Predigten des Monats Januar 2020

Verschneite Landschaft
Winderlandschaft. Foto: pixabay

Gedanken zur Jahreslosung 2020
Ich glaube; hilf meinem Unglauben. Markus 9,24

Die Jahreslosung für 2020 ist ein Verzweiflungsschrei. Nur Verzweiflung kann solche Sätze hervorbringen, die solch einen Widerspruch in sich ­tragen. In einem Satz stehen zwei gegensätzliche Aussagen unvermittelt nebeneinander: Glaube und Unglaube, Vertrauen und nicht mehr vertrauen können, Frömmigkeit und Areligiosität, Gottnähe und Gottferne ruft hier einer zur gleichen Zeit, ja ruft nicht nur, sondern schreit.

Es sind die Grenzsituationen unseres Lebens, die diese Schreie hervorbringen. Starke Trauer kann das sein, wenn ein geliebter Mensch plötzlich aus dem Leben gerissen wird, oder Trennung, wenn die Partnerin oder der Partner sich jäh von einem abwenden. Auch unheilbare Krankheit bringt Menschen in solche Verzweiflungssituationen. Da wird der eigene Glaube aufs Äußerste erschüttert. Diese Erschütterung bringt den Unglauben hervor. Aber es ist nicht so, dass der Unglaube den Glauben verdrängt. Nein, vielmehr drängt sich der Unglaube in den Glauben hinein. Da stehen sie dann miteinander da, die beiden sich doch eigentlich ausschließenden Größen. Denn wo Glaube ist, kann doch gar kein Unglaube sein. Wo Unglaube ist, wo soll da Glaube her­kommen? So empfinden und urteilen wir normalerweise.

Doch es gibt eben Situationen, wo das ganz anders ist: Die Jahreslosung ist einem längerem Abschnitt aus dem Markusevangelium entnommen. Da wird berichtet, wie ein verzweifelter Vater zu Jesus kommt. Sein Sohn leidet lebenslang an einer schlimmen Krankheit, mehrfach hat sie ihn schon dem Tode nahe gebracht. Zuerst hatte der Vater sich an die Jünger Jesu gewendet und darum gebeten, dass sie den Jungen heilen – oder ihm den bösen Geist austreiben, wie es in der Sprache der Bibel heißt. Doch die Jünger vermochten es nicht. Nun steht der Vater Jesus gegenüber und bittet ihn um Hilfe, wenn er zu helfen vermag.

Jesus antwortet: „Alle Dinge sind möglich dem, der glaubt.“ Diese Antwort Jesu macht den Vater noch verzweifelter und jetzt schreit er: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ Die Antwort Jesu ist kein herabwürdigendes Wort an den Vater, warum der nicht gläubig genug ist. Sie ist viel einfacher, Jesus heilt das kranke Kind. Auf diese Weise

hilft er dem Vater, hilft er dem Unglauben des ­Gläubigen. Keine Vorhalte über nicht hinreichende Glaubensstärke, sondern ein schlichtes Eingehen auf den Verzweiflungsruf des Vaters.

Das tut Jesus, weil zwischen den so gegensätzlichen Worten die Bitte um Hilfe steht. Diese Bitte um Hilfe, die zwischen Glaube und Unglaube steht, wird zum Verbindungsglied, das aus einem Widerspruch eine Übereinstimmung macht.

Glaube und Unglaube können in uns sein, solange wir noch darauf vertrauen, dass Jesus ­helfen kann. Im Vertrauen auf seine Hilfe wird alles heil, der Sohn lebt. Darum ist unsere Jahreslosung auch ein Vertrauenswort. Mit diesem Vertrauen gehen wir in und durch ein neues Jahr!

