Aktuelle Ausgabe November 2020

Kerzen anzünden für Verstorbene. Foto: pixabay
Kerzen für Verstorbene am Ewigkeitssonntag zu entzünden ist ein alter Brauch des Gedenkens. Foto: pixabay

 

Die Bilder der Bibel. 
Auch Teile unserer Kultur. Wie die Bibel entstand – Teil 11
Von Hans-Jürgen Grundmann aus Berlin

Gestickte Kerzen.
Gedanken zum Ewigkeitssonntag
Von Pfarrer Eckhart Wragge, Gefängnispfarrer a.D., aus Berlin

Wie haben Sie es damals erlebt? Serie: 75 Jahre Kriegsende
Zwei Engel für Vater und Sohn.
Wie ein polnischer Gastarbeiter den Vater vor russischer Gefangenschaft rettete und eine Flüchtlingsfrau für den Sohn betete.
Pfarrer i.R. Klaus Köller, Leser aus Berlin-Weißensee

Oma war schuld an der Karteln-Sucht. Serie: Meine Geschwister
Eigentlich wären wir gerade in Schweden, meine beiden jüngeren Schwestern und ich – gäbe es nicht gerade eine globale Pandemie.
Von Friederike Höhn aus Berlin

Christen sprechen über ihren Glauben.
Letztendlich ist da etwas, was mich hält. Etwas, für das ich keine Sprache habe.
Von Vikarin Maike Schöfer aus Berlin

Umziehen oder bleiben? Ich weiß nicht, wie soll ich mich entscheiden.
Die erwachsenen Kinder wohnen in einer anderen Stadt. Haus und Hof aufgeben und zu ihnen ziehen oder Hilfe holen und bleiben? Wo soll es hingehen?
Es antwortet: Pfarrerin m Ruhestand Katharina Plehn-Martins aus Berlin

 

 

Aktuelle Ausgabe Oktober 2020

Das Buch für die Welt.
Wie die Bibel entstand – Teil 10
immer noch ein „Bestseller“. 
Von Hans-Jürgen Grundmann aus Berlin

 

Landkarte Deutschland in den Nationalfarben
Deutschland, einig Vaterland? Collage: Nicole Wolf

 

3. Oktober –
einig Vaterland
Aufgeblüht oder abgebrochen?
Von Sibylle Sterzik aus Berlin

 

 

 

 

 

Martin Luther King Jr
Die Predigten des schwarzen Bürgerrechtlers prägten. Foto: pixabay

Wie haben Sie es damals erlebt? Serie: 75 Jahre Kriegsende
Zwei Erlebnisse, die den damals Dreijährigen prägten und die er nicht vergisst
Manfred Schreiber, Leser aus Zeulenroda-Triebes

 

 

 

 

 

Christen sprechen über ihren Glauben.
Den Glauben zu leben, bedeutet für sie vor allem, Menschen weltweit ein besseres Leben zu ermöglichen. Warum sich Susanne Wesemann für die Arbeit der Johaniter-Auslandshilfe einsetzt.
Von Susanne Wesemann aus Berlin

 

Warum interessiert sich mein Vater nicht für mich?
Trotz liebevoller Fürsorge kommt nichts zurück. Das macht die einige Tochter traurig.
Es antwortet: Propst im Ruhestand Karl-Heinrich Lütcke aus Berlin

 

 

Aktuelle Ausgabe September 2020

Zwei Männer und eine Vision. 
Wie die Bibel entstand – Teil 9
Luther und Freiherr von Canstein
Von Hans-Jürgen Grundmann aus Berlin

Der Vater war Schmied und half den BauernWie haben Sie es damals erlebt? – Neue Serie: 75 Jahre Kriegsende
Der Sohn des Schmieds war zehn. Eine Wahrsagerin, die russisch sprach, befreite den Vater von den Russischen Soldaten.
Siegfried Dehmel, Pfarrer im Ruhestand aus Berlin

Christen sprechen über ihren Glauben.
Die Menschen sollen erleben, dass das Reich Gottes nichts Fernes und Jenseitiges ist. Warum sich Dr. Rainer Brockhaus bei der Christoffel-Blindenmission engagiert.
Von Rainer Brockhaus aus Bensheim

Versöhnungskreuz in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche Frohe Botschaft September 2020

Frieden halten –
wie schaffe ich das?

