Exponate aus dem Mathematisch-Physikalischen Salon in Dresden ergaben eine Briefmarkenreihe in der DDR. Foto: Albrecht Kalusche
Neue Serie: Der kleinste Bibelzeuge
Albrecht Kalusche nimmt uns mit in die Welt der Briefmarken mit religiösen Motiven. Seien Sie gespannt, was er alles über sein Hobby zu erzählen weiß! Diesmal geht es um Kanzeluhren. Von Albrecht Kalusche, Zwickau
Neue Serie Das Leben Jesu
„Die Versuchung Jesus in der Wildnis“. Gemälde von Juan de Flandes, um 1500. Foto: Wikimedia Commons/gemeinfrei
In dieser Aprilausgabe unserer Frohen Botschaft ist über eine wichtige Prüfung im Leben Jesus zu berichten: die Versuchung durch den Teufel. Von Hans-Jürgen Grundmann, Berlin
Willkommen in Galiläa.
Die Frauen finden ihn nicht, das Grab ist leer. Foto: KI erstellt mit Firefly_Gemini 2.5 Nano Banana
Die Kraft der Auferstehung spüren Gedanken am zu Ostern. Von Thilo Haak, Berlin-Wedding
Frage eines Lesers: Was feiern wir eigentlich am Gründonnerstag? Von Karl-Heinrich Lütcke, Propst im Ruhestand, Berlin
Zweifel kann die Seele trüben. Foto tim-mossholder/unsplash
Zum Monatsspruch April 2026
„Jesus spricht zu Thomas: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ Johannes 20,29 (L)
Wie gut, dass es im Evangelium diesen Thomas gibt! Der nicht so einfach glauben mag, was die anderen erzählen. Den ihre Begeisterung nicht überzeugt. Der das selbst sehen möchte. Sehen und begreifen. „Zwilling“ nennt man ihn. Unser Zwilling könnte er sein.
Jesus kommt nur für den Zweifler zurück
Und gut, was das Evangelium daraufhin von Jesus erzählt! Dass er als Auferstandener noch einmal in den Jüngerkreis kommt, nun für Thomas, speziell für ihn und so wie er es braucht. Dass er seine Skepsis versteht und ernst nimmt. Und wie er sich ihm gegenüber verletzlich zeigt: Sieh meine durchbohrten Hände! Lege deine Hand in die Wunde an meiner Seite! So nahe lässt der Auferstandene ihn an sich heran! Und Thomas muss das nun womöglich gar nicht wirklich betasten. Schon diese so persönliche Zuwendung lässt ihn staunend erkennen: „Mein Herr und mein Gott!“
Nicht sehen und doch glauben
Was Jesus ihm daraufhin sagt, gilt eigentlich uns: „Selig, die nicht sehen und doch glauben.“ Denn wir sind es ja, die gar nicht erst die Möglichkeit haben, den Auferstandenen mit eigenen Augen zu sehen. Und doch können wir das für uns wahr sein lassen: Dass Gott Jesus nicht im Tod gelassen hat. Dass der am Kreuz Gestorbene auf uns zukommt und sagt: „Friede sei mit euch!“ Meine Sendung in der Welt – ihr werdet sie fortführen. Dazu braucht er gerade auch solche wie Thomas. Denen das Glauben schwer fällt. Die das Gehörte erst mal überprüfen wollen, statt es sich einfach so zu eigen zu machen. Die dann aber bereit sind, das ganz ernst zu nehmen, was sie persönlich berührt und angesprochen hat. Ja, die damit selig werden.
Martin Germer war viele Jahre lang Pfarrer der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin-Charlottenburg.
Predigten im Monat April 2026
Licht am Ende des Tunnels. Foto: KI-generiert mit mit Firefly_Gemini 2.5 Nano Banana
Ins Licht gehen
Predigttext zum 5. April 2026 Ostersonntag: 1. Korinther 15, (12–18) 19–28
Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. Nun aber ist Christus auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.
