf ihn trauen.

Wir wissen, wie schwer das ist. Aber wenn wir es versuchen, können wir Erstaunliches erleben. Im Gebet Gott bitten, jeden Tag diesen Bund zu erneuern, uns unser Herz und den Verstand anzurühren. Dann kann sich im Kleinen wirklich etwas Großes verändern. Schlaflose Nächte, zerwühlt von Wut und Enttäuschung, wandeln sich in nächtlichen Frieden. Neue Lösungen für den Tag werden möglich: Denn „Siehe, ich mache alles neu“, wie es uns als Jahreslosung mitgegeben ist.

Sibylle Sterzik, Pfarrerin im Ehrenamt in Berlin

 

Zwei Tumspiten vor einem blauen Himmel
Gemeinschaft im Geist ­Gottes ­entsteht ­jenseits von gemachten Mauern und Grenzen. Foto: Nipun Chandra Surnilla/unsplash

Der Geist Gottes weht über Mauern

Predigttext zum 24. Mai 2026
Pfingsten: Apostelgeschichte 2,1–21

Sie verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, Galiläer? Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache? ­Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Römer, die bei uns wohnen, Juden und Proselyten, Kreter und Araber: Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden.

Apostelgeschichte 2,1–21

Pfingsten 2025 in unserer 165 Jahre alten Kreuzkirche Istanbul, nicht weit entfernt von Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia, von Phrygien und Pamphylien. Es sind Schulferien wegen des muslimischen Opferfestes, und die Gottesdienst­gemeinde ist recht ausgedünnt. Da klingelt es, und eine große Pilgergruppe aus der Elfenbeinküste marschiert in den Gottesdienst ein. Sie ­verstehen kein Deutsch, aber das tut der Gemeinschaft keinen Abbruch, weder im Gottesdienst noch beim anschließenden Kirchencafé mit ­Erdbeerkuchen im Garten. Wir feiern zusammen Abendmahl – und da wird es richtig Pfingsten, der Geburtstag der einen Kirche Jesu Christi aus allen Völkern und Sprachen. Der Geist Gottes weht über die von Menschen gemachten Mauern und Grenzen hinweg, begeistert und ermutigt, setzt in Bewegung und führt zu Begegnung. Hier in Konstantinopel, dem neuen Rom, Istanbul, spielt Ökumene für alle ­Kirchen und Gemeinden eine große Rolle. Sicherlich auch ein bisschen gezwungenermaßen, weil wir alle eine extreme Minderheit sind. Aber vor allem deswegen, weil es hier einen Reichtum an Konfessionen und Traditionen gibt wie ansonsten nur in Jerusalem. Hier erlebe ich die eine Kirche Jesu Christi in ihrer wunderbaren Diversität. Das ist manchmal gewöhnungsbedürftig, meistens aber sehr bereichernd und wunderbar.

Appell zu einer generations­übergreifenden Kirche

Der Geist Gottes weht über Mauern und Grenzen hinweg. Das gilt im Kontext von unterschied­lichen Sprachen, Kulturen und Herkünften, Traditionen und Konfessionen und auch Religionen. Aber – und das fällt mir in diesem Jahr beim ­Predigttext aus Apostelgeschichte 2 zum ersten Mal so richtig auf – das gilt auch für die unterschiedlichen Generationen. In seiner Predigt spannt Petrus den Bogen von ganz jungen Menschen zu den alten: Weissagungen, Gesichte und Träume, also über das hinaus schauen, was vor Augen liegt, hin zu dem, was verheißen ist. Ich lese das als einen Appell zu einer generations­übergreifenden Kirche, zu einer, die Kinder und Jugendliche nach ihren Visionen befragt und ­Seniorinnen und Senioren nach ihren Träumen. Die beide ins Gespräch bringt und daraus lernt. Solch eine Kirche möchte ich nicht nur träumen, sondern leben.

Pfingsten eröffnet Begegnungsräume, die im Rest des Jahres mit Leben gefüllt werden können. Vertraute oder andere Orte, an denen wir uns begegnen und bewegen, einander von unseren Visionen und Träumen erzählen und voneinander lernen. Das macht mir Mut: für mein eigenes Leben, für meinen Glauben und für die Menschen, mit denen ich gemeinsam unterwegs und Kirche bin.

Heike Steller-Gül ist Pfarrerin in der Evangelische Gemeinde deutscher Sprache in der Türkei in Istanbul

 

Eine lächelnde Pfarrerin hebt ihre Hände. Im Vordergrund stehen Jungen mit Kerzen
Segen hält die Seele. Foto: IMAGO/epd

Gesegnete Gottes

Predigttext zum 31. Mai 2026
Trinitatis: 4. Mose 6,22–27

Und der HERR redete mit Mose und sprach: Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.
 
4. Mose 6,22–27
 

„Alles ist an Gottes Segen und an seiner Gnad gelegen über alles Geld und Gut. Wer auf Gott sein Hoffnung setzet, der behält ganz unverletzet einen freien Heldenmut!“ (Lied aus dem Evangelischen Gesangbuch 352,1)

Es ist der Segen, der unsere Gottesdienste erst rund und vollständig macht. Der Segen steht zwar am Ende eines Gottesdienstes, von seiner Wichtigkeit aber steht er in der Mitte. Es ist der Segen, der uns bleibt, während manch anderes Wort aus dem Gottesdienst vorüberrauscht oder schnell vergessen ist.

Bei den Trauungen weiß ich, dass es vor allem der Segen Gottes ist, den die Paare erbitten. ­Dieser Segen soll über ihre gemeinsame Zukunft zu stehen kommen. Das öffentlich gesprochene Ja zueinander tritt hinter den zugesprochenen Segen Gottes zurück. Gottes Segen ist größer als jedes Versprechen, das Menschen einander geben ­können. Das ist deutlich zu spüren.

Segen für Sterbende

Wenn ich in Taufelterngesprächen die Eltern nach der Bedeutung der Taufe für ihre Kinder ­frage, kommt immer wieder eine Antwort: Mein Kind soll unter dem Segen Gottes stehen. Darum bringe ich es zur Taufe, dafür ist mir die Taufe ein sichtbares Zeichen. Mit dem Segen Gottes ist etwas auf und in das Kind gelegt, das mehr ist als alle Elternfürsorge geben kann.

Auch Sterbenden spreche ich den Segen zu. In aller Not und Angst, die die Aussicht des nahenden Todes bedeutet, gibt der Zuspruch des Segens Vertrauen und Sicherheit.

„Segnet die, die euch fluchen.“

Die Bibel überliefert uns viele Zeugnisse davon, wie Gott immer wieder durch seinen Segen an Menschen gewirkt hat: Dem Abraham spricht Gott zu: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.“ Im Neuen Testament geht die Geschichte des Segens weiter: die Menschen bringen Kinder zu Jesus, damit er sie anrührt und segnet. Jesus ­sendet seine Jünger und segnet sie. Er selbst macht den Segen zum Auftrag: „Segnet die, die euch fluchen.“

Der Segen ist das Größte, was wir von unserem Gott geschenkt bekommen. Aus dem Segen kommt uns Kraft her, im Segen fühlen wir uns geborgen. Der Segen macht uns zuversichtlich. Und es ist gut, dass wir durch immer wieder neu ausgesprochenen Segen daran erinnert werden, Gesegnete Gottes zu sein.