Thilo Haak, Pfarrer der ­Osterkirchengemeinde, Berlin-Wedding

Jesus Trost
Gott lässt sich auf die Menschen ein. Foto: pixabay

Zeit der Gnade

Predigttext zum 5. Januar 2020 2. Sonntag nach dem Christfest:
Jesaja 61, 1–3 (4–9) 10–11

Der Geist Gottes des Herrn ist auf mir, weil der Herr mich gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den ­Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, dass sie frei und ledig sein sollen; zu verkündigen ein gnädiges Jahr des Herrn und einen Tag der Rache unsres Gottes, zu trösten alle Trauernden.

 Jesaja 61,1–2

Zwischen Weihnachten und Neujahr wird es ­ruhiger, denken viele Menschen. Der Stress von Weihnachten klingt ab, da gibt es vielleicht auch wieder mehr Zeit füreinander. Doch die Welt bleibt nicht einfach stehen, manchmal kommt etwas dazwischen, und es kann sehr rasch vorbei sein mit den Hoffnungen, die wir vielleicht noch zwischen den Jahren hatten. In diese Stimmung spricht der Prophet Jesaja den Menschen etwas Neues zu, er will die gute Botschaft Gottes zu den Menschen bringen, deren Hoffnungen zerbrochen sind.

Das Jahr 2020 ist gerade fünf Tage alt, und immer noch können wir uns im Freundes-, Bekannten- oder Kolleginnenkreis ein gutes, gesundes oder auch gnädiges Neues Jahr wünschen. Mit diesen Wünschen öffnet sich etwas, was auch Jesaja erreichen will: Unsere Augen ­sollen neugierig für das Neue werden.

Kann das Jahr 2020 ein Gnadenjahr werden, angesichts einer ungnädig gewordenen Welt? Wir können ganz ­konkret die Welt gnädiger machen und dazu ­beitragen, dass Menschen getröstet werden, indem wir zuhören, mitfühlen und anderen zur Seite ­stehen, die so Zuspruch erfahren und Zeichen der Freundlichkeit spüren.

Was Gott uns über Jesaja mitteilen lässt, ist etwas Großartiges: Die Zeit der Gnade lässt die Trauer weichen, traurige und zerbrochene Herzen werden verbunden. Gott macht es hell und weit, Gott lässt sich ganz bewusst auf uns Menschen ein, weil er ein gnädiger, barmherziger und gütiger Gott ist. Ein gnädiges Jahr des Herrn beginnt. Wie tröstlich ist dieser Zuspruch Jesajas für alle, die traurig sind. Die seelsorgliche Botschaft des Propheten ist wunderbar befreiend.

Ich wünsche uns allen, dass wir auf diese ­Botschaft in diesem Jahr immer neu hören können, dass sie uns die kommenden Monate im Jahr 2020 begleitet und uns immer wieder hilft, uns aufbaut, wo wir niedergeschlagen, bedrückt oder ängstlich sind.

Jochen Klepper, der im Jahre 1903 im schlesischen Beuthen/Oder geboren wurde und 1942, mitten im Zweiten Weltkrieg, mit seiner jüdischen Frau und Stieftochter in den Freitod ging, hat in seinem Neujahrslied seine Zuversicht und sein ­Vertrauen zu diesem gütigen Gott des Propheten Jesaja beschrieben: „Der du allein der Ewge heißt und Anfang Ziel und Mitte weißt, im Fluge unsrer Zeiten: Bleib du uns gnädig zugewandt und führe uns an deiner Hand, damit wir sicher schreiten.“

Ulrich Hutter-Wolandt,
Pfarrer in der Trinitatis-Kirchengemeinde, Berlin-Charlottenburg

Johannes tauft Jesus
Johannes tauft Jesus. Foto: pixabay

Lebenswende

Predigttext zum 12. Januar 2020 1. Sonntag nach Epiphanias: Matthäus 3,13–17

Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir? Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt zu! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er’s ihm zu.