1. Korinther 15, 19–22
Als der niederländische Autor und Liedermacher Herman van Veen einmal in einem Interview gefragt wurde, wie er sich das Leben nach dem Tod vorstelle, antwortete er augenzwinkernd: „Ich versuche einfach nicht zu sterben. Irgendwer muss ja mal damit anfangen nicht totzugehen.“ Van Veen wählt Humor um der Frage nach den letzten Dingen auszuweichen.
Christus im Zentrum
Paulus nutzt eine theologische Argumentationskette, um sich der Frage zu stellen. Denn in der Gemeinde in Korinth, an die er schreibt, gibt es sehr verschiedene Vorstellungen von der Auferstehung. Manche zweifeln sie grundsätzlich an, andere lehren, dass nur die Seele unsterblich sei. Paulus stellt dagegen Jesus Christus und seine Auferstehung ins Zentrum. Daran hängt der Glaube für ihn. Nur im diesseitigen Leben aus der Christusbeziehung Hoffnung zu schöpfen – wie elend wäre das? Diese Verbindung muss doch weiterreichen, sie darf an der Schranke des Todes nicht abreißen. Und sie hat das Zeug, dass wir Menschen uns noch einmal in ganz neuem Licht sehen.
In den Tod geht er, aber tot geht er nicht
Durch einen Menschen kommt der Tod … und die Traurigkeit, die Sorge vor morgen, die kalte Gleichgültigkeit und die nagende Angst zu kurz zu kommen. Unsere Adams- oder Eva-Seite: Die macht uns kleiner als wir sind, härter als wir müssten, verzagter als gut ist. Durch einen Menschen kommt der Tod. Aber durch einen anderen kommt die Auferstehung. „Irgendwer muss ja mal damit anfangen nicht totzugehen.“ Ja, Christus fängt damit an, der Erstling. In den Tod geht er, aber tot geht er nicht, sondern lebendig. Genauso wir, die mit ihm verbunden sind. Das ist unsere Christus-Seite: Wir gehören zu ihm, egal was kommt, wir sind geliebt, mehr als wir ahnen, wir kommen aus Licht und gehen ins Licht.
Tun, was dem Leben dient
Nirgends wird das stärker zeichenhaft deutlich als bei der Taufe. Früher wurden Kinder wie Erwachsene dabei ganz untergetaucht. Das Auftauchen war dann als würden sie neu zur Welt kommen, eine Wiedergeburt. Das Zeichen: Mit dir Mensch fängt Gott immer wieder neu an, sogar im Tod. Zu dir Mensch sagt Gott: Du bist mein Augenstern, meine Lichtgestalt, kein Dunkel soll dich schrecken, heute ist aller Tage Anfang. „Irgendwer muss ja mal damit anfangen nicht totzugehen.“ Vielleicht ist das Zitat van Veens ja auch Ausdruck einer österlichen Haltung? Weil Jesus dem Tod, diesem letzten Feind, die Macht genommen hat, müssen auch wir Menschen uns den tödlichen Mächten der Welt nicht untertan machen, müssen die Spiele von Hass und Verfeindung nicht mitspielen, sondern können tun, was dem Leben dient, andere aufrichtet, tröstet und stärkt. Einer zeigt uns wie das geht – Christus, der Erstling, Anfänger und Vollender.
Florian Kunz, Superintendent des Kirchenkreises Berlin-Spandau
Aufsteigen wie ein Adler. Foto: richard-lee/unsplash
Behaltet die Hoffnung
Predigttext zum 12. April 2026, Sonntag Quasimodogeniti: Jesaja 40,26–31
Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen; aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.
Jesaja 40,28–31
Sein „Vormelder“ – so heißen die Antragsformulare im Gefängnis – lag in meinem Briefkasten, mit der Bitte um ein Gespräch. Nun sitze ich bei ihm im Haftraum. Ich höre von seinem Versagen, seiner Schuld, seiner Verurteilung und nun der zermürbenden Erfahrung, ein Gefangener zu sein. Er hat nahezu alles verloren und sieht kaum eine Perspektive für die Zukunft. Müde ist er und lässt den Kopf hängen!