Viele Erklärungsversuche greifen zu kurz

Gottes Segen gibt uns Schutz, er ist unsere Freiheit, er will Frieden geben. Gottes Segen will unser Leben ganz umfassen. Vielleicht greifen alle verstandesmäßigen Erklärungsversuche für den Segen deswegen immer zu kurz. Gottes Segen erreicht mehr als unsere Sinne, nämlich unser Herz. Gottes Segen liegt auf mehr als unserem Leib, er hält unsere Seele.

Das nehmen wir aus jedem Gottesdienst mit nach Hause. Und wir können davon weitergeben. Wer unter dem Segen Gottes steht, ist eingeladen, diesen Segen auch auszuteilen. So wird der Segen mehr und mehr. Durch das Teilen wird der Segen größer. So segne und behüte uns Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Pfarrer Thilo Haak, Ostergemeinde Berlin-Wedding

Aktuelle Ausgabe April 2026

 

Eine Briefmarke, auf der eine Eieruhr zu sehen ist
Exponate aus dem Mathematisch-Physikalischen Salon in Dresden ergaben eine Briefmarkenreihe in der DDR.
Foto: Albrecht Kalusche

Neue Serie: Der kleinste Bibelzeuge

Albrecht Kalusche nimmt uns mit
in die Welt der Briefmarken mit religiösen Motiven.
Seien Sie gespannt, was er alles über sein Hobby zu erzählen weiß!
Diesmal geht es um Kanzeluhren.
Von Albrecht Kalusche, Zwickau

 

 

 

 

 

Neue Serie ­Das Leben Jesu

Der Teufel steht neben dem sitzenden Jesus und hält einen Stein in der Hand
„Die Versuchung Jesus in der Wildnis“.
Gemälde von Juan de Flandes, um 1500.
Foto: Wikimedia Commons/gemeinfrei

­In dieser Aprilausgabe ­unserer Frohen Botschaft ist über eine wichtige Prüfung im Leben Jesus zu berichten: die Versuchung durch den Teufel.
Von Hans-Jürgen Grundmann, Berlin

 

 

 

 

 

 

 

Willkommen in Galiläa. 

Vor einem leeren Grab im Felsen stehen drei Frauen und ein Mann in weißem Gewand
Die Frauen finden ihn nicht, das Grab ist leer. Foto: KI erstellt mit Firefly_Gemini 2.5 Nano Banana

Die Kraft der Auferstehung spüren
Gedanken am zu Ostern.
Von Thilo Haak, Berlin-Wedding

 

 

 

 

 

Frage eines Lesers:
Was feiern wir eigentlich am Gründonnerstag?
Von Karl-Heinrich Lütcke, Propst im Ruhestand, Berlin

 

 

 

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

 

Holzskulptur eines Mannes mit langen Haaren und Buch in den Händen
Paul Gerhardt (1607–1676). Holzskulptur vor der Kirche in Gräfenhainichen, Sachsen-Anhalt. Foto: IMAGO/imagebroker

Du meine Seele Singe

In diesem Jahr jährt sich zum 350. Mal der Todestag des wohl bekanntesten evangelischen Liederdichters Paul Gerhardt. Darum ist 2026 ein Paul-Gerhardt-Jahr. In vielen Veranstaltungen, Gottesdiensten und Konzerten wird in diesem Jahr das Andenken an den berühmten Theologen und Dichter gefeiert.

Von Pfarrer Thilo Haak, Ostergemeinde in Berlin-Wedding

 

 

 

Eine Zeichnung von Jesus und seinen Jüngern
Die 12 Apostel Jesu, Holzschnitt gezeichnet von Julius Schnorr von Carolsfeld, 1860. Foto: Wikimedia Commons/gemeinfrei

­Neue Serie:  ­Das Leben Jesu

In der Maiausgabe ­unserer Frohen Botschaft geht um Jünger, die durch Jesus zu Aposteln werden.

Von Hans-Jürgen Grundmann, Berlin

 

 

 

 

Eine weiße Postkarte mit rotem Rahmen zeigt Wegmarken
John Wesley starb hochbetagt am 2. März 1791. Die Postkarte zeigt die Reise Wesleys nach Herrnhut. Fotos: Albrecht Kalusche/Montage Nicole Wolf

Neue Serie: Der kleinste Bibelzeuge

In dieser Woche widmen wir uns einem fiktiven Brief von John Wesley (1703–1791), dem Begründer der methodistischen Bewegung 

Von Albrecht Kalusche, Laienprediger, Evangelisch-methodistische Friedenskirche in Zwickau

 

 

 

Predigten des Monats Mai 2026

 

Ein Anker auf einer Wiese mit einem Fischerboot im Hintergrund
Foto: reverent/pixabay

Zum Monatsspruch April 2026

„Die Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker unserer Seele.“
Hebräer 6,19 (L)

Hoffnung bezeichnen wir oft als „Anker der Seele“ – ein Bild, was eng mit dem Hebräerbrief (6,19) verbunden ist. Es beschreibt eine Hoffnung, die unverrückbar und unzerbrechlich ist, selbst wenn das Leben durch negative Umstände ins Wanken gerät. Unser Monatsspruch verwendet das Bild.

Den Schiffsanker wirft man dahin, wo er sich festhaken kann. Das geht nicht im eigenen Knopfloch. Wir können unsere Hoffnung nicht bei uns selbst festmachen. Ein Anker, der im Meeresboden verankert ist, hält das Schiff an seiner Position und bewahrt es davor, von Strömungen mitgerissen zu werden in stürmischen und unruhigen Zeiten.

Woran halte ich mich fest?

Gerade dann kann es wichtig sein, innezuhalten und sich zu vergewissern: Wer oder was trägt mich? Woran halte ich mich fest? Worauf setze ich? Unsere christliche Hoffnung gründet nicht auf unseren eigenen Kräften, sondern auf den Verheißungen und der bedingungslosen Liebe Gottes.

Madeleine Delbrel sagt es so: „Hoffen heißt, mit vollem Vertrauen auf etwas zu warten, was man nicht kennt, aber es von jemanden zu erwarten, dessen Liebe man kennt. In dem Maße, in dem man hofft, empfängt man.“

Vertrauen auf Gott als Quell der Hoffnung

Dazu fällt mir das schwungvolle Glaubenslied „Du meine Seele singe“ von Paul Gerhardt ein. So aufmunternd, so auffordernd. Gerade wenn meine Seele mal wieder ganz erschöpft ist. Das Lob dieses Liedes ist Vertrauen auf Gott – trotz dieser Wirklichkeit. Ein Trost für die, die unter Unrecht leiden. Eine Hoffnung für alle, die an die Grenzen ihrer Kraft oder ihres Lebens kommen. Und eine Quelle der Widerstandskraft, die uns hilft, gegen das Unrecht, gegen den Krieg, den Hunger, die Ausbeutung und die Ausgrenzung aufzustehen.