Haltet Frieden, rief der Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm im Gedenkgottesdienst zu
75 Jahre Kriegsende am 8. Mai 2020 auf. Wieso gelingt uns Menschen das so selten, fragt eine Leserin.
Es antwortet: Generalsuperintendent Martin-Michael Passauer aus Berlin

 

 

Aktuelle Ausgabe August 2020

Die vorlutherischen deutschen Bibel  –
Wie die Bibel entstand – Teil 8
Der Bayer versteht den Sachsen nicht. 
Von Hans-Jürgen Grundmann aus Berlin

 

3. Oktober – Deutschland singt
Eine Initiative feiert die Wiedervereinigung, die Demokratie und tritt für den Zusammenhalt in der Gesellschaft am 30. Tag der Deutschen Einheit ein. Mitmachen erwünscht
Von Stephan Kahé aus Tutzing

 

 

Wie haben Sie es damals erlebt? – Neue Serie: 75 Jahre Kriegsende
Wie eine Krankenschwester aus der Steiermark das Leben eines 18-Jährigen rettete.
Eva Lorenzen, Leserin aus Magdeburg

Unzertrennlich Frohe Botschaft August 2020

Große Geschwisterschar.
Wir waren sechs Geschwister, eine Schwester starb bereits vor vielen Jahren
Hildegard Eydam, Leserin aus Naumburg/Saale

 

 

Christen sprechen über ihren Glauben:
Gott beruft mich zum Leben als sein geliebtes Kind, dieses Geschenk ­weiterzugeben in Verantwortung für die Schöpfung.
Von Alexander Reichert, Leser aus Jüterbog

Die Weisheit der älteren Semester.
Lebensfrage: Trotz meiner Erfahrungen fühle ich mich als älterer Mensch manchmal nicht ernstgenommen. Müsste das nicht andersherum sein?
Es antwortet Hans-Ulrich Schulz, Generalsuperintendent a.D., aus Potsdam

Predigten des Monats August 2020

Schöpfung Frohe Botschaft August 2020

Gottes Schöpfung.
Foto: pixabay

 

 

 

 

Zum Monatsspruch August 2020

Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine ­Werke; das erkennt meine Seele.   Psalm 139,14 (L) 

Wie oft wohl habe ich diesen Vers schon auf einer Geburtsanzeige gelesen! Neugeborene bringen uns die Wunder der Schöpfung wieder zu Bewusstsein. Staunend betrachten wir die kleine Person und erkennen in ihrer Mimik die Züge von Oma oder Papa. Ein wenig andächtig fühlen wir uns wie Zeugen des Wunderwirkens Gottes.

Gott hat mich – und Sie – wunderbar gemacht. Wir haben allen Grund, Gott dafür zu danken, auch wenn wir mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen kämpfen. Der Mensch ist viel mehr als nur Produkt des wunderbaren Zusammenspiels biologischer Prozesse. Wir lesen, dass Gott den Menschen nach seinem Bild geschaffen hat, also irgendwie ihm ähnlich. Meine Seele erkennt es – und staunt.

Gott hat den Menschen mit Geist und Seele ausgestattet, damit er in der Lage ist, logisch zu denken und Zusammenhänge zu erfassen, eigene Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Auch Gefühle gehören dazu, sowie die Fähigkeit, intuitiv das zu erfassen, wofür es keine logische Erklärung gibt. Der Mensch hat vieles bekommen, was dem Wesen Gottes entspricht. Und – sozusagen als besondere Zugabe, auch den tiefen Wunsch, Gott nahe zu sein. Ist das nicht wunderbar? Meine Seele erkennt es – und staunt über Gott.

Und sie stimmt ein in das Gebet des Psalms: „Ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin.“ Ich danke dir, dass ich dich kenne – als den Gott, der Wunder tut. Ich danke dir für die Wunder, die du in meinem Leben tust. Meine Seele kann sie kaum ­fassen – und betet dich staunend an!

