Aktuelle Ausgabe November 2020

Kerzen anzünden für Verstorbene. Foto: pixabay
Kerzen für Verstorbene am Ewigkeitssonntag zu entzünden ist ein alter Brauch des Gedenkens. Foto: pixabay

 

Die Bilder der Bibel. 
Auch Teile unserer Kultur. Wie die Bibel entstand – Teil 11
Von Hans-Jürgen Grundmann aus Berlin

Gestickte Kerzen.
Gedanken zum Ewigkeitssonntag
Von Pfarrer Eckhart Wragge, Gefängnispfarrer a.D., aus Berlin

Wie haben Sie es damals erlebt? Serie: 75 Jahre Kriegsende
Zwei Engel für Vater und Sohn.
Wie ein polnischer Gastarbeiter den Vater vor russischer Gefangenschaft rettete und eine Flüchtlingsfrau für den Sohn betete.
Pfarrer i.R. Klaus Köller, Leser aus Berlin-Weißensee

Oma war schuld an der Karteln-Sucht. Serie: Meine Geschwister
Eigentlich wären wir gerade in Schweden, meine beiden jüngeren Schwestern und ich – gäbe es nicht gerade eine globale Pandemie.
Von Friederike Höhn aus Berlin

Christen sprechen über ihren Glauben.
Letztendlich ist da etwas, was mich hält. Etwas, für das ich keine Sprache habe.
Von Vikarin Maike Schöfer aus Berlin

Umziehen oder bleiben? Ich weiß nicht, wie soll ich mich entscheiden.
Die erwachsenen Kinder wohnen in einer anderen Stadt. Haus und Hof aufgeben und zu ihnen ziehen oder Hilfe holen und bleiben? Wo soll es hingehen?
Es antwortet: Pfarrerin m Ruhestand Katharina Plehn-Martins aus Berlin

 

 

Predigten des Monats November 2020

Bäume im Herbst.
Foto: pixabay

Zum Monatsspruch November 2020

Gott spricht: Sie werden weinend ­kommen, aber ich will sie trösten und leiten.           Jeremia 31,9 (L)

Ist das nicht einer unserer tiefsten Wünsche? Jemanden zu kennen, an den wir uns weinend wenden dürfen? Jemanden, dem unsere Tränen weder unangenehm noch egal sind?

Wann haben Sie das letzte Mal geweint? Wer hat Sie getröstet? Haben Sie überhaupt Trost gewollt? Viele beißen im Kummer die Zähne zusammen, weil sie Tränen für ein Zeichen von Schwäche halten. Aber das ist ein falscher Ansatz, ja, sogar fast eine Beleidung Gottes. Er hat uns geschaffen – in seinem Ebenbild. Deshalb können wir fühlen. Deshalb können und dürfen wir weinen. Er tut es auch.

Ob wir das nun aus Enttäuschung, Trauer oder Wut tun, Gott will uns immer trösten! Natürlich spricht das Bibelwort hier in erster Linie Israel, das Volk Gottes, an. Aber durch Christus gehören auch wir, die Erlösten aus den Nationen, dazu. Gott möchte seine Kinder wieder auf- und neu ausrichten. Er hat Antwort auf alle Fragen. Und – er möchte uns auf gute Wege leiten. Denn das ist der wahre Kern des Trostes. Unsere Tränen abzuwischen, ist nur der Anfang. Wir müssen wissen, wie wir getröstet weitergehen können.

In dieser Jahreszeit leiden viele unter trübem Wetter und schwermütigen Gedanken. Und ist nicht überhaupt dieses ganze Jahr 2020 zum Weinen? Vielen von uns hat es Verzicht, Verlust oder Verzweiflung beschert. Aber was, wenn wir es einfach wagen würden, weinend zu Gott zu kommen? Er verspricht, dass er sich kümmern wird. Wer sich mit glaubendem Herzen darauf einlässt, der kann getröstet seinen Weg gehen – geleitet von Gottes Güte!

Ursula Hecht, Berlin

 

Den Boden beackern. Foto: pixabay:

Wir ernten, was wir säen. Foto: pixabay

Die Früchte der Erde

Predigttext zum 1. November 2020 Sonntag nach ­Trinitatis:
Jeremia 29,1.4–7(8–9)10–14

So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels, zu allen Weggeführten, die ich von Jerusalem nach Babel habe wegführen lassen: Baut Häuser und wohnt darin; pflanzt Gärten und esst ihre Früchte; nehmt euch Frauen und zeugt Söhne und Töchter. Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum Herrn; denn wenn’s ihr wohl geht, so geht’s euch auch wohl.   Jeremia 29,4–7

Der Prophet Jeremia stellt uns mit seinem Brief, den er an die 597 vor Christus nach Babylon ins Exil deportierten Israeliten verfasst und der als Predigttext für den 21. Sonntag nach Trinitatis gewählt wurde, vor eine Herausforderung. Dieser Sonntag will neue Perspektiven eröffnen, den Blick weiten. In welche Situation hinein hören oder lesen wir diesen Text?

Aus aktuellem Anlass drängt sich beim ersten Lesen eine Parallelisierung der Adressaten auf: Dann würde sich der Brief nicht an eine Minderheit in Babylon richten, der ihnen eine Verbindung in die Heimat, Trost und Halt zu schenken vermag, sondern könnte auch an Geflüchtete aus Kriegsgebieten, Asylsuchende oder Vertriebene adressiert sein.

In der Auslegung des Textes auf diese Situation hin bleibt allerdings eine Spannung unauflösbar bestehen. Jeremia weitet den Blick der Deportierten, indem er ihnen zusagt, dass die Zeit, in der sie in der Fremde leben müssen, begrenzt ist. Die Situation ist endlich, wenn auch nicht schnell ­vorbei! Sie wird andauern und länger als eine Generation währen. Am Horizont dieser Zeit ­stehen Frieden, Zukunft und Hoffnung. Aber genau diese Vorläufigkeit wird Geflüchteten, die zum Teil auf einen unbefristeten Aufenthaltstitel hoffen, nicht gerecht.

Daher möchte ich heute eine andere Lesart ­vorschlagen. Jeremia zeichnet die Situation der Fremdheit in einer neuen Heimat, die nicht aus eigenem Antrieb gewünscht wurde. Sie wird von äußeren Begebenheiten und Ungewissheiten bestimmt und zwingt Menschen, ungewollt die alte Heimat sinnbildlich zu verlassen und in einer ­neuen Heimat sesshaft zu werden.

Hier denke ich an individuelle Verluste im Leben durch Todesfälle oder auch Trennungen, an schwere Krankheiten, die das ganze Leben wenden. Ich denke an Entwicklungen, die das altbekannte, gewohnte und geliebte Leben plötzlich vollkommen ändern, bei denen einem der Boden unter den Füßen weggerissen wird.

Jeremia spricht dem Menschen in einer existentiellen Krise eine Zukunftsperspektive zu, die er mit einem klaren Auftrag verknüpft. Richtet euch ein in dem Neuen, beackert den Boden unter euch, „baut Häuser und wohnt darin“, lasst euch darauf ein, macht es zu eurem, auch wenn ihr es nicht zu verantworten habt. Werdet Handelnde in dieser Situation, in die ihr unverschuldet hineingeraten seid! Und das alles steht unter dem Zuspruch: Du bist nicht allein, dein Gott begleitet dich auch an diesen Ort! „Denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden ­lassen.“

Dr. Sarah-Magdalena Kingreen,
Vikarin in der Kirchengemeinde Dahlem in Berlin-Zehlendorf

Jugendliche halten sich alle an einem Stern fest
Zusammen ist vieles zu ertragen. Foto: pixabay

Hab Acht

Predigttext zum 8. November 2020 Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres:
Thessalonicher 5,1–6(7–11)

Ihr aber seid nicht in der Finsternis, dass der Tag wie ein Dieb über euch komme. Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis. So lasst uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasst uns wachen … 1. Thessalonicher 5,4–6

Ständig auf Achse sein, in Hab-Acht-Stellung, um bereit zu sein, wenn der Tag des Herrn kommt. Dazu mahnt Paulus hier seine Glaubensgeschwis­ter. Verfielen sie in Lethargie und ließen sich gehen? Nein, sie sollten nicht nachlässig werden in der Nachfolge, darin, einander zu trösten und das Gute zu behalten.