Alexander Reichart, Mitarbeiter im Konsistorium der EKBO, Jüterbog

 

Predigten im Monat Mai 2026

Illustration eines Trompeters mit roter Kleidung
Trompeten erklingen zum Lob Gottes. Illustration: IMAGO / Ikon Images

Unisono – als hörte man eine Stimme loben

Predigttext zum 3. Mai 2026 Kantate:
2. Chronik 5,2–5 (6–11) 12–14

… und alle Leviten, die Sänger waren, nämlich Asaf, Heman und Jedutun und ihre Söhne und Brüder, angetan mit feiner Leinwand, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen. Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den HERRN lobte: „Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig“, da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke als das Haus des HERRN, sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes.

2. Chronik 5,12+13+14
 

Der biblische König David spielte als Junge so ausgezeichnet die Harfe, dass er den sehr jähzornigen König Saul mit seinem Spiel zu besänftigen vermochte. Später als König setzte er sich für die Ausgestaltung der geistlichen Musik ein und ­strukturierte sie nach professionellen Maßstäben. Nach mindestens 5 Jahren Ausbildung durften ­junge Männer aus dem Stamm Levi mit 30 Jahren offiziell in den musikalischen Dienst treten. Das Auswahlverfahren (1. Chronik 6,16) war streng: aus 4000 Sängern, die alle auch Instrumentalisten waren, wurden die besten 288 ausgewählt, und in 24 Gruppen zu je 12 Sängern eingeteilt. Alle ­Sänger, die später im Tempel Dienst taten, hatten täglich zu proben, dafür waren sie von anderen Aufgaben freigestellt.

Überwältigendes Klangerlebnis

Der Vers 13 unseres Predigttextes beschreibt das Ergebnis des harten Übungsprozesses mit höchstem Lob: „Musik wie von einer Stimme“. Ein überwältigendes Klangerlebnis, dem aber harte Arbeit auch in unseren Chören und Orchestern heute vorausgeht. Wenn aus so unterschiedlichen Menschen ein Ensemble werden soll, müssen Geben und Nehmen untereinander in den Gleichklang kommen. Der Einzelne soll sich gehört fühlen, aber seine Stimme auch einordnen. In einem Workshop auf der Chor.com in Hannover erlebte ich die Sänger von Voces8, ein A-cappella–Oktett aus Großbritannien, in perfekter Ausgewogenheit. Scheinbar aus dem Nichts beginnen sie mit dem Singen des Chorwerkes ohne dirigentische Unterstützung – absolut auf den Punkt und zeitgleich. Die Sänger erspüren ihren Atem untereinander in der Stille vor dem Beginn, dann geht ein Impuls vom jeweiligen Stimmführer des Stückes aus und die Musik erklingt glasklar und durchsichtig in überzeugender Harmonie.

Was bedeutet unisono?

Wenn alle Beteiligten eines Klangkörpers gemeinsam dieselbe Melodie spielen und singen, bezeichnet man das mit dem Fachbegriff „unisono“. Wenn das wie im biblischen Text zu einem besonderen Klangerlebnis mit ungeheurer Durchschlagskraft wird, entsteht darüber hinaus die konstruktive Interferenz – die zusätzliche Ver­stärkung des Tones, wenn die Schwingungen auch physikalisch synchron laufen.

Zur langersehnten Einweihung des Tempels tritt das Ensemble professionell vorbereitet und in Bestbesetzung auf. 120 (!) silberne, nach genauen Vorschriften gebaute Trompeten rufen das Volk zusammen. Zimbeln geben den Beginn des Gesanges an, Leiern und Harfen begleitenden den Gesang. Das Lob ­Gottes und der Dank für seine Barmherzigkeit erklingen unisono – und die musikalische Qualität gelangt Gott zu Ohren und überzeugt ihn sichtbar.

Cornelia Ewald ist Kirchenmusikerin und Chorleiterin in Berlin

 

Ein blauer Schuh wird hergestellt
Wie ein Schuster einen Schuh macht, so soll ein Christ beten. Foto: Raoul Ortega/unsplash

Das Handwerk eines Christen 

Predigttext zum 10. Mai 2026
Rogate: Matthäus 6,5–15

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. 

Matthäus 6,7–10
 

Zum Vaterunser ist schon alles gesagt: Dass es zum wichtigsten Gebet beider Kirchen wurde und dass Jesus selbst seinen Jüngerinnen und Jüngern die sieben Bitten lehrte. Ein heiliges Manifest, das mit der Anrede „Vater unser im Himmel“ – der aramäischen Anrede „abba“ – beginnt und mit dem Verweis auf die Ewigkeit Gottes mit einem Amen endet.

„Denn dein ist das Reich…“

Die mögliche Urfassung aus Lukas 11, 2–4 ­begnügte sich mit fünf Bitten: 1. Heiligung des Gottesnamens, 2. Bitte um das Kommen des ­Gottesreiches, 3. Bitte um das tägliche Brot, also die Notwendigkeiten des Alltags, 4. Befreiung aller Schuld gegenüber Gott und das Vergeben aller ­Verfehlungen anderer. 5. Die Bewahrung vor ­Ver­suchung durch das Böse. In der Fassung nach Matthäus sind zwei Bitten ergänzt: Dein Wille geschehe und die Erlösung von dem Bösen. Eine sogenannte Doxologie, ein Wort der Ehre, ist hier hinzugefügt: „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.“ Sie dürfte der frühchristlichen Gebetspraxis entsprechen. Schon der Kirchenlehrer Thomas von ­Aquin (1225–1274) nannte das Gebet einen „Akt der Religion im eigentlichen Sinn“. Er verwies damit auf die Gnade Gottes und die Abhängigkeit des Glaubenden davon.

Als ich vor vielen Jahren in Tübingen in einer Vorlesung des Systematikers Eberhard Jüngel saß, mahnte er uns junge Studierende beim Thema „Was heißt beten?“, den Dank im Gebet nicht zu vergessen. Denn Beten, so habe es Luther geschrieben, sei ein ganz handwerklicher Akt: „Wie ein Schuster einen Schuh machet und ein Schneider einen Rock, also soll ein Christ beten. Eines Christen Handwerks ist beten.“ Jüngel, der bekanntlich Vikar der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg war, schloss: „Auch dieses Handwerk hat goldenen Boden.“

Das Gebet als Sprache des Herzens

Martin Luther bezeichnete das Gebet als eine Sprache des Herzens. Wir sollten Sorge tragen, dass es vom Herzen herrührt, sagt er. Das sollen wir wissen: „Dass all‘ unser Schutz und Schirm allein im Gebet steht. Wesen und Natur des Gebets ist nichts anderes als Erhebung des Gemüts oder Herzens zu Gott.“ Damit zeigt sich Luther als Mahner bis heute: Dass nämlich Lebensglück nicht monopolisiert werden darf: Arbeit und Leistung, Erfolg und Anerkennung, Bildung und Lebens­genuss gehören allen, nicht nur Auserwählten.