Kopf hoch!
Was kann ich ihm sagen, wie kann ich ihn ermutigen, wo ich mich doch selbst manchmal müde und der Resignation nahe fühle angesichts der täglichen Nachrichten vom irren Umgang, den wir in der Welt miteinander pflegen und den wir der Schöpfung antun? Was kann ich ihm sagen? Kopf hoch? Ja doch! Ich erzähle von dem Propheten, der vor bald dreitausend Jahren mit seinem Volk im Exil lebt, verschleppt, erniedrigt und nahezu perspektivlos. Der den Müden und Verzagten genau das zuruft: Kopf hoch! Schaut auf den unveränderlichen Lauf der Sterne, die Zeugen sind für die Größe der Schöpfung und für die unergründliche Macht ihres Schöpfers. Vertraut und gebt die Hoffnung nicht auf! „Hebt eure Augen in die Höhe und seht … Die auf den Herrn hoffen, kriegen neue Kraft!“
Den Blick auf Gottes wunderbare Schöpfung richten
Ob er sich wohl an das alte Gute-Nacht-Lied erinnert? „Weißt du wieviel Sternlein stehen, an dem blauen Himmelzelt … Gott, der Herr, hat sie gezählet, dass ihm auch nicht eines fehlet an der ganzen großen Zahl.“ Ja, genau das ist es, wozu der Prophet uns ermuntert: Kopf hoch und den Blick bewusst richten auf Gottes wunderbare Schöpfung, auf alles, was uns hoffen lässt auf die Zusage, wie sie am Ende des Liedes formuliert ist: „… kennt auch dich und hat dich lieb!“
Getragen wie auf den Flügeln des Adlers
Und dann bleiben wir hängen bei dem Bild fast am Ende des Textes: Denen, die vertrauen und hoffen, wird neue Kraft geschenkt, „dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler“. Das haben wir beide tatsächlich schon gesehen, einen dieser majestätischen Vögel mit seinen mächtigen Schwingen, der sich schon bald nach dem Abheben ganz der Thermik überlässt, den Aufwinden, die ihn tragen und fast ohne einen Flügelschlag in unglaubliche Höhen aufsteigen lässt. Vielleicht wird er am Abend durch sein Zellenfenster hinaufschauen in den Sternenhimmel und ein wenig zur Ruhe kommen. Vielleicht wird er daran denken, dass es in seiner Situation nicht darauf ankommt, in Hektik zu verfallen und wild mit den Flügeln zu schlagen. Aber dass es schon den Mut und das Vertrauen braucht, um zu gegebener Zeit abzuheben und sich – getragen von Gottes Liebe – neu auf den Weg zu machen.
Pfarrer im Ruhestand Manfred Lösch ist Gefängnisseelsorger im Ehrenamt in Berlin
An uns ist es, mit Gott auf der Seite der Entrechteten zu stehen. Foto: KI erstellt mit Firefly_Gemini 2.5 Nano Banana
Der gute Hirte verändert uns
Predigttext zum 19. April 2026 Sonntag Misericordias Domini: 1. Petrus 2,21b–25
Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet; der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen. 1. Petrus 2,21b–25
Sie werden beim Lesen dieses Predigtabschnittes den Kopf schütteln. „Ihr seid dazu berufen, zu leiden; ihr seid völlig unschuldig, aber wehrt euch auf keinen Fall; haltet den Mund und ertragt euer Leiden still, denn dann tretet ihr in die Fußstapfen Jesu!“ Das soll unser von Gott gewolltes Leben sein? Klarheit bekommen wir, wenn wir die vorausgehenden Verse zur Kenntnis nehmen. „Ihr Sklaven, ordnet euch in aller Furcht den Herren unter, nicht allein den gütigen und freundlichen, sondern auch den wunderlichen …“ (Vers 18). Ein Hymnus wurde den Sklaven und leibeigenen Hausangestellten gewidmet, ein Lied. Denn der Schreiber dieser Zeilen wusste ein Lied davon zu singen, wie es den Sklaven zumute gewesen sein mag.