Ich kann verstehen, dass einem da mal die Puste ausgeht. Schließlich kam der Herr ja nicht gleich wieder vom Himmel auf die Erde. Er schien sich zu verspäten. Für uns heute scheint die Wiederankunft Christi hier auf Erden gar kein Thema mehr zu sein. Nur in wenigen Predigten kommt es noch vor. Vielleicht fehlt uns auch einfach die Fantasie, wie das vor sich gehen soll?

Aber Paulus sagt da etwas Interessantes: Nur wenn ihr in der Finsternis seid, womöglich alle Sinne ausgeschaltet habt und schlaft, kommt das Licht wie ein Dieb in der Nacht. Überrascht euch der Herr im Dämmerzustand, meint er wohl. Nicht aber, wenn ihr immer im Licht seid. Sozusagen eurer Wesenszug ist. Wenn aus euch das Licht ­Gottes leuchtet und ihr es damit hell werden lasst, dort, wo ihr gerade seid. Als Erzieherin in der Schule bei den Hortkindern, als Senioren am Telefon, die regelmäßig diejenigen anrufen, die nicht digital angeschlossen sind. Als Kirchdienst, der nicht nur sonntags Kaffee kocht, sondern auch an die Karte für das Geburtstagskind gedacht hat. Als Friseurin, die Obdachlosen die Haare schneidet.

Mit Christus leben, hat viele Möglichkeiten. Welche passt für mich oder dich? Egal, welchen Weg jemand wählt: Kinder des Tages sind „angetan mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil“.

Sibylle Sterzik, Berlin

 

Ein junger Mann steht an einer Garderobenpuppe und bindet den Schlips
Christen legen mit der Taufe neue Kleider an. Foto: pexels

 

 

 

Jesus soll erst einmal jemand verstehen!

Predigttext zum 15. November 2020 Vorletzter Sonntag des Kirchen­jahres: Lukas 16,1–8(9)

Was höre ich da von dir? Gib Rechenschaft über deine Verwaltung; denn du kannst hinfort nicht Verwalter sein. Da sprach der Verwalter bei sich: Was soll ich tun? Mein Herr nimmt mir das Amt. Und er rief zu sich die Schuldner seines Herrn. Wie viel bist du schuldig? Der sprach: Hundert Sack Weizen. Er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreib achtzig. Und der Herr lobte den ungerechten Verwalter.  Lukas 16,1–8(9)

Ein angestellter Manager, der eine Hausverwaltung nebst einem Lebensmittelhandel führt, war nach damaligem Recht befähigt, eigene Unterverträge zu schließen, ohne es dem Chef zu sagen. Offensichtlich hatte er sich dabei die eigene Tasche gefüllt. Das kommt ans Licht. Kündigung und der Karriereabsturz sind vorprogrammiert, ­stehen vor der Tür. Es folgt die Selbsterkenntnis.

Selbsterkenntnis, dass man zu körperlicher Arbeit nichts taugt und trotzdem als kluger ­Manager versucht, die Schäfchen ins Trockene zu bringen. Der Clevere erlässt Schulden, kauft sich sozusagen damit Freunde. Dass der Chef von ­alldem nichts weiß, steht zu erwarten.

Auch uns steht einmal die Kündigung hier auf Erden ins Haus. Mit bloßen, leeren Händen vor unserem Herrgott stehen, das wäre schlecht. Jesus sagt uns darum, wir sollen nicht warten auf den schmerzlichen Abgang aus dem Leben, sondern wir sollen uns Fürsprecher kaufen. Egal wo das Geld herkommt. Hilf Menschen, es wird sie bestimmt nicht interessieren, wo das dafür herkommt. Tu etwas für Menschen. Gott wirds vergelten. Habe ich Jesus damit verstanden? Angst? Angst habe ich nicht vor dem, was ich nicht verstehe in der Bibel, sondern vor dem, was ich verstehe.

Titus Schlagowsky, Seelsorger und ­Prädikant, Nochern, Hessen und Nassau

 

Weinende Frau. Foto: pixabay

Gott verheißt, uns zu trösten. Foto: pixabay

Tränen werden abgewischt

Predigttext zum 22. November 2020  Ewigkeitssonntag:
Offenbarung 21,1–7

Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Offenbarung 21,3–5

Die Entstehungszeit dieses Textes ist trostlose Zeit. Die Christen litten sehr unter den Verfolgungen durch die römischen Machthaber. Vielleicht ist das Erleben und Fühlen der Christinen und Christen von damals gar nicht so fern von dem Empfinden der Menschen in unseren Gottes­diensten am Ewigkeitssonntag.

Wir gedenken der Verstorbenen. Manche Träne ist geflossen und fließt auch noch heute. Wir empfinden diese Tage als bedrückend und suchen Trost. Gott will uns seinen Trost geben. Johannes hat Gott gehört und gesehen und sagt Gottes Trost weiter. Gott wird seine Macht gegen das Traurigste erweisen, wenn die Not für die ­Menschen am größten geworden ist.

Die Offenbarung des Johannes entstand zur Regierungszeit des römischen Kaisers Domitian. Er war einer der grausamsten Verfolger der Gemeinde. In diese trostloseste Zeit hinein spricht Johannes eines der am meisten tröstenden Worte, die ich aus der Bibel überhaupt kenne. In seiner Vision greift er auf Bilder zurück, wie sie uns ganz am Anfang der Bibel begegnen. Am Ende der Zeiten wird alles neu und wieder in die Zeiten paradie­sischer Harmonie zurückgeführt. Himmel und Erde werden neu geschaffen. Etwas, das Gott für die Seinen schon lange im Himmel bereit hält, kommt auf die Erde. Schön ist es anzusehen, wie eine geschmückte Braut.

Und Gott nimmt Wohnung bei den Menschen. So wie er einstmals im Paradies bei den Menschen wandelte, wird es wieder sein. Gott ist dann bei seinen Menschen. Er wohnt mitten unter ihnen. Greifbar, hörbar, spürbar ist er da. In diesem Moment wird alles anders. Es gibt keinen Grund mehr zur Klage, zur Trauer und zur Traurigkeit. Gott nimmt sein Taschentuch heraus und beginnt den Menschen die Tränen abzutupfen. Ganz zärtlich und vorsichtig stelle ich mir das vor. Gegen alle Traurigkeit und gegen alles Leid, das wir er­leben, setzt Gott eine neue Erfahrung. Da brauche ich nicht mehr zu weinen und meine Tränen werden getrocknet.

Mit dieser Vision vermag der Seher Johannes etwas ganz Großartiges. Er geht mit seinen Gedanken den Weg von der Vertröstung auf kommende Zeiten hin zum Trost zu allen Zeiten. In seinem Bild werden erlebte und leidvolle Gegenwart und erhoffte und leidlose Zukunft zu einem. In die trostlose Gegenwart des Leides und der Tränen hinein sagt er eine Botschaft des Trostes. Denn Gott ist nicht nur Anfang und Ende, nicht nur alles, was unser Leben am Anfang und am Ende, sondern auch zu allen Zeiten dazwischen bestimmt. Gott geht mit uns von A bis Z.