Frère Roger, der Gründer von Taizé, machte es sich in diesem Sinn zur steten Aufgabe, jeden Freitagabend vor dem Kreuz in seiner Gemeinschaft ein Gebet zu halten, für alle, die leiden und in existenzieller Not sind: Er war der Über­zeugung, die jungen Leute, die zu ihm kamen, sollten sich nicht in eine Spirale der Verdrossenheit hineinziehen lassen. „Gott hat uns nicht zur Untätigkeit erschaffen. Wir sind nicht einem ­blinden Schicksal unterworfen.“ Der protestantisch getaufte Bruder Frère Roger strahlt damit eine Zuversicht bis in die Gegenwart aus, die in jedem Gebet des Herrn sich wiederholt: Gottesgewiss­heit. In diesen Worten bleibt ­niemand allein.

Dr. Roger Töpelmann ist Pfarrer im Ruhestand und freier Autor in Berlin

 

Zwei Kinder laufen Schulter an Schulter einen Weg entlang
Einen Bund besiegelt. Foto: Juan Pablo Rodriguez/unsplash

Unverbrüchlich verbunden

Predigttext zum 17. Mai 2026
Exaudi: Jeremia 31,31–34

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen (…), sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und ich will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein. 

Jeremia 31,31.32.33
 


Als Kinder schrieben wir in einer Art Geheimsprache etwas auf ein Blatt Papier. Das war unser Bund! Geheimnisvoll saßen wir in unserer Hütte aus Zweigen im Wald und schlossen eine Art Geheimbund. Auf ewig wollten wir mit den anderen Dorfkindern verbunden sein. Und jeder für den anderen einstehen. Wer dazugehörte, war aus­erwählt. Einmal drückten wir uns gegenseitig sogar einen Blutstropfen aus dem Finger, um das zu besiegeln.

Einen Strich unter die Vergangenheit setzen

Ein Kinderspiel. Aber auch Gott will einen Bund „mit dem Haus Israel und mit dem Hause Juda“ schließen. Er möchte auch eine Selbstverpflichtung eingehen und einen Strich unter die Vergangenheit setzen. Klar, das Volk Israel hat auch noch andere Götter angebetet, der Versuchung von Eitelkeiten, Reichtum, Macht und schönen Frauen nicht widerstanden. Aber sie haben gelitten in der Verbannung, in der sie viele Jahre gelebt haben. Damit soll Schluss sein. Der Prophet Jeremia verkündet es im Namen des Herrn. Der sieht nun das in die Fremde verschleppte Volk Israel gnädig an. Er begnadigt es und erlaubt seine Heimkehr in die verlassene Heimat. Aber nicht einfach nur um Rückkehr geht es. Gott lässt Gewesenes hinter sich und dem Volk, er vergibt, wo die Israeliten auf Abwege geraten, ihn vergessen hatten und schenkt einen neuen Anfang. Auch hier geht es um ein Bündnis – zwischen Gott und seinem Volk.

Gott schätzt die Lage realistisch ein

„Wenn man den Himmel oben messen könnte und den Grund der Erde unten erforschen, dann würde ich auch verwerfen alle Nachkommen Israels für all das, was sie getan haben, spricht der HERR“ (Jeremia 31,40). Gott schätzt die Lage realistisch ein. Aber er bleibt nicht dabei. Er schüttet trotz allem seine Barmherzigkeit aus: „Ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.“ Und so beendet der Prophet Jeremia das Gotteswort mit einer unverrückbaren Zusage, Grund aller Hoffnung für alle Zeit: „Und die Stadt wird niemals mehr eingerissen und ­abgebrochen werden.“ Denn sie ist heilig, weil Gott mit seinem Volk darin wohnt. Und nicht nur in der Stadt. Der Bund wird in ihren Herzen und ihrem Sinn leben, so dass sie ihn erkennen und immer auf ihn trauen.

Wir wissen, wie schwer das ist. Aber wenn wir es versuchen, können wir Erstaunliches erleben. Im Gebet Gott bitten, jeden Tag diesen Bund zu erneuern, uns unser Herz und den Verstand anzurühren. Dann kann sich im Kleinen wirklich etwas Großes verändern. Schlaflose Nächte, zerwühlt von Wut und Enttäuschung, wandeln sich in nächtlichen Frieden. Neue Lösungen für den Tag werden möglich: Denn „Siehe, ich mache alles neu“, wie es uns als Jahreslosung mitgegeben ist.

Sibylle Sterzik, Pfarrerin im Ehrenamt in Berlin

 

Zwei Tumspiten vor einem blauen Himmel
Gemeinschaft im Geist ­Gottes ­entsteht ­jenseits von gemachten Mauern und Grenzen. Foto: Nipun Chandra Surnilla/unsplash

Der Geist Gottes weht über Mauern

Predigttext zum 24. Mai 2026
Pfingsten: Apostelgeschichte 2,1–21

Sie verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, Galiläer? Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache? ­Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Römer, die bei uns wohnen, Juden und Proselyten, Kreter und Araber: Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden.

Apostelgeschichte 2,1–21

Pfingsten 2025 in unserer 165 Jahre alten Kreuzkirche Istanbul, nicht weit entfernt von Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia, von Phrygien und Pamphylien. Es sind Schulferien wegen des muslimischen Opferfestes, und die Gottesdienst­gemeinde ist recht ausgedünnt. Da klingelt es, und eine große Pilgergruppe aus der Elfenbeinküste marschiert in den Gottesdienst ein. Sie ­verstehen kein Deutsch, aber das tut der Gemeinschaft keinen Abbruch, weder im Gottesdienst noch beim anschließenden Kirchencafé mit ­Erdbeerkuchen im Garten. Wir feiern zusammen Abendmahl – und da wird es richtig Pfingsten, der Geburtstag der einen Kirche Jesu Christi aus allen Völkern und Sprachen. Der Geist Gottes weht über die von Menschen gemachten Mauern und Grenzen hinweg, begeistert und ermutigt, setzt in Bewegung und führt zu Begegnung. Hier in Konstantinopel, dem neuen Rom, Istanbul, spielt Ökumene für alle ­Kirchen und Gemeinden eine große Rolle. Sicherlich auch ein bisschen gezwungenermaßen, weil wir alle eine extreme Minderheit sind. Aber vor allem deswegen, weil es hier einen Reichtum an Konfessionen und Traditionen gibt wie ansonsten nur in Jerusalem. Hier erlebe ich die eine Kirche Jesu Christi in ihrer wunderbaren Diversität. Das ist manchmal gewöhnungsbedürftig, meistens aber sehr bereichernd und wunderbar.