Ursula Hecht, Berlin

Licht im Auge Frohe Botschaft August 2020
Licht in den Augen. Foto: pixabay

Ist das nicht offensichtlich?

Predigttext zum 2. August 2020 8. Sonntag nach Trinitatis:
Johannes 9,1–7

Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm. Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt

Johannes 9,3–5

Wer blind geboren ist, musste in der Vergangenheit gesündigt haben – oder seine Eltern!

Jesu Jünger sind aufgewachsen mit diesem Schubladendenken. Aber sie entdecken bald, dass ihre Schlussfolgerung falsch ist. Und damit auch ihre Selbsteinschätzung. Sie reden so, als wäre Sünde etwas, das nur bestimmten Menschen widerfährt.

Ob sie sich wohl selbst als Sünder sehen? Oh, sie werden sich noch wundern, wenn sie endlich begreifen, dass Jesus nur deshalb gekommen ist ,um Sünder zu suchen und zu retten! Dazu sollen die Werke Gottes an den Menschen offenbar werden. Dazu gehört auch, Blinden die Augen zu öffnen und Glauben zu wecken! Denn nur der Glaube an Jesus ist das einzig wirksame Mittel gegen die Sünde. Nur der Glaube an das Licht der Welt kann vor der Nacht der Sünde schützen.

Ob seine Jünger wohl verstanden haben, dass die Heilung von Gebrechen wie ein Wegweiser zu Gott wirken soll? Für Jesus war dieser Zusammenhang völlig offensichtlich.

Wie sehe ich mich selbst? Bin ich vielleicht auch so jemand, an dem die Werke Gottes offenbar werden sollen? Ich tue mich schwer damit, meinen Zustand als Blindheit zu akzeptieren. Aber genau das sagt das Wort Gottes: Ohne Jesus sind alle Menschen blind. Ohne sich von Jesus die Augen öffnen zu lassen, bleibt ihnen die offensichtliche Wirklichkeit der Sünde verborgen. Und auch Jesu Nachfolger, die diese Erfahrung des Augenöffnens eigentlich schon kennen, brauchen es immer wieder. Sie laufen sonst Gefahr, aufgrund falscher Schlussfolgerungen geistlich Offensichtliches nicht zu erkennen.

Wie Jesus die Augen eines jeden öffnet, ist ganz unterschiedlich, aber immer so, dass der Glaube des Einzelnen gefragt ist. Die Beschreibung hier liest sich ein bisschen unappetitlich. Aber – der Blinde hat es nicht gesehen, nur die Jünger. Er mag etwas gehört haben, was merkwürdig zu sein schien. Die Jünger, die genau gesehen haben, was Jesus tat, sind in dieser Geschichte erst mal nur die lernenden Beobachter. Die Zeit ihrer konkreten Glaubensprüfung wird später kommen.

Der Blinde aber muss jetzt glauben, bevor auch nur irgend eine Änderung eingetreten ist. Er muss darauf vertrauen, dass Jesus das Richtige tut, auch wenn es sich merkwürdig anfühlt. Etwas anderes bleibt ihm nicht übrig. So geht es jedem. Man muss Jesus glauben – oder blind bleiben!

Jesus lädt seine Jünger ein, damals wie heute, vom Beobachten zum Handeln zu kommen: Mutige Schritte im Glauben zu wagen, auch wenn sie merkwürdig erscheinen. Um dann endlich klar sehen zu können!

Ursula Hecht, Berlin

Es gibt immer was zu verkünden.
Foto: pixabay

Vom Taugenichts
zum Verkündiger

Predigttext zum 9. August 2020 9. Sonntag nach Trinitatis:
Jeremia 1,7-10

Der Herr sprach aber zu mir: Sage nicht: „Ich bin zu jung“, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir.
Jeremia 1,7–8a

Ich tauge nichts oder auch „Ich bin ein Taugenichts“, so manch einer von uns hat das wohl möglich schon zu sich selbst gesagt!? Oder hat sich anhören müssen: Du bist nur eine Belastung für uns, du bist ein Taugenichts. Josef Freiherr von Eichendorff, ein Dichter der deutschen Romantik, macht einen Taugenichts zum Helden seiner berühmtesten Novelle. Allerdings findet der Taugenichts sein Glück in der Welt und Liebe. Im wirklichen Leben stehen die, von denen man sagt, du taugst zu nichts, eher im Unglück.