Überall da, wo für Menschen mit leidvollen Erfahrungen Gott gegenwärtig wird, wo sie ihn spüren und seine Macht an ihrer Seite, da werden sie auch den Trost spüren, den Gott gegen alle Widrigkeiten und Traurigkeiten der Gegenwart zu setzen vermag. Gott hält Anfang und Ende und alles dazwischen in seiner Hand.

Thilo Haak, Pfarrer der Ostergemeinde Berlin-Wedding

 

Advent - Zeit der Kerzen und des Wartens.
Advent – Zeit des Wartens. Foto: pixabay

 

 

 

 

Der Friedenskönig kommt

Predigttext zum 29. November 2020 Advent: Sacharja 9,9–10

Brich laut in Jubel aus, Tochter Zion! Schrei Deine Freude heraus, Tochter Jerusalem! Sieh‘ doch, dein König! Er kommt zu Dir. Ins Recht gesetzt und gerettet ist er, ohne Besitz, voll Demut und reitet auf einem Esel, ja auf einem Grautier, dem Füllen der Eselin. Aus Ephraim rotte ich die Kampfwagen aus, die Streitrosse aus Jerusalem, der Kriegsbogen wird zerbrochen. Er verkündet den Nationen Frieden, regiert von Meer zu Meer, vom Tigrisstrom bis zu den Enden der Erde.
Sacharja 9,9-10, in der Übersetzung der Bibel in gerechter Sprache

Zum 1. Advent beginnt die Vorweihnachtszeit, diesmal in einem seltsamen Jahr, in dem alles anders ist. Lockdown im Frühling, AHA-Regeln – Atemschutzmasken, die Mund und Nase bedecken, Hygiene und Abstand, eine schreckliche, weltweite Pandemie, die noch lange nicht vorüber scheint.

Advent heißt aber auch in diesem Jahr Vorbereitung auf die Ankunft des Friedenskönigs Jesus Christus. Dazu passen die Worte des Sacharja, die sich auf Jerusalem als eine Art Welthauptstadt beziehen. In einer neueren Übersetzung lauten sie: „Brich laut in Jubel aus, Tochter Zion! Schrei deine Freude heraus, Tochter Jerusalem!“ Wann haben Sie das zuletzt erlebt, in lauten Jubel ausbrechen, die Freude herausschreien? Kann man heute so jubeln?

Enthusiastischer Jubel, der ihnen gilt: Das hätten sie gerne, die Diktatoren in unserer Welt, die einfach nicht verschwinden wollen. Sie sind keine Friedenskönige. In ihrem seltsam überholt anmutendem Nationalismus meinen sie: Wir zuerst, ich und meine Truppe, wir verschaffen euch Ruhm und Ehre. Sie trommeln sich wie ein Gorilla auf die Brust, um Eindruck zumachen. Was für ein hohler Jubel ist das. Ganz anders als der Jubel, der den Friedenskönig erwartet, der in der Vision des Sacharja schon vor 2500 Jahren erträumt  wurde und den Jesus dann erlebt hat beim Einzug in Jerusalem. Echte, authentische Freude klingt jetzt schon an in unserer Adventsmusik und in unseren Adventsliedern.

Zwei Kennzeichen hat er, der Friedenskönig. Er ist ohne Besitz, voll Demut kommt er. Ein Novum in der Weltgeschichte. Er reitet auf einem Esel. Der Bogen wird weit gespannt. Zuerst: Gott wird die verheerenden Waffen vernichten und dann: Der Friedenskönig setzt seinen Frieden gewaltlos durch, regiert von Meer zu Meer, vom Tigrisstrom bis zu den Enden der Erde. In einem Schwung breitet sich Gottes Frieden aus über die ganze Welt. Das ist die Vision zu Beginn der Adventszeit, die die ganze bewohnte Erde einschließt, verursacht vom Friedenskönig und seinen gewaltfreien Getreuen.

Zu schön um wahr zu sein? Wahrscheinlich. Ansätze sind ja da zum Beispiel in den Institutionen der Vereinten Nationen. Aber wir warten und hoffen auf mehr!

Jetzt beginnt sie wieder, die Adventszeit, die den Blick öffnen soll für den weltumspannenden Frieden, den Gott in Jesus Christus bringen will. „Bereitet doch fein tüchtig den Weg dem großen Gast; macht seine Steige richtig, lasst alles, was er hasst“ EG 9, 2). Sacharja lädt uns ein in eine gesegnete Adventszeit.

Paul Geiß, Pfarrer im Ruhestand, Berlin

 

Gebet des Monats November 2020

Vogeltränke am Grab Frohe Botschaft Dezember 2020Ewigkeit
Ein Gebet für November

Ewiger Gott, du bist die ­Auferstehung und das Leben. Du weißt, wie sehr wir unsere Verstorbenen vermissen, in den Tiefen unserer Seele. Schenke uns eine Ahnung des ewigen Lebens, das die Grenzen der Zeit übersteigt, das unsere Toten und uns umfängt.
Ewiger Gott, du bist das Brot des Lebens. Du kennst unseren Hunger nach Gerechtigkeit und einem guten Leben.
Gib uns dein Wort als Speise, dass wir eine Richtung finden für unser Leben auf dieser Erde.

Ewiger Gott, du bist das Licht der Welt, Du schaust in unsere Finsternisse. Lass es hell werden in uns und allen Menschen, dass wir dich sehen und dir folgen. Ewiger Gott, du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Amen                                   VELKD

Aktuelle Ausgabe Oktober 2020

Das Buch für die Welt.
Wie die Bibel entstand – Teil 10
immer noch ein „Bestseller“. 
Von Hans-Jürgen Grundmann aus Berlin

 

Landkarte Deutschland in den Nationalfarben
Deutschland, einig Vaterland? Collage: Nicole Wolf

 

3. Oktober –
einig Vaterland
Aufgeblüht oder abgebrochen?
Von Sibylle Sterzik aus Berlin

 

 

 

 

 

Martin Luther King Jr
Die Predigten des schwarzen Bürgerrechtlers prägten. Foto: pixabay

Wie haben Sie es damals erlebt? Serie: 75 Jahre Kriegsende
Zwei Erlebnisse, die den damals Dreijährigen prägten und die er nicht vergisst
Manfred Schreiber, Leser aus Zeulenroda-Triebes

 

 

 

 

 

Christen sprechen über ihren Glauben.
Den Glauben zu leben, bedeutet für sie vor allem, Menschen weltweit ein besseres Leben zu ermöglichen. Warum sich Susanne Wesemann für die Arbeit der Johaniter-Auslandshilfe einsetzt.
Von Susanne Wesemann aus Berlin

 

Warum interessiert sich mein Vater nicht für mich?
Trotz liebevoller Fürsorge kommt nichts zurück. Das macht die einige Tochter traurig.
Es antwortet: Propst im Ruhestand Karl-Heinrich Lütcke aus Berlin

 

 

Predigten des Monats Oktober 2020

Spree und Berliner Dom im Morgengrauen
Suchet der Stadt Bestes, in die ihr hineingestellt seid. Foto: pixabay

 

 

 

 

 

 

 

 


Zum Monatsspruch Oktober 2020

Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN; denn wenn’s ihr wohl geht, so geht’s euch auch wohl.           Jeremia 29,7 (L)

Am Beginn dieses Monats begehen wir den 30. Jahrestag der Deutschen Einheit. Wer in der DDR lebte, hat sich manchmal gefragt: Wie lange soll das noch gehen? Das fragte sich sicher auch die im 6. Jahrhundert vor Christus ins babylonische Exil verschleppte israelische Oberschicht. Da kommt Post aus der Heimat, ein Brief aus Jerusalem vom Propheten Jeremia. Was steht drin? Sein Rat im Auftrag Gottes: Richtet euch in der Fremde ein. Es wird länger dauern – 70 Jahre.