Jesus will unserer gute Hirte sein
Sklaven können sich nicht wehren und sind der Willkür ihrer Beherrscher ausgeliefert. Der einzige Widerstand, der ihnen bleibt, ist die Bewahrung ihrer Würde. Nein, ihr Schicksal ist nicht die Konsequenz irgendeines Fehlverhaltens, ihr Schicksal ist die Folge des miesen Gebarens ihrer Herren. Die Sklaven sind in ihrem unschuldigen Leiden ganz nah bei Jesus Christus. Sie sind wie orientierungslose Schafe, wie es in einem Bild aus Jesaja 53,6 heißt. Gott wird ihnen zum „Hirten und Bischof“, (wörtlich übersetzt: „Aufseher“, modern: „Supervisor“) ihres Lebens. Wir feiern den „Guten-Hirten-Sonntag“. Jesus hat uns zugesagt, unser guter Hirte zu sein.
Wir können Menschen als Hirten zur Seite stehen
Sind wir mit diesem Text gemeint, wir, die wir keine Sklaven sind? Ja, sind wir! Allerdings aus anderer Perspektive. Wir gehören in unserem reichen Land auf die Seite der Herren. Wenn anderswo auf der Welt Menschen wie Sklaven behandelt werden, wenn sie mit Krieg und Grausamkeit überzogen werden, wenn sie unter Gewaltherrschaft dahinvegetieren müssen, dann ist auch unser reiches Land beteiligt. Wir können uns nicht aus der Verantwortung stehlen – und wir wollen es auch nicht. An uns ist es, mit Gott auf der Seite der Unterdrückten, der Entrechteten zu stehen. Dann sind wir Gott ganz nahe. Wie behandeln wir Geflüchtete, die aus Ländern kommen, die für ihre Gastfreundschaft bekannt sind? Aus der Sklaverei ihrer Heimat entflohenen Menschen stehen wir als „Hirten“ und „Bischöfe“ zur Seite. Elf Tage nach dem jüdischen Pessach-Fest, dem Fest der Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten, feiern wir einen Guten-Hirten-Sonntag und danken dafür, dass wir in Jesus Christus einen guten Hirten haben, der uns zu guten Hirten macht für Menschen, die ohne Würde sind.
Christian Zeiske ist Pfarrer im Ruhestand in Berlin.
Predigttext zum 26. April 2026 Sonntag Jubilate: Johannes 15,1–8
Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger. Johannes 15,5–8
Ich bin der wahre Weinstock, der gute Hirte, das Licht der Welt, der Weg, die Wahrheit. Sieben solcher Ich-bin-Worte Jesu begegnen uns im Johannesevangelium. Manchen sind sie auf den ersten Blick nicht so sympathisch. Kennen wir doch aus unserer Gegenwart genug Menschen, die sich größenwahnsinnig und narzisstisch zum Maßstab aller Dinge machen, das Recht und sogar das Lebensrecht anderer Menschen missachten, Lüge zur Wahrheit erklären und Kritik an ihren Maßnahmen bestrafen. Auch zu Zeiten Jesu hatten Menschen Zweifel, ob Jesu Anspruch, der verheißene Messias zu sein, wirklich berechtigt war. Woran konnten sie das erkennen?
Gute Reben
Ich bin der wahre Weinstock, mein Vater ist der Weingärtner und ihr seid die Reben. So erklärt Jesus seine Beziehung zu Gott, zu seinen Jüngerinnen und Jüngern und zu uns. Er beschreibt uns als Menschen, die durch sein Wort gereinigt wurden und damit zu guten Reben geworden sind, die viel Frucht bringen können. Wie heikel diese Verbindung der Jüngerinnen und Jünger damals zu Jesus war, können wir ahnen, wenn wir sehen, dass in diesen acht Versen sechsmal dazu aufgerufen wird, dass die Verbindung zwischen Jesus, den Jüngern und Jüngerinnen und Gott als Vater Jesu erhalten bleibt, dass sie nämlich an ihm und in ihm bleiben. Erkennbar wird unsere bleibende Verbindung mit ihm daran, dass wir viel Frucht bringen.