Wenn Gott allerdings seine Geschichte mit den Menschen schreibt, dann bekommt die Frage nach dem, was ich tauge, noch einmal eine ganz andere Farbe. Davon erzählt uns der Bericht der Berufung des Propheten Jeremia. Jeremia zweifelt nicht am Herrn, sondern an sich. In dieser Hinsicht ist die Berufung des Jeremia einzigartig unter den Propheten. Er ringt mit Gott, dass er nicht predigen muss. „Ach, Herr, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung.“

Das ist ein mir bekanntes Gefühl: Ich sehe die Aufgabe, aber sie scheint zu groß für mich selbst. Könnte da nicht ein anderer ran? Unser Selbstbewusstsein kann ganz schön an-geknackst sein, aber oft nicht, weil wir uns selbst nichts zutrauen, sondern weil wir viel zu oft erleben müssen, dass uns andere nichts zutrauen:   Lass es lieber, dafür bist du zu dumm! Viele Menschen prägen solche Sätze. Vielleicht war es auch bei Jeremia so.  Bei solchen Sätzen wird deutlich, wie gemein Menschen gegenüber Menschen sein können. Bei Gott ist das offensichtlich ganz anders: Er hält Jeremia keineswegs für einen Taugenichts. Er kannte ihn schon immer und immer, was nichts anderes heißt, als dass Jeremia wie jede und jede von uns ein von Gott geschaffenes Wesen ist. Gott hat mich gewollt und gemacht und darum bin ich etwas wert.

Darum auch lässt Gott Jeremias Widerspruch nicht gelten: „Wohin ich dich sende und predige, was ich dir auftrage“. Und spricht ihm zu: „Fürchte dich nicht, ich bin bei dir!“

Eine alte christliche Weisheit formuliert dieses Geschehen in dem Satz: „Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch Verstand!“ Gott stattet Jeremia mit der Kraft und dem Zutrauen aus, welches er in den folgenden Jahren brauchen wird. Denn Jeremias Weg war nicht einfach. Er hat sich mit allen angelegt, mit seinen Volksgenossen, mit den Herrschern zu Hause und mit denen fremder Völker. Jeremia übte Sozialkritik an der Gesellschaft, in der er lebte.  Im Auftrag des Herrn sprach er alles aus und scheiterte dennoch. Er musste darunter leiden, der Verkündiger einer unbequemen Wahrheit zu sein. Seine Mahnungen blieben ungehört, Jerusalem wurde zerstört, die Bevölkerung wurde weggeführt. Aber alles dieses vermag nicht mehr sein Selbstbewusstsein in Wanken zu bringen. Aus dem selbsternannten Taugenichts ist ein von Gott gerufener Verkünder geworden.

„Und siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund“, spricht Gott zu Jeremia. Auch uns legt Gott seine gute Nachricht in den Mund und ans Herz. Der Zuspruch Gottes an Jeremia gilt auch uns. Gott baut mit uns Christen sein Reich. Er wagt es mit uns und vertraut uns. Wie einst Jeremia dürfen wir uns auf Gottes Zusage einlassen. Gott hat mit jeder und jedem von uns seinen Plan. Darum taugen wir alle etwas und niemand ist ein ­Taugenichts.   

Thilo Haak, Pfarrer der Ostergemeinde in Berlin-Wedding

 

 

Regenbogen Zeichen der Gnade Frohe Botschaft Juli 2020

Ein Regenbogen – Zeichen des Bundes.
Foto: pixabay

 

 

 

Damit sich Gott aller erbarme

Predigttext zum 16. August 2020 10. Sonntag nach Trinitatis/Israelsonntag:
Römer 11,25–32

Denn Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen. Denn wie ihr einst Gott ungehorsam gewesen seid, nun aber Barmherzigkeit erlangt habt wegen ihres Ungehorsams, so sind auch jene jetzt ungehorsam geworden wegen der Barmherzigkeit, die euch widerfahren ist, damit auch sie jetzt Barmherzigkeit erlangen. Denn Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme.
Römer 11,29–32

Damit sich Gott aller erbarme – damit endet unser Predigttext. Welch ein hoffnungsvoller Ausblick angesichts erbarmungsloser Konflikte und erbarmungswürdiger Formen des Zusammenlebens.