Mit der DDR war es Gott sei Dank nach 40 Jahren zu Ende.

Was sollte dieser unverständliche Aufruf: Setzt euch für das Wohlergehen der Einwohner in der fremden Stadt im feindlichen Land ein. Sie sollen für ihre Feinde, die an Götzen glauben, beten? Und wie sollen sie mit ihrem Schicksal fertig werden? Sie gerieten nicht zufällig nach Babylon, sondern ihr Gott hat sie dorthin bringen lassen. „Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.“

Was bedeuten die 2600 Jahre alten Worte Jeremias für uns heute? Gott sei Dank leben wir seit 30 Jahren in Freiheit. Aber es gibt viel zu tun zum Wohle der Menschen in unserem Land. Wie verhalten wir uns gegenüber Andersdenkenden, Andersglaubenden, Flüchtlingen? Was können wir in der Corona-Pandemie tun? Eine der neuen Glocken der ­Dresdner Frauenkirche und die Reinholdusglocke in Dortmund tragen die Inschrift: „Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn.“ Alle Kirchenglocken rufen uns zum Gebet. Beten wir für unsere Stadt und die Menschen, die hier leben. Gebet und Tat kann uns helfen, dass es uns und anderen gutgeht, dass wir Zukunft und Hoffnung haben.

Pfarrer Günter Dimmler, Königsee/Thüringen

 

Erntedankgaben am Altarr
Die Gaben dankbar zum Altar gebracht. Foto: pixabay

Wandlungswunder

Predigttext zum 4. Oktober 2020 Erntedank/17. Sonntag nach ­Trinitatis: Markus 8,1–9

Zu der Zeit, als wieder eine große Menge da war und sie nichts zu essen hatten, rief Jesus die Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Mich jammert das Volk, denn sie harren nun schon drei Tage bei mir aus und haben nichts zu essen. Und wenn ich sie hungrig heimgehen ließe, würden sie auf dem Wege verschmachten. Seine Jünger antworteten ihm: Woher nehmen wir Brot hier in der Einöde, dass wir sie sättigen? Und er fragte sie: Wie viele Brote habt ihr? Sie sprachen: Sieben. Und er nahm die sieben Brote, dankte, brach sie und gab sie seinen Jüngern, dass sie sie austeilten.                                                                             Markus 8,1.2.5.6

„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein …“ – dieser Satz ist von ihm. Doch Jesus weiß auch: „Der Mensch lebt nicht vom Wort allein …“ 4000 Menschen haben an seinen Lippen gehangen, von seinen Gedanken gekostet, ganze drei Tage lang. Viele haben eine lange Reise auf sich genommen, nur um ihn zu hören und zu sehen. An Proviant hat da offenbar keiner gedacht. Das Herz ist gesättigt, aber der Magen bleibt knurrend leer. Jetzt die Heimreise antreten wäre lebensgefährlich, das ist Jesus schmerzlich bewusst. „Mich jammert das Volk“, lässt die Luther-Übersetzung ihn sagen. Im griechischen Original zieht es Jesus vor Mitleid förmlich die Eingeweide zusammen. Doch der Schmerz wandelt sich in Aktivität, das Wunder nimmt seinen Lauf: Aus Wenigem wird Überfluss, sieben Brote und einige Fische, hastig zusammengekratzt, machen 4000 Menschen satt und selbst die Reste füllen noch sieben Körbe. Wo Jesus ist, da verströmt sich Fülle, da werden Menschen an Leib und Seele genährt. Doch vielleicht hat die Erzählung noch eine andere Pointe?

Als Jesus seinen Jüngern das Problem der hungernden Menge schildert, reagieren sie eher passiv: „Woher nehmen wir Brot hier in der Einöde, dass wir sie sättigen?“ Wir und sie – die Jünger unterscheiden zwischen sich und die anderen. Auf die Idee, etwas Eigenes einzusetzen, ihren Proviant zu teilen, bringt sie erst Jesus. Nachdem Jesus das Dankgebet über Brot und Fischen spricht, gibt er sie seinen Jüngern verwandelt zurück. Sie sind keine Waren der Selbstsorge mehr, nun sind sie Gaben der Fürsorge. Jesus durchbricht die Logik der Vereinzelung mit der Logik der Verbundenheit.

Vielleicht ereignet sich hier das eigentliche Wunder? Keiner ist ein Solitär, wir Menschen sind angewiesen auf einander. Mancher, der in der

U-Bahn partout keine Maske tragen will, sorglos feiern geht oder auf Anti-Corona-Demos herumbrüllt, wie sehr er persönlich unterdrückt wird, hat das noch nicht begriffen. Bis in die Spätantike haben Christinnen und Christen von Zuhause Lebensmittel zur Abendmahlsfeier mitgebracht und sie zu Brot und Wein auf den Altar gelegt, damit Jesu Dankgebet (Eucharistia) über ihnen gesprochen wird und sie verteilt werden. Wie schon einst: Niemand sollte hungrig nach Hause gehen. Das Wandlungswunder wiederholte sich: Aus ­Vereinzelten wurden Verbundene.

Bei uns hat dieser Brauch nur zu Erntedank überlebt: Einmal im Jahr legen wir auf den Altar, was sonst aus dem Supermarkt nur auf unserem Tisch landet. Keine Ernte-Folklore, sondern die Erinnerung: „Der Mensch lebt nicht für sich allein …“ Ja, auch dieser Satz könnte von Jesus stammen.

Florian Kunz, Pfarrer der Berliner ­Kirchengemeinde Zum Heilsbronnen und Stellvertretender Superintendent des Kirchenkreises Berlin-Tempelhof-Schöneberg

 

Jugendliche halten sich alle an einem Stern fest
Konfirmation: Das Vermächtnis ihrer Taufe wird erneuert und will gelebt werden. Foto: pexels

Ganz nah

Predigttext zum 11. Oktober 2020 18. Sonntag nach Trinitatis:
5. Mose 30,11–14

(Denn) Es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.    5. Mose 30,14

Welche biblischen Texte fallen Ihnen ein und sind wichtig für Sie? Die Antwort wird verschieden sein unter uns. Aber ich bin mir sicher, viele

w­erden auch die Zehn Gebote nennen, sie gehören dazu. Die Zehn Gebote sind wichtig, sie regeln ein gutes Zusammenleben von uns Menschen. Wir brauchen Regeln oder Gesetze. Wir brauchen eine Ordnung gerade in Krisenzeiten und danach im Übergang zu neuer Zeit.

Für das Volk Israel erhielt Mose die Zehn Gebote. Aber eben auch für die neue Zeit im gelobten Land wurden sie wichtig und immer wieder studiert und neu ausgelegt. Manche fassen die Gebote zusammen im Doppelgebot der Liebe: Gott lieben und den Nächsten wie sich selbst und nehmen dies als wichtigstes fürs Leben.

Andere suchen für sich einen besonderen Bibelvers, der sie im Leben begleiten möge. Das geht ganz verschieden zu: Vor ihrer Konfirmation nahm sich unsere Tochter viel Zeit, las in der Bibel und schrieb Verse auf, die sie ansprachen. Dann strich sie nach und nach zusammen, bis dieser eine Bibelvers 5. Mose 30,14 zurückblieb. Er wurde ihr Konfirmationsspruch.