Matthäus 3,14–15

Jesus kommt zu Johannes. Es waren viele dort in der Wüste. Sie haben sich aus ihrer Lebenswüste zum Täufer aufgemacht, um eine Lebenswende zu vollziehen. Zu dieser Lebenswende hat sie Johannes mit seiner Predigt eingeladen: Ändert euren Sinn, kehrt um von den verirrten Wegen, auf die ihr geraten seid. Und wisst, das Reich Gottes ist nahe gekommen!

Und so kommen sie zu ihm: Familienväter ­vielleicht, die um eines jungenhaften Abenteuers willen die Ihren verlassen haben, und denen es nun um sich und ihre Frau und Kinder leid tut. Vielleicht auch Jugendliche, die gescheitert sind mit ihrem Versuch, auf eigene Beine zu kommen, und die nun wieder zurückkehren in die liebevolle Gemeinschaft mit Eltern und Geschwistern. Vielleicht sind auch Geschäftsleute dabei, die schnelles Geld machen wollten in politisch un­sicheren Zeiten, die nun gedrückt werden vom schlechten Gewissen, das unehrlicher Handel mit sich bringt.

In diese Gruppe reiht sich Jesus ein. Er will keine Sonderrolle spielen, obwohl er weiß, dass er ein besonderer ist. Jesus solidarisiert sich mit den Menschen, zu denen er von Gott, seinem Vater, gesendet worden ist. Jesus stellt sich mitten unter die, die erkannt haben, welche Gnade ein neues Leben unter neuen Voraussetzungen nahe am ­herbei gekommenen Reich Gottes ist. Lebenswende in dieser Situation ist nicht Forderung, ist nicht Urteil, sie ist freiwillig. Ist geschenkte Freiheit aus Gnade allein.

Johannes erschrickt, als er wahrnimmt, wer nun an der Reihe ist, und wehrt sich, Jesus zu taufen. Umgekehrt möchte er es. Doch Jesus ­antwortet Johannes: „Lass es jetzt geschehen!“

Johannes begreift. Indem er Jesus tauft, wird er selbst zum Element der sich erfüllenden Gottesgerechtigkeit. Sie kommt nicht mit Gewalt, nicht mit Strafe, wie er es vorher noch angesagt hatte, nein, die Gottesgerechtigkeit kommt leise, unspektakulär im Auftritt. Sie ist einfach nur da, mitten unter den Menschen.

Da holt das Geschehen der Gottesgerechtigkeit ihre ganze Kraft her. Es sind die einfachen Worte und die einfachen Zeichen, die Jesus sagt und tut. Das Geschehen des Gotteswortes braucht keine teuren Institutionen, keine prachtvollen Häuser, keine minutiöse Vorbereitung. Die Gerechtigkeit Gottes wird erfüllt, wo Gott selbst den Menschen Mensch wird. Wo Gott sich in die Reihe derer ­eingliedert, die sich bewusst sind, dass es so, wie es bisher gegangen ist, nicht weiter gehen kann.

Und wo die Gerechtigkeit Gottes erfüllt wird, damals am Fluss Jordan oder heute, egal wo, da geschehen solch große Dinge. Menschen, die vorher gebeugt unter ihrer Schuld durchs Leben gingen, lernen den aufrechten Gang des gerechtfertigten Menschen.

Wer sich unter die Gerechtigkeit Gottes stellt, tritt auch in eine neue Gemeinschaft ein: die Gemeinschaft der Gläubigen, die sich allezeit geschützt wissen darf unter dem Zuspruch der Gnade Gottes, aus der wir leben können und leben lassen können.

 Thilo Haak, Pfarrer der Ostergemeinde, Berlin-Wedding

Elisenbrunnen Aachen.
Trostbedürftig. Elisenbrunnen Aachen. Foto: pixabay

Nothelfer gesucht

Predigttext zum 19. Januar 2020
2. Sonntag nach Epiphanias: Jeremia 14, 1(2)3–4(5–6)7–9

Ach, Herr, wenn unsere Sünden uns verklagen, so hilf doch um deines Namens willen! Denn unser Un­gehorsam ist groß, womit wir wieder dich gesündigt haben. Du bist der Trost Israels und sein Nothelfer. Warum stellst du dich wie einer, der verzagt ist, und wie ein Held, der nicht helfen kann. Du bist ja doch unter uns, Herr, und wir heißen nach deinem Namen; verlass uns nicht.          