Appell zu einer generations­übergreifenden Kirche

Der Geist Gottes weht über Mauern und Grenzen hinweg. Das gilt im Kontext von unterschied­lichen Sprachen, Kulturen und Herkünften, Traditionen und Konfessionen und auch Religionen. Aber – und das fällt mir in diesem Jahr beim ­Predigttext aus Apostelgeschichte 2 zum ersten Mal so richtig auf – das gilt auch für die unterschiedlichen Generationen. In seiner Predigt spannt Petrus den Bogen von ganz jungen Menschen zu den alten: Weissagungen, Gesichte und Träume, also über das hinaus schauen, was vor Augen liegt, hin zu dem, was verheißen ist. Ich lese das als einen Appell zu einer generations­übergreifenden Kirche, zu einer, die Kinder und Jugendliche nach ihren Visionen befragt und ­Seniorinnen und Senioren nach ihren Träumen. Die beide ins Gespräch bringt und daraus lernt. Solch eine Kirche möchte ich nicht nur träumen, sondern leben.

Pfingsten eröffnet Begegnungsräume, die im Rest des Jahres mit Leben gefüllt werden können. Vertraute oder andere Orte, an denen wir uns begegnen und bewegen, einander von unseren Visionen und Träumen erzählen und voneinander lernen. Das macht mir Mut: für mein eigenes Leben, für meinen Glauben und für die Menschen, mit denen ich gemeinsam unterwegs und Kirche bin.

Heike Steller-Gül ist Pfarrerin in der Evangelische Gemeinde deutscher Sprache in der Türkei in Istanbul

 

Eine lächelnde Pfarrerin hebt ihre Hände. Im Vordergrund stehen Jungen mit Kerzen
Segen hält die Seele. Foto: IMAGO/epd

Gesegnete Gottes

Predigttext zum 31. Mai 2026
Trinitatis: 4. Mose 6,22–27

Und der HERR redete mit Mose und sprach: Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.
 
4. Mose 6,22–27
 

„Alles ist an Gottes Segen und an seiner Gnad gelegen über alles Geld und Gut. Wer auf Gott sein Hoffnung setzet, der behält ganz unverletzet einen freien Heldenmut!“ (Lied aus dem Evangelischen Gesangbuch 352,1)

Es ist der Segen, der unsere Gottesdienste erst rund und vollständig macht. Der Segen steht zwar am Ende eines Gottesdienstes, von seiner Wichtigkeit aber steht er in der Mitte. Es ist der Segen, der uns bleibt, während manch anderes Wort aus dem Gottesdienst vorüberrauscht oder schnell vergessen ist.

Bei den Trauungen weiß ich, dass es vor allem der Segen Gottes ist, den die Paare erbitten. ­Dieser Segen soll über ihre gemeinsame Zukunft zu stehen kommen. Das öffentlich gesprochene Ja zueinander tritt hinter den zugesprochenen Segen Gottes zurück. Gottes Segen ist größer als jedes Versprechen, das Menschen einander geben ­können. Das ist deutlich zu spüren.

Segen für Sterbende

Wenn ich in Taufelterngesprächen die Eltern nach der Bedeutung der Taufe für ihre Kinder ­frage, kommt immer wieder eine Antwort: Mein Kind soll unter dem Segen Gottes stehen. Darum bringe ich es zur Taufe, dafür ist mir die Taufe ein sichtbares Zeichen. Mit dem Segen Gottes ist etwas auf und in das Kind gelegt, das mehr ist als alle Elternfürsorge geben kann.

Auch Sterbenden spreche ich den Segen zu. In aller Not und Angst, die die Aussicht des nahenden Todes bedeutet, gibt der Zuspruch des Segens Vertrauen und Sicherheit.

„Segnet die, die euch fluchen.“

Die Bibel überliefert uns viele Zeugnisse davon, wie Gott immer wieder durch seinen Segen an Menschen gewirkt hat: Dem Abraham spricht Gott zu: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.“ Im Neuen Testament geht die Geschichte des Segens weiter: die Menschen bringen Kinder zu Jesus, damit er sie anrührt und segnet. Jesus ­sendet seine Jünger und segnet sie. Er selbst macht den Segen zum Auftrag: „Segnet die, die euch fluchen.“

Der Segen ist das Größte, was wir von unserem Gott geschenkt bekommen. Aus dem Segen kommt uns Kraft her, im Segen fühlen wir uns geborgen. Der Segen macht uns zuversichtlich. Und es ist gut, dass wir durch immer wieder neu ausgesprochenen Segen daran erinnert werden, Gesegnete Gottes zu sein.

Viele Erklärungsversuche greifen zu kurz

Gottes Segen gibt uns Schutz, er ist unsere Freiheit, er will Frieden geben. Gottes Segen will unser Leben ganz umfassen. Vielleicht greifen alle verstandesmäßigen Erklärungsversuche für den Segen deswegen immer zu kurz. Gottes Segen erreicht mehr als unsere Sinne, nämlich unser Herz. Gottes Segen liegt auf mehr als unserem Leib, er hält unsere Seele.

Das nehmen wir aus jedem Gottesdienst mit nach Hause. Und wir können davon weitergeben. Wer unter dem Segen Gottes steht, ist eingeladen, diesen Segen auch auszuteilen. So wird der Segen mehr und mehr. Durch das Teilen wird der Segen größer. So segne und behüte uns Gott, der allmächtige und barmherzige, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Pfarrer Thilo Haak, Ostergemeinde Berlin-Wedding

Gebet des Monats Mai 2026

Ein Schmetterling sitzt auf einer lilafarbenen Blüte
Foto: Aaron Burden/unsplash

 

 

 

 

 

Ein Gebet für Mai

Ich wünsche mir

Flöge ein
Falter in
meinem Herzen

und wirbelte
das Dunkle auf

sähe ich dich
die Rettung –
Amen

Michael Lehmler

 

Aktuelle Ausgabe April 2026

 

Eine Briefmarke, auf der eine Eieruhr zu sehen ist
Exponate aus dem Mathematisch-Physikalischen Salon in Dresden ergaben eine Briefmarkenreihe in der DDR.
Foto: Albrecht Kalusche

Neue Serie: Der kleinste Bibelzeuge

Albrecht Kalusche nimmt uns mit
in die Welt der Briefmarken mit religiösen Motiven.
Seien Sie gespannt, was er alles über sein Hobby zu erzählen weiß!
Diesmal geht es um Kanzeluhren.
Von Albrecht Kalusche, Zwickau

 

 

 

 

 

Neue Serie ­Das Leben Jesu

Der Teufel steht neben dem sitzenden Jesus und hält einen Stein in der Hand
„Die Versuchung Jesus in der Wildnis“.
Gemälde von Juan de Flandes, um 1500.
Foto: Wikimedia Commons/gemeinfrei

­In dieser Aprilausgabe ­unserer Frohen Botschaft ist über eine wichtige Prüfung im Leben Jesus zu berichten: die Versuchung durch den Teufel.
Von Hans-Jürgen Grundmann, Berlin

 

 

 

 

 

 

 

Willkommen in Galiläa. 