Wir begehen den Israelsonntag in zeitlicher Nähe zum jüdischen Feiertag 9. Av, den die ­jüdischen Gemeinden als Trauer- und Fastentag in Erinnerung an die Zerstörung des Tempels in ­Jerusalem durch die Babylonier 586 vor Christus und durch die Römer 70 nach Christus gestalten. Sie erinnern auch an weitere Katastrophen der jüdischen Geschichte wie die Pogrome während der Kreuzzüge, die Vertreibung von der iberischen Halbinsel, den Holocaust während der national­sozialistischen Herrschaft. Sie singen in ihren Gottesdiensten die Klagelieder Jeremias über ­Zerstörung und Exil und fragen Gott nach seinem hoffnungsvollen Eingreifen, das er ihnen als seinem erwählten Volk immer wieder verheißen hat.

In unserem Predigttext sind wir, die in den Stamm Israel Eingepfropften aus den Völkern, die Adressaten und Adressatinnen von Paulus. Uns offenbart er ein Geheimnis, damit wir nicht in Unkenntnis bleiben.

Er erinnert uns mit dem Schriftzeugnis aus dem Jesajabuch, dass aus Zion der Retter kommen und die Gottlosigkeit aus Jakob wegschaffen wird. ­Israel bleibt der Liebling Gottes aufgrund der Erwählung, Gottes Bund und seiner Gnadengaben.

In den letzten Versen geht es jeweils viermal um das Verhältnis von Ungehorsam und Gottes Erbarmen. Je zweimal ist von unserem Ungehorsam und dem Erbarmen Gottes gegenüber uns aus den Völkern die Rede, je einmal vom Ungehorsam und Erbarmen Gottes in Bezug auf Israel. Am Ende steht: „Gott hat ja alle in den Ungehorsam ein­geschlossen, damit er sich aller erbarme.“

Wie können wir über diese Hoffnungsbotschaft Gottes, die unseren Ungehorsam nicht verschweigt, am Israelsonntag 2020 in einer ­christlichen Gemeinde in Deutschland predigen? Zum einen, dass wir mit Trauer auf die Zeugnisse der Zerstörung jüdischen Lebens als Mahnmale für unseren Ungehorsam gegenüber Gott und seinem geliebten Volk in unserer Mitte hinsehen.

Zum zweiten, dass wir die Zeugnisse der Dis­kriminierung des Judentums nicht aus Gründen des Denkmalschutzes in unseren Kirchen und an anderen Orten unverändert stehen lassen, sondern sie umgestalten. Ein Beispiel ist für mich die meterhohe Gegenüberstellung der blinden Syna­goge und der triumphierenden Kirche auf einem frisch renovierten Mosaik in der Herz-Jesu-Kirche im Prenzlauer Berg. Wie könnte es durch ästhetisch angemessene Lösungen so kommentiert ­werden, dass es unsere Umkehr aus unserem ­tödlichen Ungehorsam des Antisemitismus unübersehbar und unrevidierbar sichtbar macht?

Zum dritten: Wie können wir gemeinsam als Menschen aus den Völkern und aus dem geliebten Volk Israel unsere Hoffnung auf Gottes Erbarmen trotz unseres Ungehorsams bezeugen? Eine im interreligiösen Dialog in Berlin engagierte Muslima hat nach dem Anschlag in Halle Menschen aus verschiedenen Religionen zusammengerufen, um gemeinsam zu überlegen, was wir jenseits von Mahnwachen tun können. Es ist daraus das Projekt „Belastbare Brücken bauen“ entstanden. Wir haben inzwischen ein rotes Sofa, auf dem wir bei Wochenmärkten und an anderen geeigneten Orten im öffentlichen Raum mit der „beweglichen Mitte der Gesellschaft“ ins Gespräch kommen wollen. Hoffentlich wird dort eine Vor­ahnung davon spürbar, wie ein Leben aussehen kann, das von Gottes Botschaft für diesen ­Israelsonntag geprägt ist: „damit sich Gott aller erbarme.“