Ein wichtiger Vers aus Moses Abschiedsrede im Übergang zum gelobten Land. Ein Vermächtnis, das haften geblieben ist bis heute. Gottes Wort ist nahe, ganz nahe, im Mund und im Herzen. Gottes Wort ist tief in uns und bleibt nicht nur Wort, es wird nicht nur das richtige gute Gefühl, es bildet den Verstand, es wird getan. Aus dem Hören und Reden, aus dem Beherzigen und Verstehen wird Tun: das Tun, wie Gott selbst tut.

Welch eine wunderbare Zusammenfassung für eine Schwelle im Leben wie die Konfirmation. Der Glaube wird erwachsen mit gemeinsamem Lernen und Leben des Glaubens im Konfirmandenunterricht. Jugendliche lassen sich mit dem Segen Gottes beschenken, Zuspruch und Anspruch zugleich. Das Vermächtnis ihrer Taufe wird erneuert und will gelebt werden. In Jesus Christus ist Gottes Wort Mensch geworden und Gottes Gebot erfüllt. Nicht im Himmel und nicht in weiter ­Ferne, sondern ganz nah.

Das Evangelium will immer wieder neu erzählt und ausgelegt werden, auch in diesem Herbst, wo viele Jugendliche ihre Konfirmation mit Corona­-Regeln feiern. Abstand halten hat nichts mit Abgrenzen zu tun. Corona lässt uns von Groß­events Abstand gewinnen und neu entdecken, ­welche Kraft im Kleinen in der Familie, in Freundschaften oder in der Nachbarschaft stecken kann. Das Evangelium Christi ermuntert vertrauensvoll, die Nähe Gottes zu erleben im Mund und im ­Herzen und im Tun, gerade auch in der Zuwendung zu denen, die zu oft im Abseits sind. Möge ­diese wichtig sein für uns alle.

Sabine Benndorf, Prädikantin in der Region Templin

 

Eine Schneiderin arbeitet an einem Kleid auf einer Schaufensterpuppe
Christen legen mit der Taufe neue Kleider an. Foto: pexels

Komm in Gottes Umkleidekabine

Predigttext zum 18. Oktober 2020 19. Sonntag nach Trinitatis:
Epheser 4,22–32

Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind. Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus. Epheser 4,23-25.32

Sie kennen das Wort „Kleider machen Leute“. Ein Sinnspruch, der eine tiefe Erkenntnis in sich trägt: Was wir an uns tragen spiegelt nach innen hinein und verändert unser Wesen. Oder auch umgekehrt: Was wir innen fühlen, kann sich sehr deutlich in der Kleidung zum Ausdruck bringen. Aus der Umkleidekabine können wir wie neu geboren kommen!

Wenn wir es wagen mal ein paar alte Klamotten abzulegen und uns ganz neu einzukleiden, dann macht das etwas mit uns. Wir werden gewissermaßen wie neu. Außen und Innen hat bei uns Menschen eine Menge miteinander zu tun. Diese Erkenntnis muss auch den Schreiber des Epheserbriefes bewegt haben, als er diesen Text aufschrieb.

Im Bildwort werden Christinnen und Christen aufgefordert, sich neu einzukleiden. Die Christusnachfolge ist gewandeltes Leben, sie bedeutet eine Veränderung im Äußeren und vor allem im Inneren. Wer das neue Kleid des Glaubens trägt, zeigt sich der Welt auf eine neue Art und Weise. Diese neue Bekleidung ist mehr als eine Jacke oder ein Hemd. Mit den Worten des Epheserbriefes ist es gleichsam ein „Neuer Mensch“, den wir anziehen.

Ich höre das klare und einfache Bildwort, doch ist es wirklich so einfach dem Leben im Glauben eine Gestalt zu geben? So einfach wie das Anziehen von neuen Kleidungsstücken? Alle Erfahrung lehrt mich, dass es leider nicht so einfach ist!

Und doch kann es gehen: Als Christ kann ich ein anderer, ein besserer Mensch sein. Ich lüge nicht mehr, sondern sage den Menschen die Wahrheit. Mutig und tapfer versuche ich mich nicht mehr mit Unwahrheiten bequem durchs Leben zu schummeln. Vielmehr bin ich redlich und aufrecht, auch wenn es unbequem und anstrengend sein kann.

Wenn mir auch Zorn erlaubt ist, so lasse ich über diesem nicht den Tag vergehen. Das heißt nichts anderes als dass ich nicht den Zorn über mich herrschen lasse, sondern dass ich mich beherrsche und den Zorn wieder ablege.

Ich bekomme auch ein ganz anderes Verhältnis zum Besitz. Es geht mir nicht mehr darum alles haben zu können, es gegebenenfalls durch Betrug oder Diebstahl zu meinem Eigentum zu machen. Christliches Leben misst sich nicht daran, was einer besitzt, sondern daran, ob einer in der Lage ist abzugeben und zu teilen.

So will das neue christliche Kleid aus uns neue Leute machen, weil eben Kleider Leute machen. Gott hat für jede und jeden von uns solch ein Kleid im Schrank. Alle Kleidergrößen finden sich darin. Lassen Sie sich einladen, mal in seine Umkleidekabine zu kommen und das neue Kleid nicht nur zum besonderen Anlass, sondern alle Tage zu ­tragen.

Thilo Haak, Pfarrer der Ostergemeinde Berlin-Wedding

 

 

Aehren wiegen sich im Wind
Ähren sammeln gegen den Hunger.
Foto: pixabay

Dem Guten folgen

Predigttext zum 25. Oktober 2020
20. Sonntag nach Trinitatis:
Markus 2,23–28

Und er sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, da er Mangel hatte und ihn hungerte, ihn und die bei ihm waren: wie er ging in das Haus Gottes zur Zeit des Hohenpriesters Abjatar und aß die Schaubrote, die niemand essen darf als die Priester und gab sie auch denen, die bei ihm waren? Markus 2,25+26

Die Geschichte vom Ährenraufen las sich für mich immer so: Jeder einzelne möge mit seinem Urteil eine bestehende Regel an die jeweilige Situation anpassen. Seit Corona glaube ich das nicht mehr. Ich erlebe, wie Menschen sich schnell an neue gesellschaftliche Konventionen gewöhnt haben und mit deren Einhaltung trotz persön­licher Einschränkungen einen übergeordneten ­Nutzen verbinden. Wer hätte gedacht, dass jemand sich einmal respektlos behandelt fühlen würde, weil ein anderer sich weigert, eine Maske aufzusetzen? Wir lernen gerade, dass gute Regeln die Freiheit einer Gesellschaft ermöglichen. Und das war wohl das, worauf die Pharisäer hingewiesen haben.

Die Jünger*innen Jesu klauen hungrig auf einem Feld das, was sie unmittelbar satt macht. Der Hunger steht für sie ausnahmsweise über dem Gebot, das ihnen heilig ist. Nicht ihr Mundraub erregt Aufsehen, sondern dass sie an einem arbeitsfreien Tag ernten. Sie wissen, dass die Vorwürfe berechtigt sind. Mit ihrer Kritik wollen die Pharisäer erreichen, dass das freie Zusammenleben vieler an einem Ort weiterhin möglich bleibt. Auch sie finden, dass das Gesetz für den Menschen geschaffen worden ist. Umgekehrt will Jesus ihnen inhaltlich nicht widersprechen.