Vor einem leeren Grab im Felsen stehen drei Frauen und ein Mann in weißem Gewand
Die Frauen finden ihn nicht, das Grab ist leer. Foto: KI erstellt mit Firefly_Gemini 2.5 Nano Banana

Die Kraft der Auferstehung spüren
Gedanken am zu Ostern.
Von Thilo Haak, Berlin-Wedding

 

 

 

 

 

Frage eines Lesers:
Was feiern wir eigentlich am Gründonnerstag?
Von Karl-Heinrich Lütcke, Propst im Ruhestand, Berlin

 

 

 

Predigten des Monats April 2026

 

Ein junger Man im grünen T-Shirt und Bart schaut mit gesenktem Blick zu Boden.
Zweifel kann die Seele trüben. Foto tim-mossholder/unsplash

Zum Monatsspruch April 2026

„Jesus spricht zu Thomas: Weil du
mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“
Johannes 20,29 (L)  

Wie gut, dass es im Evangelium diesen Thomas gibt! Der nicht so einfach glauben mag, was die anderen erzählen.
Den ihre Begeisterung nicht überzeugt. Der das selbst sehen möchte. Sehen und begreifen. „Zwilling“ nennt man ihn. Unser Zwilling könnte er sein.

Jesus kommt nur für den Zweifler zurück

Und gut, was das Evangelium daraufhin von Jesus erzählt! Dass er als Auferstandener noch einmal in den Jüngerkreis kommt, nun für Thomas, speziell für ihn und so wie er es braucht. Dass er seine Skepsis versteht und ernst nimmt. Und wie er sich ihm gegenüber verletzlich zeigt: Sieh meine durchbohrten Hände! Lege deine Hand in die Wunde an ­meiner Seite! So nahe lässt der Auferstandene ihn an sich heran!
Und Thomas muss das nun womöglich gar nicht wirklich betasten. Schon diese so persönliche Zuwendung lässt ihn staunend erkennen: „Mein Herr und mein Gott!“

Nicht sehen und doch glauben

Was Jesus ihm daraufhin sagt, gilt eigentlich uns: „Selig, die nicht sehen und doch glauben.“ Denn wir sind es ja, die gar nicht erst die Möglichkeit haben, den Auferstandenen mit eigenen Augen zu sehen. Und doch können wir das für uns wahr sein lassen: Dass Gott Jesus nicht im Tod gelassen hat. Dass der am Kreuz Gestorbene auf uns zukommt und sagt: „Friede sei mit euch!“ Meine Sendung in der Welt – ihr werdet sie fortführen.
Dazu braucht er gerade auch solche wie Thomas. Denen das Glauben schwer fällt. Die das Gehörte erst mal über­prüfen wollen, statt es sich einfach so zu eigen zu machen. Die dann aber bereit sind, das ganz ernst zu nehmen, was sie persönlich berührt und angesprochen hat. Ja, die damit selig werden.

Martin Germer war viele Jahre lang
Pfarrer der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin-Charlottenburg.

 

Predigten im Monat April 2026

Am Ende eines dunklen Tunnels ist ein helles Licht zu sehen
Licht am Ende des Tunnels.
Foto: KI-generiert mit mit Firefly_Gemini 2.5 Nano Banana

 

 

 

 

 

Ins Licht gehen

Predigttext zum 5. April 2026
Ostersonntag: 1. Korinther 15, (12–18) 19–28

Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. Nun aber ist Christus auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.
1. Korinther 15, 19–22
 

Als der niederländische Autor und Liedermacher Herman van Veen einmal in einem Interview gefragt wurde, wie er sich das Leben nach dem Tod vorstelle, antwortete er augenzwinkernd: „Ich versuche einfach nicht zu sterben. Irgendwer muss ja mal damit anfangen nicht totzugehen.“ Van Veen wählt Humor um der Frage nach den letzten Dingen auszuweichen.

Christus im Zentrum

Paulus nutzt eine theologische Argumentationskette, um sich der Frage zu stellen. Denn in der Gemeinde in Korinth, an die er schreibt, gibt es sehr verschiedene Vorstellungen von der Auferstehung. Manche zweifeln sie grundsätzlich an, andere lehren, dass nur die Seele unsterblich sei. Paulus stellt dagegen Jesus Christus und seine Auferstehung ins Zentrum. Da­ran hängt der Glaube für ihn. Nur im diesseitigen Leben aus der Christusbeziehung Hoffnung zu schöpfen – wie elend wäre das? Diese Verbindung muss doch weiterreichen, sie darf an der Schranke des Todes nicht abreißen. Und sie hat das Zeug, dass wir Menschen uns noch einmal in ganz ­neuem Licht sehen.

In den Tod geht er, aber tot geht er nicht

Durch einen Menschen kommt der Tod … und die Traurigkeit, die Sorge vor morgen, die kalte Gleichgültigkeit und die nagende Angst zu kurz zu kommen. Unsere Adams- oder Eva-Seite: Die macht uns kleiner als wir sind, härter als wir müssten, verzagter als gut ist. Durch einen Menschen kommt der Tod. Aber durch einen anderen kommt die Auferstehung. „Irgendwer muss ja mal damit anfangen nicht totzugehen.“ Ja, Christus fängt damit an, der Erstling. In den Tod geht er, aber tot geht er nicht, sondern lebendig. Genauso wir, die mit ihm verbunden sind. Das ist unsere Christus-Seite: Wir gehören zu ihm, egal was kommt, wir sind geliebt, mehr als wir ahnen, wir kommen aus Licht und gehen ins Licht.

Tun, was dem Leben dient

Nirgends wird das stärker zeichenhaft deutlich als bei der Taufe. Früher wurden Kinder wie Erwachsene dabei ganz untergetaucht. Das Auf­tauchen war dann als würden sie neu zur Welt kommen, eine Wiedergeburt. Das Zeichen: Mit dir Mensch fängt Gott immer wieder neu an, sogar im Tod. Zu dir Mensch sagt Gott: Du bist mein Augenstern, meine Lichtgestalt, kein Dunkel soll dich schrecken, heute ist aller Tage Anfang.
„Irgendwer muss ja mal damit anfangen nicht totzugehen.“ Vielleicht ist das Zitat van Veens ja auch Ausdruck einer österlichen Haltung? Weil Jesus dem Tod, diesem letzten Feind, die Macht genommen hat, müssen auch wir Menschen uns den tödlichen Mächten der Welt nicht untertan machen, müssen die Spiele von Hass und Verfeindung nicht mitspielen, sondern können tun, was dem Leben dient, andere aufrichtet, tröstet und stärkt. Einer zeigt uns wie das geht – Christus, der Erstling, Anfänger und Vollender.