Dr. Gerdi Nützel, Pfarrerin der Internationalen  Studierendengemeinde Berlin

 

 

 

Gastfreundschaft Frohe Botschaft Juli 2020
Gäste freundlich bewirten. Foto: pixabay

Jesus warnt uns

Predigttext zum 23. August 2020 11. Sonntag nach Trinitatis:
Lukas 18,9–14

Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die anderen Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner.
Lukas 18,10–11

Bin ich froh, dass ich nicht in der Haut des Pharisäers stecke! Der so über andern Menschen denkt, die es im Leben nicht so gut getroffen haben. Oder die womöglich selbstverschuldet auf die schiefe Bahn geraten sind. Gut, dass ich nicht so bin!

Habe ich, haben Sie auch schon mal so gedacht? Wer so vergleicht, der hat und ist eigentlich schon verloren. Stellen wir uns selbstherrlich, selbstgerecht hin, dann vergessen wir ganz die Nächstenliebe. Zwei Drittel des Predigttextes beschreibt den „besseren” Menschen. Diejenigen, die meinen, sich durch ihre Werke einen Platz im Himmel ­erarbeitet zu haben. Darüber vergessen sie die Kernaussage der Bibel, nämlich Demut und ­Nächstenliebe. Schlimm!

Aber so ein Verbrecher, ein Nichtsnutz und offenbar schlechter Mensch – er kommt und bereut. Einer, auf den die Leute zeigen, wagt sich, wenn auch nur ganz hinten, in das Gotteshaus. Menschen, die den Weg zur Kirche finden, deren Habseligkeiten in einen Einkaufswagen passen, sitzen meist hinten, weil sie sich schämen, nicht gut zu riechen. Wie oft habe ich solche Menschen angesprochen, sie gefragt, wie es geht oder ob sie etwas brauchen? Oder ich lief mit gesenktem Blick vorbei und hoffte, er oder sie spricht mich nicht an? Meistens wollen Menschen nicht betteln, sondern nur etwas Liebe, Respekt, ein offenes Ohr. Wir sollten aufpassen, das wir sonntags unsere Gottesdienste nicht als selbstgerechte Pharisäer  verlassen.

Titus Schlagowsky, Prädikant in Nochern

 

Sommerlich gedeckter Tisch Frohe Botschaft August 2020
Sommerlich gedeckter Tisch. Foto: pexels

Gottes Ackerfeld

Predigttext zum 30. August 2020, Sonntag nach Trinitatis:
Korinther 3,9–17

Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.
Korinther 3,9+11

Was für ein Bild. Paulus beschreibt die christliche Gemeinde als Gottes Mitarbeiter und zugleich als sein Ackerfeld und seinen Bau. Ackerfläche, Mitstreiter und Produkt zugleich? Christinnen und Christen sind demnach der Boden, in den Gott ­seinen Samen, sein Wort, seine Zuneigung legt. Aber der Grund dafür sind nicht die Getauften, sondern allein Jesus Christus. Nichts Vergängliches wie Gold, edle Steine oder Heu und Stroh. Das würde dem Feuer nicht standhalten, ein Bild für die Vergänglichkeit, für irdische Zerstörungskraft. Denn Feuer frisst sich im Nu durch alles hindurch.

Der Glaube aber, der auf Gottes Grund und Boden wächst zu einem prachtvollen Bau aus Nächstenliebe, Gottvertrauen und Dankbarkeit dem Schöpfer gegenüber, hat ein festes Fundament. Auf ihm soll ein Bau wachsen, das Haus der Gemeinde, eine Wohnung für alle, die von der Gnade Gottes erfahren dürfen, sich ihr öffnen.