Jeremia 14,7–9

Oft heißt es in der Fürbitte: Gott komm, fahre zwischen die Kriegsparteien, lass den Streit aufhören und Friede auf Erden werden. Oder: Stärke die Schwester und den Bruder aus der Gemeinde, damit sie und er wieder gesund werden. In der Hoffnung, dass Gott die Klagen hört, werfen Chris­tinnen und Christen sie ihm vor die Füße, legen ihm die Gesundheit und ein friedvolles Leben von Menschen ans Herz. Auch die auf der Suche nach Schutz und Heimat in der Fremde.

Doch was ist, wenn alles Klagen scheinbar nichts hilft? Wenn Gesundheit und Frieden ausbleibt, fühlen sich die Bittenden schnell von Gott verlassen. „Warum stellst du dich wie einer, der verzagt ist, und wie ein Held, der nicht helfen kann?“, fragt auch der Prophet Jeremia im Zwiegespräch mit Gott.

In besonderen Notzeiten rief das Volk Israel ein Fasten aus, hielt einen großen Klagegottesdienst im Heiligtum. Ein Vorbeter trug das feierliche ­Klagegebet vor. Auch Jeremia betet so ein Klagelied. Sein Volk leidet unter einer großen Dürre, der ­drohenden Hungersnot und der Belagerung der heiligen Stadt Jerusalems im Jahre 598 vor ­Christus.

Der Prophet wirft sich selbstkritisch vor Gott: Herr, wenn das, was wir wider dich getan oder gesagt haben, wo wir deine Weisungen in den Wind geschlagen haben, jetzt in deinen Augen gegen uns spricht, dann steh uns doch bitte um deines Namens ­willen bei. Welcher ist Gottes Name? Im nächsten Vers redet Jeremia Gott an mit „Trost Israels und sein Nothelfer“. Israel lässt sich auch übersetzen mit „Gott streitet für uns“. Wir dürfen bitten, auch wenn wir Gottes Weisungen für das Leben verfehlt haben.

Ob Gott die Klage erhört, sagt der Predigtabschnitt nicht, erst spätere Verse. Doch der babylonische König Nebukadnezar eroberte 598 Syrien und Palästina und ein Jahr später Jerusalem. Gott verließ sein Volk dennoch nicht. Er ging mit ihm ins babylonische Exil und ließ es auch wieder in die Heimat Israel zurückkehren.

Aber zunächst geht Israel leer aus. Enttäuschend. Was kann uns das sagen? Vielleicht ein Fingerzeig, nicht selbstgerecht zu meinen, Gott werde schon alle Bitten erfüllen, als gebe es einen Anspruch darauf, wenn man seinen Namen trägt – wie auch Christinnen und Christen nach Jesus Christus heißen.

Und er mahnt Menschen, die sich an Gott ­wenden, ihre eigene Haltung Gott gegen­über zu überprüfen. Ihn zu bitten und in Anspruch nehmen zu wollen, sich aber gleichzeitig nicht selbst von ihm in Anspruch nehmen zu lassen, reibt sich aneinander. Sieh in dich hinein, scheint Jeremia sagen zu wollen, wie du zu Gott stehst. Erkenne, wie nah oder fern du ihn von dir hältst. Willst du das so oder möchtest du daran etwas verändern? Überdenke das. Nicht als Bedingung, als Chance, wieder in die Nähe Gottes zu finden. Lass dich von eigenen Fehlern aber nicht abhalten, Gott um ­seinen Trost zu bitten. Daraus spricht Glauben.