Meine Auslegung, die sich allein auf die individuellen Bedürfnisse bezieht, würden weder die Pharisäer noch Jesus gutheißen. Jesus nutzt vielmehr die Gelegenheit, um sich als religiöse Autorität bekannt zu machen. Er vergleicht sich durch sein Argument öffentlich mit David. Jesus selbst verkörpert das Gesetz, das seit jeher das mensch­liche Zusammenleben gefördert hat. Das wurde auch so verstanden. Der anschließende Tötungs­beschluss der Pharisäer erfolgt aufgrund der vermeintlichen Anmaßung.

Jemand machte kürzlich den Vorschlag, den Sonntag für eine Zeit als Arbeitstag zuzulassen oder die Sonntage für eine Weile verkaufsoffen zu halten, um während des Lockdowns entstandene Einbußen auszugleichen und die geforderten Abstände besser einhalten zu können. Damit wurde zu recht eine Diskussion ausgelöst, inwiefern Wirtschaft und Gesundheit über dem Zusammensein in der Familie und unter Freund*innen an gemeinsamen arbeitsfreien Tagen und der Möglichkeit zum Gottesdienstbesuch stehen. Auch wenn es richtig sein kann, sich als Individuum zurückzunehmen, ist es wichtig, als Gesellschaft über die Verhältnismäßigkeit von Gesetzen zu diskutieren. Denn neue Bestimmungen sind ja nicht automatisch gut für die Menschen.

Dr. Stefanie Sippel, Pfarrerin, Alt-Pankow

 

Sommerlich gedeckter Tisch Frohe Botschaft August 2020
Einladend gedeckter Tisch. Foto: pexels

 

Gebet des Monats Oktober 2020

Frau freut sich und breitet die Hände aus
Freude über die Wunder Gottes. Foto: pixabay

Erntedank
Es gibt jederzeit etwas zu ernten
ist das nicht nur eine phrase –
wie verwelkte blümchen –
machmal muss ich lange suchen –
vielleicht ist das nichts die ernte
die leere – die du mit liebe füllst
oder der wertschätzende blick
auf mein begrenztes dasein
ist das große glück des tages
oder dein nein ist lebensrettend
ich danke dir für die ermutigungen
die mich lehren das gute zu sehen
und beglückt anzunehmen.
Michael Lehmler

Gebet des Monats September 2020

Sommerrad Frohe Botschaft Juli 2020

Foto: pixabay

 

 

 

 

 

Versöhnung schaffen

Ein Gebet für September

Du, großer ewiger Gott,

hast uns Versöhnung vorgelebt.

Du, mächtiger, allgewaltiger Schöpfer,

hast deinen Sohn geopfert, damit Versöhnung mit der sündhaften Menschheit geschehen konnte.

Umso mehr sind wir, deine Kinder, angehalten, es dir gleichzutun.

Gib uns die Kraft und den Willen, unseren Neid, unseren Hochmut, unsere Rechthaberei, unseren Zorn, unsere Missgunst, unser schlechtes Reden, unsere Bitternis, unsere Ungerechtigkeit abzulegen, um Versöhnung zu schaffen. –

Das sollte unser Opfer sein, um deinem göttlichen Willen zu entsprechen. Amen

Von Karl-Heinz Eberhardt Schäfer

Predigten des Monats September 2020

Stiftskirche Reichenberg Brennender Dornbusch Frohe Botschaft September 2020

Gottes schafft Versöhnung. Foto: Wikimedia Commons

 

 

 

Zum Monatsspruch September 2020

Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat. 
2. Korinther 5, 19 (E) 

„Denn Gott versöhnte in Christus die Welt mit ihm selber …“, übersetzte Martin Luther. In Bibelübersetzung „Hoffnung für alle“ der Bibel- und Missionsgesellschaft Biblica heißt es: „Denn Gott hat durch Christus ­Frieden mit der Welt geschlossen.“ Diesen heilbringenden Aussagen wohnt ein Haupt­gedanke inne, den Paulus ausdrückt: Gott hat sich mit den Menschen über seinen Sohn Jesus ­versöhnt.

Warum Gott nicht ohne Jesus die Versöhnung mit seinen Geschöpfen selbst betrieben hat? Durch Gottes Allgewaltigkeit könnte er uns Menschen hier im Diesseits niemals von Angesicht zu Angesicht gegenübertreten. Seine Lichtstrahlen würden wir nicht überleben. Erinnert sei daran, wie Gott unter anderem aus einem Dornbusch oder aus dem Himmel spricht, also selbst unsichtbar bleibt.

Gott reicht der Menschheit, die sich ihm oft widersetzt hat, aus Gnade durch Jesus die Hand. Deshalb musste Jesus, von Gottvater ins Leben gerufen, alles Menschliche erleiden. Dadurch kann er als Gottes Sohn für alle Menschen vor Gott eintreten. Nun ist es möglich, in dem Gottmenschen Jesus einen Fürsprecher bei Gottvater zu haben, der mich reinwäscht von Schuld und Vergebung schenkt.

So kann ich auf meinem Pilgerweg der Heiligung voranschreiten. Befreit durch diese Friedenstat der Versöhnung kann jeder Mensch unbeladen immer wieder neu mit Gott beginnen.

Karl-Heinz Eberhardt Schäfer, Leipzig

Neue Solidarität

Predigttext zum 6. September 2020 13. Sonntag nach Trinitatis:
Apostelgeschichte 6,1–7

In diesen Tagen aber, als die Zahl der Jünger zunahm, erhob sich ein Murren unter den griechischen Juden in der Gemeinde gegen die hebräischen, weil ihre Witwen übersehen wurden bei der täglichen Versorgung. Da riefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht recht, dass wir für die Mahlzeiten sorgen und darüber das Wort Gottes vernachlässigen. Darum, ihr lieben Brüder, seht euch um nach sieben Männern in eurer Mitte, die einen guten Ruf haben und voll Heiligen Geistes und Weisheit sind, die wir bestellen wollen zu diesem Dienst.

Apostelgeschichte 6,1–3

Die Tage der ersten Gemeinde sind nicht nur ­heile Welt. Es kommt zu einer ersten Zerreißprobe. Lukas schreibt ein Lehrstück davon, wie die Gemeinde damit umgeht.

Auslöser des Konfliktes ist Ungerechtigkeit beim Verteilen der Speisung für die Mittellosen. Zu diesen gehören vor allem die Witwen der griechischen Juden. Des Teils der Gemeinde also, der sich nicht aus Hebräern zusammensetzt. Sie haben eine andere Kultur, eine andere Sprache, sie sehen anders aus. Sie sind Fremde, das befremdet. Und auch wenn Judentum und Christentum lehren „Du sollst die Fremden nicht unterdrücken“ hat die Nächstenliebe an dieser Stelle offensichtlich ihre Grenze erreicht.

Der Hunger macht der ausländischen Minderheit der Gemeinde Mut. Sie murren mit Recht, so soll es unter Christen nicht zugehen! Das dringt bis an die Ohren des Zwölfer-Kreises, der Gemeindeleitung. Sie erkennen das Problem und handeln. Wie bei uns heute gehört das offene Ohr, die sensible Empathie, die Fähigkeit, Stimmungen und Strömungen in der Gemeinde wahrzunehmen zur ­unbedingten Qualifikation von Leitung. Die Zwölf wissen, dass in der Aufgabe der Verkündigung ihre Verantwortlichkeit liegt. Und sie sind weise genug zu erkennen, nur diese Aufgabe leisten zu können. Nicht alle können alles machen! Wenn diese Weisheit sich bis zu uns durchspräche, wie viel Menschen könnten aus selbstgemachtem Stress zu neuen Aufgaben befreit werden?