So wächst der Tempel Gottes auf Erden. Kein Bau aus kostbaren Erzen oder leicht brennbarem Holz. Sondern aus dem Wort und der Liebe Gottes gebaut, stabil gebaut, ein Tor zur Ewigkeit hier auf Erden. „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ (Vers 16). Ein Wort, hinter dem eine große Gnade und zugleich ein kraftvoller Auftrag steht. Dieser Geist soll lebendig und sichtbar werden für andere. Er ist es, der auf dem Ackerfeld Früchte tragen soll, die jeder sehen und von denen jeder probieren kann. Wer aber den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben – ein hartes Wort. Was mag es bedeuten? Vielleicht verbirgt sich darauf ein ­Hinweis auf jemanden, der Menschen vom Glauben abbringt? Der sie auf einen anderen Grund stellen will als auf den, der gelegt ist in Christus. Davor bewahre uns der Geist Gottes.

Sibylle Sterzik, Berlin

Aktuelle Ausgabe Juli 2020

Johannes Gutenberg in seiner Werkstatt. Frohe Botschaft Juli 2020
Relief Druckerwerkstatt am Gutenberg-Denkmal in Mainz. Foto: wikimedia/EPei, CC BY-SA 3.0

Schwarze Kunst  –
Wie die Bibel entstand – Teil 7
Die Tragik des genialen Erfinders Johannes Gutenberg.
Von Hans-Jürgen Grundmann aus Berlin

Wie haben Sie es damals erlebt? – Neue Serie: 75 Jahre Kriegsende
Als 16-Jähriger überlebte er Fliegerangriff und Luftangriffe auf Leipzig.
Und: Wie Pfarrer Harnisch von der Samariterkirche Berlin half.
Von Werner Mähnert, Leser aus Halle und Christa Linke, Leserin aus Berlin

Mein Bruder und meine Tante – Neue Serie: Meine Geschwister
Geht mit Gott, sagte die Oma zum Abschied von Bruder und Schwester.
Von Melitta  Haustein, Leserin aus dem Erzgebirge

Christen sprechen über ihren Glauben:
In den Höhen und ­Tiefen meines bisherigen Lebens hat mir der 23. Psalm
„Der Herr ist mein Hirte“ sehr geholfen.
Von Christiane Kohlhoff, Leserin aus Berlin-Wedding

Berühren trotz Abstand.
Corona zwingt zum Masken tragen. Wie Gefühle zeigen?
Von Sibylle Sterzik aus Berlin

Aktuelle Ausgabe Juni 2020

Gottes Wort „anschaulich“ –
Wie die Bibel entstand – Teil 6
Viele Menschen können nicht lesen.
Von Hans-Jürgen Grundmann aus Berlin

 

Wie haben Sie es damals erlebt? – Neue Serie: 75 Jahre Kriegsende
Mit dem Handwagen auf den Heimweg
Von Manfred Kummer, Leser aus Stollberg

Mein älterer Bruder – Neue Serie: Meine Geschwister
Verloren und wiedergefunden.
Von Christine Borchert, Leserin aus Diesdorf

Warum wütet Corona?
Ist die Pandemie Covid-19 ein Gericht Gottes über uns? Eine Geißel zur Umkehr?
Von Rolf Wischnath, Generalsuperintendent im Ruhestand aus Gütersloh

Aktuelle Ausgabe April 2020

Golgatha

Bibeln – gerollt und gebunden. Wie die Bibel entstand – Teil 4
Auf Pergament und Papier geschrieben und gedruckt. 
Von Hans-Jürgen Grundmann aus Berlin

Willkommen in Galiläa
Zu Ostern gehört auch der Aufbruch von der Stätte des Todes. Gedanken zum Osterfest.
Von Thilo Haak aus Berlin

Wenn der Mann der Nachbarin gestorben ist
Kann ich da so einfach hingehen und stören? Und was sagt man dann? Die Lebensfrage.
Von Propst a.D. Karl-Heinrich Lütcke aus Berlin

Petrus – ein Jünger mit Höhen und Tiefen
Das Krähen des Hahnes nach der Gefangennahme Jesu ruft Petrus in die Realität zurück. Der Versucher stellt sein Gottvertrauen auf die Probe.
Von Pfarrer im Ruhestand Günter Dimmler aus Königssee