Florian Kunz, Superintendent des Kirchenkreises Berlin-Spandau

 

Ein Adler erhebt sich mit ausgebreiteten Flügeln in die Lüfte
Aufsteigen wie ein Adler.
Foto: richard-lee/unsplash

Behaltet die Hoffnung

Predigttext zum 12. April 2026,
Sonntag Quasimodogeniti: Jesaja 40,26–31

Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen; aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden. 

Jesaja 40,28–31

Sein „Vormelder“ – so heißen die Antragsformulare im Gefängnis – lag in meinem Briefkasten, mit der Bitte um ein Gespräch. Nun sitze ich bei ihm im Haftraum. Ich höre von seinem Versagen, ­seiner Schuld, seiner Verurteilung und nun der zermürbenden Erfahrung, ein Gefangener zu sein. Er hat nahezu alles verloren und sieht kaum eine Perspektive für die Zukunft. Müde ist er und lässt den Kopf hängen!

Kopf hoch!

Was kann ich ihm sagen, wie kann ich ihn ermutigen, wo ich mich doch selbst manchmal müde und der Resignation nahe fühle angesichts der täglichen Nachrichten vom irren Umgang, den wir in der Welt miteinander pflegen und den wir der Schöpfung antun? Was kann ich ihm sagen? Kopf hoch? Ja doch!
Ich erzähle von dem Propheten, der vor bald dreitausend Jahren mit seinem Volk im Exil lebt, verschleppt, erniedrigt und nahezu perspektivlos. Der den Müden und Verzagten genau das zuruft: Kopf hoch! Schaut auf den unveränderlichen Lauf der Sterne, die Zeugen sind für die Größe der Schöpfung und für die unergründliche Macht ihres Schöpfers. Vertraut und gebt die Hoffnung nicht auf! „Hebt eure Augen in die Höhe und seht … Die auf den Herrn hoffen, kriegen neue Kraft!“

Den Blick auf Gottes wunderbare Schöpfung richten

Ob er sich wohl an das alte Gute-Nacht-Lied erinnert? „Weißt du wieviel Sternlein stehen, an dem blauen Himmelzelt … Gott, der Herr, hat sie gezählet, dass ihm auch nicht eines fehlet an der ganzen großen Zahl.“ Ja, genau das ist es, wozu der Prophet uns ermuntert: Kopf hoch und den Blick bewusst richten auf Gottes wunderbare Schöpfung, auf alles, was uns hoffen lässt auf die Zusage, wie sie am Ende des Liedes formuliert ist: „… kennt auch dich und hat dich lieb!“

Getragen wie auf den Flügeln des Adlers

Und dann bleiben wir hängen bei dem Bild fast am Ende des Textes: Denen, die vertrauen und hoffen, wird neue Kraft geschenkt, „dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler“. Das haben wir beide tatsächlich schon gesehen, einen dieser majestätischen Vögel mit seinen mächtigen Schwingen, der sich schon bald nach dem Abheben ganz der ­Thermik überlässt, den Aufwinden, die ihn tragen und fast ohne einen Flügelschlag in unglaubliche Höhen aufsteigen lässt.
Vielleicht wird er am Abend durch sein Zellenfenster hinaufschauen in den Sternenhimmel und ein wenig zur Ruhe kommen. Vielleicht wird er daran denken, dass es in seiner Situation nicht darauf ankommt, in Hektik zu verfallen und wild mit den Flügeln zu schlagen. Aber dass es schon den Mut und das Vertrauen braucht, um zu gegebener Zeit abzuheben und sich – getragen von Gottes Liebe – neu auf den Weg zu machen.

Pfarrer im Ruhestand Manfred Lösch ist
Gefängnisseelsorger im Ehrenamt in Berlin

 

Viele Menschen stehen im Kreis und strecken Ihre Hände aus
An uns ist es, mit Gott auf der Seite der ­Entrechteten zu stehen.
Foto: KI erstellt mit Firefly_Gemini 2.5 Nano Banana

Der gute Hirte verändert uns

Predigttext zum 19. April 2026
Sonntag Misericordias Domini: 1. Petrus 2,21b–25

Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet; der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.
 1. Petrus 2,21b–25
 

Sie werden beim Lesen dieses Predigtabschnittes den Kopf schütteln. „Ihr seid dazu berufen, zu ­leiden; ihr seid völlig unschuldig, aber wehrt euch auf keinen Fall; haltet den Mund und ertragt euer Leiden still, denn dann tretet ihr in die Fuß­stapfen Jesu!“ Das soll unser von Gott gewolltes Leben sein?
Klarheit bekommen wir, wenn wir die voraus­gehenden Verse zur Kenntnis nehmen. „Ihr ­Sklaven, ordnet euch in aller Furcht den Herren unter, nicht allein den gütigen und freundlichen, sondern auch den wunderlichen …“ (Vers 18).
Ein Hymnus wurde den Sklaven und leibeigenen Haus­angestellten gewidmet, ein Lied. Denn der Schreiber dieser Zeilen wusste ein Lied davon zu singen, wie es den Sklaven zumute gewesen sein mag.

Jesus will unserer gute Hirte sein

Sklaven können sich nicht wehren und sind der Willkür ihrer Beherrscher ausgeliefert. Der einzige Widerstand, der ihnen bleibt, ist die Bewahrung ihrer Würde. Nein, ihr Schicksal ist nicht die ­Konsequenz irgendeines Fehlverhaltens, ihr Schicksal ist die Folge des miesen Gebarens ihrer Herren. Die Sklaven sind in ihrem unschuldigen Leiden ganz nah bei Jesus Christus. Sie sind wie orientierungslose Schafe, wie es in einem Bild aus Jesaja 53,6 heißt. Gott wird ihnen zum „Hirten und Bischof“, (wörtlich übersetzt: „Aufseher“, modern: „Supervisor“) ihres Lebens. Wir feiern den „Guten-Hirten-Sonntag“. Jesus hat uns ­zugesagt, unser guter Hirte zu sein.

Wir können Menschen als Hirten zur Seite stehen

Sind wir mit diesem Text gemeint, wir, die wir keine Sklaven sind? Ja, sind wir! Allerdings aus anderer Perspektive. Wir gehören in unserem ­reichen Land auf die Seite der Herren. Wenn anderswo auf der Welt Menschen wie Sklaven behandelt werden, wenn sie mit Krieg und ­Grausamkeit überzogen werden, wenn sie unter Gewaltherrschaft dahinvegetieren müssen, dann ist auch unser reiches Land beteiligt. Wir können uns nicht aus der Verantwortung stehlen – und wir wollen es auch nicht.
An uns ist es, mit Gott auf der Seite der Unterdrückten, der Entrechteten zu stehen. Dann sind wir Gott ganz nahe. Wie behandeln wir Geflüchtete, die aus Ländern kommen, die für ihre Gastfreundschaft bekannt sind? Aus der Sklaverei ihrer Heimat entflohenen Menschen stehen wir als
„Hirten“ und „Bischöfe“ zur Seite.
Elf Tage nach dem jüdischen Pessach-Fest, dem Fest der Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten, feiern wir einen Guten-Hirten-Sonntag und ­danken dafür, dass wir in Jesus Christus einen guten Hirten haben, der uns zu guten Hirten macht für Menschen, die ohne Würde sind.