Baum des Lebens voller Früchte
Welche Früchte unserer Verbindung zu Gott und Jesus sind für uns und andere sichtbar? Daran messen uns auch diejenigen, die selbst keinen oder einen anderen Glauben haben. Als durch Christi Tod Gereinigte und Gerechtfertigte wollen wir diese Früchte des Glaubens bringen. Auf einem der ersten Hungertücher von Misereor ist der Baum des Lebens, an dessen Stamm der Gekreuzigte hängt, voller großer Früchte dieses Lebens, Leidens und Auferstehens Jesu Christi.
Diakonie, Frieden und Freude
Wenn ich diese Früchte beschriften könnte, würde ich sie so benennen: Diakonie als Sorge um die Kranken und Alten; Frieden als Botschaft nicht nur zu Weihnachten für eine Welt voller Konflikte und Aufrüstung; Freiheit als Aufbruch aus der Ohnmacht gegenüber Gewalttätern; Auferstehung als österliche Hoffnung in Trauer; Freude an pfingstlicher Vielfalt in Zeiten von Ausgrenzung und Abschiebungen. Jesus traut uns zu, diese und andere Früchte unseres Glaubens zu bringen, wenn wir die Verbindung zwischen ihm, Gott und untereinander pflegen. Mit dieser Perspektive lädt er uns zum Jubilieren ein: „Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jüngerinnen und Jünger.“
Dr. Gerdi Nützel, Pfarrerin für internationale Studierende, Berlin
Die Frauen finden Jesus nicht, das Grab ist leer.
Foto: KI erstellt mit Firefly_Gemini 2.5 Nano Banana
Ein Gebet für April
Nur die Liebe bleibt
Ostern
kalte klare Luft
die orangene
Morgensonne
hat es leicht
mich zu begeistern
Ostern ist noch weit
aber schon in Sichtweite
und hörnah –
Gott sei Dank
Kreuze und Monde –
Tode und Schatten
alles vergeht
nur die Liebe
ist und bleibt
Kitsch – unendlichfach
erprobt und geteilt –
ich vertraue dir
Amen
Albrecht Kalusche nimmt uns mit in die Welt von Briefmarken. Seien Sie gespannt, was er alles über sein Hobby zu erzählen weiß! Diesmal geht es um die Evangelisten Von Albrecht Kalusche, Zwickau
Der Evangelist Lukas auf einer Marke aus der Republik Togo: Foto: Albrecht Kalusche
Neue Serie Das Leben Jesu in dieser Märzausgabe unserer Frohen Botschaft ist über ein wichtiges Ereignis im Leben Jesus zu berichten; über seine Taufe. Von Hans-Jürgen Grundmann, Berlin
An das Leid denken
Die Evangelische Kirche ruft dazu auf, auf das Leid von syrischen Christen aufmerksam zu machen Gedanken am Ewigkeitssonntag Von Sibylle Sterzik, Berlin
Christen sprechen über ihren Glauben Auch in den schwersten Stunden ihres Lebens, als ihr jüngster Sohn mit 19 Jahren tödlich verunglückte, klammerten sich die Eltern an Gottes Wort Kerstin Weiss, Leserin aus der Kirchgemeinde Thierfeld in Sachsen
Jesus weinte, „im Innersten erregt und erschüttert“, wie es in der Einheitsübersetzung heißt. Tiefe Trauer über den Tod seines Freundes Lazarus wühlte ihn auf – bevor er ihn als Zeichen für seine Gottessohnschaft auferweckte. Einen sensiblen Jesus stellt uns Johannes in dieser Szene vor, einen, der am Schicksal der Menschen teilnimmt, der seine Trauer und Erschütterung nicht hinter frommen Worten versteckt. Könnte das nicht eine Ermutigung für uns sein, uns so vertrauensvoll wie Maria und Martha an ihn zu wenden, ihm auch unser Leid zu klagen? Wie Jesus hier zum Segen für Lazarus und seine Familie wird, können auch wir zum Segen für unsere Umgebung werden. Den Tod können wir nicht rückgängig machen, aber wir können ihm seinen Schrecken nehmen, Trauer in Hoffnung verwandeln.