Die Apostel setzen nun Ämterteilung gegen Ämterhäufung. Sie entwickeln die Idee, die Armenspeisung durch besonders dafür beauftragte Menschen organisieren zu lassen. Die ersten gemeindlichen Berufsspezifikationen entstehen. Neben das Amt des Verkündigers tritt das Amt des Diakons. Unter deren Verantwortung wird die gemeindliche Solidarität neu ins Leben gesetzt.

Die Zwölf setzen ihre Idee von der Ämterteilung aber nicht mit ihrer Autorität durch. Vielmehr stellen sie sich der ganzen Gemeinde und deren Abstimmung. Erst nachdem alle Ja zu der Idee sagen, wird sie umgesetzt. Die Suche und Wahl der Diakonie geschieht dann konsequenter Weise auch in einem demokratischen Verfahren. Vor der ganzen Gemeinde werden sie unter Gebet und Handauflegung in ihre neue Funktion eingeführt. Zur demokratischen Entscheidung der Gemeinde tritt der Zuspruch des Segens und die Bitte um Gelingen an Gott dazu.

Und weil Gott seinen Segen gibt, wächst die Gemeinde jeden Tag und das Wort Gottes breitet sich aus. So wird der Segen Gottes auch über unserer Existenz als solidarische Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern Jesu Christi zu stehen kommen. Darum sollten wir von diesem kleinen Lehrstück über die Armenpflege in ­Jerusalem reichlich lernen.

Thilo Haak, Pfarrer der Ostergemeinde, Berlin-Wedding

Arme unterstützen. Foto: Berliner Tafel/Dietmar Gust Frohe Botschaft September 2020

Arme unterstützen.
Foto: Berliner Tafel/Dietmar Gust

 

Zachäus Niels Larsen Stevns
Zachäus auf dem Baum schaut sich Jesus an. Foto: Niels Larsen Stevns/Wikimedia

Komm herunter!

Predigttext zum 13. September 2020 14. Sonntag nach Trinitatis:
Lukas 19,1–10

Und Zachäus stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Jesus zu sehen; Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren.                  Lukas 19,4+5

Ob sich die Geschichte vom Baumkletterer Zachäus so abgespielt hat? Möglich. Oder hat sich der Schriftsteller Lukas diese Geschichte ausgedacht? Einer ist neugierig auf Jesus. Hat das jemand, der heute diese Geschichte liest oder erzählt bekommt, schon mal erlebt, dass einer oder eine auf Jesus neugierig gewesen ist?

Ich kann mich nicht erinnern, das in meinen Gemeinden erlebt zu haben. Ja, auf Kirche war man neugierig. Vor großen Veranstaltungen wie auf einem Kirchentag oder im Alltagserleben zu DDR-Zeiten habe ich erlebt, dass man auf Kirche oder auf einen Pfarrer oder einer Pfarrerin in der Gemeinde, beim Bürgermeister, in der Schule, bei Behörden neugierig gewesen ist. Aber dass jemand auf einen Baum geklettert ist, das wird nur von Zachäus erzählt. Er war klein. Er wollte Jesus sehen. Er wollte ihn kennenlernen. Aber die Menge am Straßenrand versperrte ihm die Sicht. Er wusste wohl auch, dass er bei der Menge keine guten Karten hatte. Er verfügte wohl als Zöllner über ärgerliche Machtbefugnisse, privat wollte man mit ihm nichts zu tun haben. Und so ­kletterte er auf einen Baum. Seine Neugierde war nicht, wie dieser Jesus wohl aussehen wird.

Nein, er hatte davon gehört, dass Jesus helfen kann, wo Menschen mit ihrem Leben nicht mehr klar kommen. Obwohl er als Zollbeamter über einen komfortablen Arbeitsplatz verfügte, war ihm bewusst, dass seine Mitbürger in ihm einen Ausbeuter sahen. Das muss ihn doch sehr bedrückt haben.

Ja, so ist das: Nicht nur „die Armen“ haben Probleme, denen geholfen werden muss. Die Kirche ist auch heute wirklich engagiert, armen Menschen vor Ort und weltweit zu helfen. Für die Kirche, für die christliche Gemeinde wird mit Hinweis auf Jesus viel erwartet – und das ist in Ordnung.

Lukas hat uns aber eine Geschichte überliefert, die im Umkreis „der Reichen“, der unsympathischen Zeitgenossen, von Ausbeutern und trickreichen Ichmenschen angesiedelt ist. Ja, was ist mit den „Reichen“ jenseits der „Armen“ in jeder Hautfarbe, weiß, schwarz, gelb und gemischt, mit ausreichender Bildung, mit Titeln und gesellschaftlicher Achtung und Sicherheit? Was ist es mit uns, denen es eigentlich ganz gut geht, die hier und da auch schlaflose Nächte haben? Die darum wissen oder ahnen, was sie quält, was sie verdrängen und woran sie doch erinnert werden, was aufgearbeitet werden müsste?

Und dann geschieht etwas Unvorhergesehenes: Als Jesus den Mann im Baum sah, rief er ihn an: „Zachäus, schnell! Komm herunter! Ich möchte heute in deinem Haus bei dir sein.“

Am Ende der Geschichte heißt es: „Die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.“ Auf diesen Jesus kann man auch heute neugierig sein.

Es muss ja nicht ein Baum sein. Es kann auch eine Kirche sein oder ein Christenmensch, die oder der sich mit Jesus im Herzen um Menschen kümmert, um die sich sonst keiner kümmert. „Komm herunter! Ich will bei dir sein!“ – das ist das Evangelium, die frohe Botschaft!

Joachim Koppehl, Superintendent in Ruhe, Berlin

 

Regenbogen Zeichen der Gnade Frohe Botschaft Juli 2020

Ein Regenbogen – Zeichen des Bundes.
Foto: pixabay

 

 

 

Katechetisches Meisterwerk

Predigttext zum 20. September 2020 15. Sonntag nach Trinitatis:
1. Mose 2,4b–9(10–14)15(18–25)

Da machte Gott der Herr den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den 0dem des Lebens in ­seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen. Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden gegen 0sten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte. Und Gott der Herr ließ einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen … und er nahm eine seiner Rippen … und baute ein Weib aus der Rippe … und brachte sie zu ihm.

1. Mose 2,1.7.8.15.21f

Der erste Schöpfungsbericht (1. Mose, 1–2,4a) zeigt eine Gottes-Idee von einer Reinheit und Erhabenheit, wie wir sie einem Philosophen oder Theologen zuschreiben möchten. Gott braucht nur zu gebieten, und es wird: Es werde Licht! Und es ward Licht! Davon ist hier, im zweiten Bericht,  nichts zu finden. Um so menschlicher wird hier von Gott gesprochen, wobei sich der Erzähler bewusst ist, dass er in Gleichnissen redet. „Alles ist so gewesen, nichts war genauso“, so beschriebe es Volker Schlöndorf einmal.

Wie ein Töpfer auf seiner Drehscheibe formt Gott den Leib des Menschen. Wie ein Glasbläser haucht er ihm den Lebensodem ein, wörtlich den „Schnauf“. Wie ein Gärtner (Vergleiche das Bild von Emil Nolde „Der große Gärtner“) legt Gott den Paradiesgarten an („gegen 0sten“!). Manche Gemeinde rief in diesem Jahr zum Gärtnern (und Wässern) auf, um die Kirche und auf dem Friedhof. Die Zusammenarbeit tat auch der Seele gut.