Christian Zeiske ist Pfarrer im Ruhestand in Berlin.

 

Vier Menschen stehen um einen Kranken herum und versorgen seine Wunden
Kranke pflegen. Unbekannter Künstler.
Foto: europeana-Xj/unsplash

Früchte bringen

Predigttext zum 26. April 2026
Sonntag Jubilate: Johannes 15,1–8

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.  Johannes 15,5–8

Ich bin der wahre Weinstock, der gute Hirte, das Licht der Welt, der Weg, die Wahrheit. Sieben ­solcher Ich-bin-Worte Jesu begegnen uns im Johannesevangelium. Manchen sind sie auf den ersten Blick nicht so sympathisch. Kennen wir doch aus unserer Gegenwart genug Menschen, die sich größenwahnsinnig und narzisstisch zum Maßstab aller Dinge machen, das Recht und sogar das Lebensrecht anderer Menschen missachten, Lüge zur Wahrheit erklären und Kritik an ihren Maßnahmen bestrafen. Auch zu Zeiten Jesu hatten Menschen Zweifel, ob Jesu Anspruch, der verheißene Messias zu sein, wirklich berechtigt war. Woran konnten sie das erkennen?

Gute Reben

Ich bin der wahre Weinstock, mein Vater ist der Weingärtner und ihr seid die Reben. So erklärt Jesus seine Beziehung zu Gott, zu seinen Jüngerinnen und Jüngern und zu uns. Er beschreibt uns als Menschen, die durch sein Wort gereinigt ­wurden und damit zu guten Reben geworden sind, die viel Frucht bringen können.
Wie heikel diese Verbindung der Jüngerinnen und Jünger damals zu Jesus war, können wir ahnen, wenn wir sehen, dass in diesen acht ­Versen sechsmal dazu aufgerufen wird, dass die Verbindung zwischen Jesus, den Jüngern und ­Jüngerinnen und Gott als Vater Jesu erhalten bleibt, dass sie nämlich an ihm und in ihm bleiben. Erkennbar wird unsere bleibende Verbindung mit ihm daran, dass wir viel Frucht bringen.

Baum des Lebens voller Früchte

Welche Früchte unserer Verbindung zu Gott und Jesus sind für uns und andere sichtbar? Daran messen uns auch diejenigen, die selbst keinen oder einen anderen Glauben haben. Als durch Christi Tod Gereinigte und Gerechtfertigte wollen wir diese Früchte des Glaubens bringen. Auf einem der ersten Hungertücher von Misereor ist der Baum des Lebens, an dessen Stamm der Gekreuzigte hängt, voller großer Früchte dieses Lebens, ­Leidens und Auferstehens Jesu Christi.

Diakonie, Frieden und Freude

Wenn ich diese Früchte beschriften könnte, würde ich sie so benennen: Diakonie als Sorge um die Kranken und Alten; Frieden als Botschaft nicht nur zu Weihnachten für eine Welt voller Konflikte und Aufrüstung; Freiheit als Aufbruch aus der Ohnmacht gegenüber Gewalttätern; Auferstehung als österliche Hoffnung in Trauer; Freude an pfingstlicher Vielfalt in Zeiten von Ausgrenzung und Abschiebungen.
Jesus traut uns zu, diese und andere Früchte unseres Glaubens zu bringen, wenn wir die Verbindung zwischen ihm, Gott und untereinander ­pflegen. Mit dieser Perspektive lädt er uns zum Jubilieren ein: „Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jüngerinnen und Jünger.“

Dr. Gerdi Nützel, Pfarrerin für internationale Studierende, Berlin

Gebet des Monats April 2026

Vor einem leeren Grab im Felsen stehen drei Frauen und ein Mann in weißem Gewand

Die Frauen finden Jesus nicht, das Grab ist leer.
Foto: KI erstellt mit Firefly_Gemini 2.5 Nano Banana

 

Ein Gebet für April

Nur die Liebe bleibt

Ostern

kalte klare Luft
die orangene
Morgensonne
hat es leicht
mich zu begeistern

Ostern ist noch weit
aber schon in Sichtweite
und hörnah –
Gott sei Dank
Kreuze und Monde –
Tode und Schatten
alles vergeht
nur die Liebe
ist und bleibt

Kitsch – unendlichfach
erprobt und geteilt –
ich vertraue dir
Amen

Michael Lehmler

 

Aktuelle Ausgabe März 2026

 

Neue Serie: Der kleinste Bibelzeuge

Albrecht Kalusche nimmt uns mit
in die Welt von Briefmarken.
Seien Sie gespannt, was er alles über sein Hobby zu erzählen weiß!
Diesmal geht es um die Evangelisten
Von Albrecht Kalusche, Zwickau

Ein Mann mit einem Heiligenschein und ienem langen Gewannt hat einen Stift in der einen Hand und in der Anderen ein Papier, das er beschrieben h at. Unten rechts ist ein Stier zu sehen
Der Evangelist Lukas auf einer Marke aus der Republik Togo: Foto: Albrecht Kalusche

Neue Serie ­Das Leben Jesu

Ein nur mit einem Schurz bekleideter Mann steht zwischen zwei Männern an einem  Fluss­in dieser Märzausgabe ­unserer Frohen Botschaft ist über ein wichtiges Ereignis im Leben Jesus zu berichten; über seine Taufe.
Von Hans-Jürgen Grundmann, Berlin

 

 

 

 

 

Ein Friedhof, vier Kreuze, Sonnenuntergang.An das Leid denken

Die Evangelische Kirche ruft dazu auf, auf das Leid von syrischen ­Christen aufmerksam zu machen
Gedanken am Ewigkeitssonntag
Von Sibylle Sterzik, Berlin

 

 

Christen sprechen über ihren Glauben
Auch in den schwersten Stunden ihres Lebens, als ihr jüngster Sohn mit 19 Jahren tödlich verunglückte, klammerten sich die Eltern an Gottes Wort
Kerstin Weiss, Leserin aus der Kirchgemeinde Thierfeld in Sachsen 

 

 

 

Gebet des Monats März 2026

Ein Mann zieht die Kapuze aus Fell tief ins Gesicht und senkt den Kopf. Um ihn herum überall Schnee
Versunken im Schnee. Foto: Foto: happy-face-emoji-RoS0Hm7AloU-unsplash

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Ein Gebet für März

Kein Atem

Du
Kein Atem mehr
für das Leben –
nur noch Winter
in der Seele,
die Sonne ver-
birgt sich in mir.
Ich gehe in dir
zum neuen tag

Amen

Michael Lehmler