Solidarisch mit anderen sein
Zugehend auf Ostern, motiviert durch spirituelle Leidenschaft, solidarisch mit anderen dürfen wir hoffen, dass auch unser Weinen vorübergeht. Der Benediktiner Anselm Grün gibt zu bedenken: „Weil Gott so viel Geduld mit uns hat, führt er uns immer wieder liebevoll zurück auf den Weg zu ihm.“ Das Vertrauen in Gott, der mit uns geht, kann neue Kräfte in uns wecken. Wir dürfen hoffen, dass unsere Trauer und unser Weinen gewandelt werden. Über allem Dunklen steht Gottes leidenschaftliche Liebe zu uns Menschen. So brauchen wir uns unserer Tränen nicht zu schämen. Wir dürfen auch klagen und schimpfen wie die Psalmisten. Aber wir dürfen uns getragen wissen von Gottes gütiger Hand, von seinem wirksamen Segen.
Walter Plümpe ist freier Autor und Katholik in Berlin.
Die Kraft des Glaubens
Predigttext zum 1. März 2026 Sonntag Reminiszere: Römer 5,1–5 (6–11)
Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus. Durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit, die Gott geben wird. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist. Römer 5,1–5
Hoffnung lässt nicht zuschanden werden. Das ist bei weitem mehr als „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ und vor allem mehr als dass man seine Hoffnung irgendwann mal fahren lässt. Paulus sagt uns: Hoffnung habt ihr immer! Ihren Ausgang nimmt dieses Bekenntnis in der Gewissheit, durch den Glauben gerecht zu sein. Paulus hat erkannt, dass wir selbst nichts ausrichten können, um vor Gott gerecht dazustehen. Aber ebenso hat Paulus erkannt, dass Gott alles ausgerichtet hat, damit wir gerecht vor ihm dastehen können. Unser Glaube ist die Antwort auf Gottes Gnadengeschenk. Und diese Antwort verändert unser Leben, weil wir auf Hoffnung leben dürfen. Die Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes. Sie verändert unser Denken, Fühlen und Wissen in dieser Welt.
Manchmal wird uns der Boden weggezogen
Wir dürfen wissen, dass unsere Bedrängnisse uns Geduld bringen. Das frühe Christentum und Paulus wissen noch sehr genau, was Bedrängnis ist. Angst zu haben um sein Leben, wenn man für eine bestimmte Sache einsteht. Wir heute kennen eher die inneren Bedrängnisse unseres Glaubens. Es passiert viel, was uns am Glauben zweifeln lässt. Zum Beispiel haben es viele erlebt, wie Krankheit und Tod eines geliebten Nächsten sich in unser Leben drängen. Alles scheint auf einmal unsicher: Wie kann es weitergehen? Mir wird der Boden unter den Füßen weggezogen!
Auch bedrängen uns hart die Sorgen um den Lauf unserer Welt. Die Kriege um uns herum enden nicht. Sie führen zu Strömen von Flüchtlingen. Verzweifelt sehen wir uns das an, fühlen uns oft ohnmächtig, helfen zu können. Wie soll es gelingen, in der Ukraine, im Sudan, in Israel/Palästina Frieden zu schaffen? Auch unsere Umwelt ist bedroht. Können die Schäden, die wir dieser Welt zugefügt haben, jemals wieder heil werden? Ich fühle mich klein, jämmerlich und machtlos gegenüber allem, was um mich herum passiert.
Die Kraft Gottes hält uns
Paulus sagt, ein Leben im Glauben kann das aushalten. Mehr noch, es sind gerade die Bedrängnisse, die uns Geduld lehren. Keine Frage, das ist schwer. Doch die Kraft des Glaubens vermag mehr, als wir tragen zu können meinen. Denn es sind nicht wir, die uns hindurchtragen. Es ist die Kraft Gottes, die uns hält und aushalten lässt, was wir selbst nicht ertragen können. Wir spüren: Wo wir uns auf Gott verlassen, da sind wir nicht verlassen. Viele Menschen haben das erfahren dürfen. Gott führt uns nicht um unsere Sorgen und Ängste herum. Aber er führt uns hindurch.