Wie ein Chirurg schläfert Gott den Mann ein (immer daran denken: Es ist ein Gleichnis: „wie ein“) entnimmt ihm eine Rippe und baut daraus wie ein Künstler die Frau. Er führt sie wie ein Brautführer dem Mann zu. Der Gedanke schwingt mit, der Mann habe auch so der Rippen noch genug! Plastischer, realistischer und handgreiflicher könnte die Erschaffung des ersten Menschenpaares nicht geschildert werden. Hier liegt ein katechetisches Meisterwerk vor (Theodor Schwegler). So redet ein Katechet oder ein Missionar. Oder ein Liebender. Ich erinnere mich, wie ein Bräutigam ausrief: „Endlich habe ich eine Frau gefunden, die meinem Herzen nahe ist!“ Ist das naiv? Ja, lebten sie vorher einsam, nun zweisam.

Die Frau ihrerseits steht nach dem Plan Gottes an der Seite des Mannes, weder über ihm wie eine Herrin, noch unter ihm wie eine Sklavin. Sie sind Liebende. „Es ist unmöglich, sagt die Erfahrung. Es ist, was es ist, sagt die Liebe“ (Erich Fried). Er ist (hebräisch) der „isch“, sie die „ischa“. Sie sind eine Einheit in aller Verschiedenheit. Welche wunderbare Motivation sind die Gleichnisse zweiten Schöpfungsberichts für Religionslehrer, Schülerinnen und alle, die wieder jung werden möchten.

Eckart Wragge, Pfarrer im Ruhestand, Berlin

 

 

Das Leben bewahren. Frohe Botschaft September 2020Foto: pixabaySiege über den Tod

Predigttext zum 27. September 2020 16. Sonntag nach Trinitatis:
2. Timotheus 1,7–10

Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Christus Jesus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium.  2. Timotheus 1,7+10

Tausende junger Menschen demonstrierten voriges Jahr gegen die Umweltzerstörung und ihre Folgen. Heute ist es still geworden um die „Fridays for Future“-Bewegung, die Angst vor dem Corona-Virus hält uns weltweit in Atem. Gerade zur Osterzeit, dem Fest der Auferstehung, sahen wir die Bilder unzähliger Särge in Bergamo und anderswo und sorgten uns um unser Gesundheitssystem, wie viele Opfer wir zu beklagen haben werden, ob wir selbst dazugehören würden. Hatte der Tod gewonnen? Hat der Sieg Christi über ihn keine praktische Bedeutung?

Auf den ersten Blick mag es so scheinen. Nicht nur die Pandemie deutet darauf hin, auch Mord und Totschlag, Krieg und Vertreibung, menschenverachtender Rassismus. Der ist auch bei uns schmerzlicher Alltag für viele ohne helle Haut, blaue Augen und blonde Haare. Schon kleine ­Kinder müssen Bösartiges erleben, gedankenlose Bemerkungen und schamlose Gesten oder gar Übergriffe.

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit“, wurde der junge Timotheus er­mutigt. Für viele im Lockdown klang das in der Osterzeit hochaktuell. Die alten Worte halfen auch uns mit dem Stillstand zurechtzukommen, um die Pandemie zu beherrschen. Das österliche Hauptthema, Jesu Sieg über den Tod, geriet darüber in den Hintergrund. Darum freue ich mich, dass es nun – fast ein halbes Jahr später – noch einmal betont wird.

Vielleicht können wir vom Ostersieg über den Tod Spuren in unserem Leben heute finden? Eine solche Spur ist für mich der pausen- und selbst­lose Einsatz von Ärzt*innen und Pflegekräften. Wir sollten diese Held*innen des Alltags nicht vergessen. Eine andere: Als eine Bekannte vor einem Jahr ihren Mann durch plötzlichen Herzstillstand verlor, stand ihr Leben auf einmal still; dennoch verschickte sie einen liebevollen Weihnachtsbrief mit Dank, Hoffnung und Zuversicht. Ihr Glaube hatte ihr geholfen.

Österliches sah ich auch im Handeln unserer Regierenden: einmütig, mutig und die Chance der Krise für Veränderungen nutzend, dabei Schwache nicht vergessend. Ob das tatsächlich gelungen ist, steht auf einem anderen Blatt.

Einer Brustkrebspatientin half der allgemeine Lockdown in ihrem ganz persönlichen Leben. „Mein altes, unbeschwertes Leben werde ich nicht ­wiederbekommen“, schreibt sie. „Dafür ist zu viel passiert. Es wird ein anderes Leben, vielleicht sogar ein besseres, sagt meine Psycho-Onkologin. Das macht mich neugierig.“ Das alles sind für mich Oster-Erfahrungen, ­Siege über den Tod.

Welche haben Sie?

Sabine Ost, Pfarrerin im Ruhestand, Berlin

 

Sommerlich gedeckter Tisch Frohe Botschaft August 2020
Einladend gedeckter Tisch. Foto: pexels

 

Aktuelle Ausgabe September 2020

Zwei Männer und eine Vision. 
Wie die Bibel entstand – Teil 9
Luther und Freiherr von Canstein
Von Hans-Jürgen Grundmann aus Berlin

Der Vater war Schmied und half den BauernWie haben Sie es damals erlebt? – Neue Serie: 75 Jahre Kriegsende
Der Sohn des Schmieds war zehn. Eine Wahrsagerin, die russisch sprach, befreite den Vater von den Russischen Soldaten.
Siegfried Dehmel, Pfarrer im Ruhestand aus Berlin

Christen sprechen über ihren Glauben.
Die Menschen sollen erleben, dass das Reich Gottes nichts Fernes und Jenseitiges ist. Warum sich Dr. Rainer Brockhaus bei der Christoffel-Blindenmission engagiert.
Von Rainer Brockhaus aus Bensheim

Versöhnungskreuz in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche Frohe Botschaft September 2020

Frieden halten –
wie schaffe ich das?

Haltet Frieden, rief der Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm im Gedenkgottesdienst zu
75 Jahre Kriegsende am 8. Mai 2020 auf. Wieso gelingt uns Menschen das so selten, fragt eine Leserin.
Es antwortet: Generalsuperintendent Martin-Michael Passauer aus Berlin

 

 

Aktuelle Ausgabe August 2020

Die vorlutherischen deutschen Bibel  –
Wie die Bibel entstand – Teil 8
Der Bayer versteht den Sachsen nicht. 
Von Hans-Jürgen Grundmann aus Berlin

 

3. Oktober – Deutschland singt
Eine Initiative feiert die Wiedervereinigung, die Demokratie und tritt für den Zusammenhalt in der Gesellschaft am 30. Tag der Deutschen Einheit ein. Mitmachen erwünscht
Von Stephan Kahé aus Tutzing

 

 

Wie haben Sie es damals erlebt? – Neue Serie: 75 Jahre Kriegsende
Wie eine Krankenschwester aus der Steiermark das Leben eines 18-Jährigen rettete.
Eva Lorenzen, Leserin aus Magdeburg

Unzertrennlich Frohe Botschaft August 2020

Große Geschwisterschar.
Wir waren sechs Geschwister, eine Schwester starb bereits vor vielen Jahren
Hildegard Eydam, Leserin aus Naumburg/Saale

 

 

Christen sprechen über ihren Glauben:
Gott beruft mich zum Leben als sein geliebtes Kind, dieses Geschenk ­weiterzugeben in Verantwortung für die Schöpfung.
Von Alexander Reichert, Leser aus Jüterbog

Die Weisheit der älteren Semester.
Lebensfrage: Trotz meiner Erfahrungen fühle ich mich als älterer Mensch manchmal nicht ernstgenommen. Müsste das nicht andersherum sein?
Es antwortet Hans-Ulrich Schulz, Generalsuperintendent a.D., aus Potsdam