Gott ist unverfügbar. Aber wir sind nicht seiner Willkür ausgeliefert. Er sagt uns seine Gnade zu. Gott will, dass wir leben. Mit ihm. Diese Zusage ernst nehmend wie Jeremia, vertrauen wir auf seinen Beistand und lassen uns nicht beirren. So wie es Psalm 23 sagt: „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“

Sibylle Sterzik, Berlin

Bunte Socke zwischen weißer Wäsche
Gottes Liebe will auf uns abfärben wie eine bunte Socke in einer Waschtrommel. Foto: pixabay

Alle sind auserwählt, alle

Predigttext zum 26. Januar 2020
3. Sonntag nach Epiphanias: Apostelgeschichte 10,21-35

Und Petrus sprach zu ihnen: Ihr wisst, dass es einem jüdischen Mann nicht erlaubt ist, mit einem Fremden umzugehen oder zu ihm zu kommen; aber Gott hat mir gezeigt, dass ich keinen Menschen gemein oder unrein nennen soll. “

Apostelgeschichte 10,28

Ganz ehrlich? Was wäre das für ein Gott, der einige ins Kröpfchen und andere ins Töpfchen legt wie ein Türsteher, der die vermeintlich Schicken einschleust und die Ausgemusterten im Regen stehen lässt. Die Apostelgeschichte über die Nachfolge Jesu und die Zusage Gottes, seine schützende Hand über uns alle zu halten – vom Volke Israel bis in den letzten Winkel der Erde – ist eine frohe Botschaft. Die weiterzutragen, ist unsere Aufgabe und niemand hat gesagt, dass wir darin nachlassen sollen. Manchmal jedoch scheint es, als würden wir überlegen und abwägen, ob Gottes Wort noch nützt. Ob es uns nützt und von Vorteil sein kann. Ob der Heilige Geist überhaupt irgendwo weht und Jesu Werk nicht nur zur schönen, aber irgendwie auch märchenhaften Geschichte ohne Bezug zu unserer Lebenswirklichkeit gerät.

In der Apostelgeschichte geht Simon Petrus ein Licht auf: „Nun erfahre ich, dass Gott die Person nicht ansieht und alle, die ihn fürchten, sind ihm angenehm.“ Keine Unterschiede, niemand wird vor Gott verstoßen. Oder anders gesagt: Alle sind geliebt! Was für eine Zusage – wo sich mancher gern ausschließlich über sozialen Status oder Besitz definiert. Oder über Titel und Karriere­leitern. Ein Gott – der Höchste – der nicht auf vorzeigbare Pluspunkte abfährt, sondern auf die Liebe? Das ist bis heute revolutionär. Obwohl wir die Liebe gern im Munde führen, schauen wir oft nur auf die eigenen Schuhspitzen. Oder geben uns unversöhnlich und konfrontativ. Glaubensangelegenheiten nicht ausgenommen.

Während eines Klassentreffens verriet mir eine Schulfreundin, dass sie sich oft über mich geärgert hat. Weil sie meine Witze über ihre Sommersprossen nicht lustig fand. Später, während der Abiprüfung in Mathe, verhalf sie mir mit ein paar zugeflüsterten „Entscheidungshilfen“ zu einer grandiosen Zensur. Sie hat in Kauf genommen, entdeckt und bestraft zu werden. Richtig bedankt habe ich mich dafür nicht. Und entschuldigt auch nicht. Ich war ein Idiot. Bis zu dem Tag, an dem wir uns wortlos umarmt haben und sie mir alles nachsah. Ich dankte meinem „Chef“ im Himmel dafür, dass er es ernst meint mit seinem Versprechen: Liebe für alle. Viele von uns wünschen sich, dass diese Liebe abfärben würde wie eine bunte Socke in einer Waschtrommel voller Weißwäsche. Und dass wir statt weißer Westen die Farben Jesu tragen würden, vor allem eben die der Liebe. Jede und jeder von uns kann damit anfangen, am besten noch heute.

Uwe Baumann, Prädikant, Berlin