Wo wir das spüren, bekommen wir Hoffnung. Eine Hoffnung aus der Gewissheit heraus, dass es einen gibt, der größer ist als wir und der unser aller Leben hält. Gott liebt uns, darum wird unsere Hoffnung nicht zuschanden. Sie ist das große Geschenk, das wir von Gott bekommen. Sie prägt das Leben und kann zu jeder Zeit Leben neu möglich machen.
Thilo Haak, Pfarrer in der Ostergemeinde in Berlin-Wedding
In der Nachfolge gehalten. Zeichnung von Michel Erdmann
Unterwegs ohne festen Ort
Predigttext zum 8. März 2026, Sonntag Okuli: Lukas 9,57–62
Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst. Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege. Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. Er aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes! Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Hause sind. Jesus aber sprach zu ihm: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. Lukas 9,57–62
Lukas 9,57–62 ist ein unbequemer Text. Drei Menschen wollen Jesus nachfolgen, und Jesus macht ihnen nichts leicht. Keine Sicherheiten, kein Aufschieben, kein Zurückschauen. „Die Füchse haben Gruben“, sagt er, „aber der Menschensohn hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegt.“ Nachfolge klingt hier nicht nach frommem Ideal, sondern nach Verlust, Bruch und Risiko. Während ich diese Predigtgedanken schreibe, schläft mein Kind im Wohnzimmer. Die Nacht war unruhig. Und doch bin ich dankbar: für ein Dach über dem Kopf, für Wärme, für Sicherheit.
Iranische Familie in Angst
Nicht allen ist das geschenkt. Heute war eine iranische Familie in meiner Beratung. Auf der Flucht vor Islamisten, Christen aus dem Iran, nun in Deutschland. Ihre größte Sorge: Dürfen wir bleiben? Ihr Sohn ist teils gelähmt an den Beinen, stark in den Armen, mutig im Herzen. Ich sehe ihn spielen, bauen, kämpfen mit Rittern und Drachen. Für einen Moment hellt sich das Gemüt der Eltern auf. Doch die Angst bleibt. Ein gutes Wort allein hilft hier nicht.
Nach vorn schauen
Und doch gibt es eine tiefe Verbindung zwischen dieser Familie und Jesus. Auch Jesus ist unterwegs, ohne festen Ort. Selbst Tiere haben Höhlen und Nester – Menschen nicht immer. Auf dem Weg nach Jerusalem fordert Jesus alles von seinen drei möglichen Jüngern: Alte Sicherheiten loslassen, selbst engste (familiäre) Bindungen zurückstellen. Es klingt hart, ja verletzend. Doch Jesus macht deutlich: Leben ist nur dort, wo Gottes Herrschaft Raum gewinnt. Alles andere gehört dem Tod. Wer die Hand an den Pflug legt und zurückschaut, verliert den Blick nach vorn – ins Licht.
Stärkste Gaben
Ist das nur ein Ideal? Bei der iranischen Familie spüre ich kein Ideal, sondern Sehnsucht. Als sie hören, dass ich Christ bin, leuchten ihre Augen. Freude bricht durch. Am Ende frage ich: Darf ich beten? Darf ich segnen? Wir stehen auf, Hände werden aufgelegt, Worte übersetzt. Tränen fließen. Gebet und Segen werden zu den stärksten Gaben.
Okuli – „Meine Augen sehen nach dem Herrn“. Nachfolge heißt nicht, alles zu können. Aber sich (immer wieder neu) auszurichten. Unterwegs zu bleiben. Wenn das Herz brennt, spüren wir neu: Wir gehen im Licht Jesu. Die Dunkelheit darf warten.
Michel Erdmann, Prediger und Lektor, Berlin
Das Baby ist zutiefst geborgen, trinkt und bekommt Kraft. Foto: wren-meinberg-aE2QqMECnbQ-unsplash
Tröstliche Wegzehrung
Predigttext zum 15. März 2026 Sonntag Lätare: Jesaja 66,10–14
Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid. Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an ihrer vollen Mutterbrust. Da werdet ihr saugen, auf dem Arm wird man euch tragen und auf den Knien euch liebkosen. Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden.
Jesaja 66,10.11.12b.13
Jesaja ist der bedeutendste Tröster des Alten Testaments, ununterbrochen seit circa 520 vor Christus. Sein Ansprechpartner war das Volk Israel. Jesajas Trostworte gaben Zuspruch und Zuversicht. Nach der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft freute man sich auf den Neubeginn im gelobten Land, denn dort sollten bekanntlich „Milch und Honig“ fließen. Der Tempel konnte wieder aufgebaut werden. Man richtete sich unter persischer Oberhoheit irgendwie ein, doch es war nicht der eigene Staat. Die erwartete Heilszeit war zudem durch die katastrophale wirtschaftliche Lage in die Ferne gerückt. Träume zerplatzten. Frustration und Wut, Trauer und Verzweiflung stellten sich ein.
Auf das blicken, worüber wir uns freuen
Wohin solche Unzufriedenheit und Enttäuschung führen, das können auch wir in der derzeitigen weltpolitischen Situation gut nachvollziehen. Sie ist gefüllt von Krieg, Hass und überbordenden Machtgelüsten und imperialen Zielen. Zu vieles, was im Augenblick geschieht, ängstigt uns. Trotzdem gilt es gerade in schwierigen Zeiten, in denen uns der Mut verlassen will, darauf zu schauen, worüber wir uns freuen können. Und das ist nicht wenig.
Der „dritte Jesaja“ oder Tritojesaja genannt, der die Kapitel 55 bis 66 schrieb, versuchte seine Mitbürger aufzumuntern, zu trösten. Er wusste es: Gott ist nicht nur der Mächtige, Schöpfer und Richter. Er hat auch eine mütterliche Seite: liebevoll, schützend, erbarmend. Jesaja hat das Bild von der Mutterliebe zu ihrem Baby vor Augen. Es wird auf den Arm genommen, denn dahin könnte es selbst nicht kommen. Das Baby wird an die Brust gelegt und fängt an zu saugen. Es ist zutiefst geborgen, trinkt und bekommt Kraft. Zunächst wird die Stadt Jerusalem mit dieser Mutter verglichen, und dann Gott selber: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“
Wer Gott einlässt, hat Hoffnung
In der schweren Zeit, die das Volk erleben musste, stimmt der Prophet in die Klagen der Menschen um ihn herum nicht mit ein, er zeichnet kein düsteres Bild der Zukunft. Er tröstet, richtet auf, macht Mut und fordert seine Zuhörer sogar auf, sich zu freuen. „Freuet euch mit Jerusalem …“ Jesaja geht es in seinen Trostworten um die Gegenwart Gottes, um Frieden und Freude und Versorgung. Wer Gott in sein Leben einlässt, der ist nicht untröstlich, der hat Hoffnung. Damals wie heute.
Mitten in der Passionszeit, in der das Leiden Jesu und der Welt bedacht wird, heißt der heutige Sonntag Lätare – „Freuet euch“. Man nennt ihn auch das „kleine Osterfest“. Es ermöglicht einen Blick in ein neues Leben, das hinter dem Leiden und dem Sterben liegt. Eine tröstliche Wegzehrung bis zum Osterfest und darüber hinaus.
Klaus Büstrin ist Prädikant und freier Autor in Potsdam.
Die Sünderin salbt Jesus. Glasfenster in der Christuskirche Korntal Foto: CC BY-SA 3_0, wikimedia commons.
Diese Frau wagt Außergewöhnliches
Predigttext zum 29. März 2026 Palmsonntag: Markus 14, (1–2) 3–9
Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt. Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis. Markus 14,3+6+8t
Palmsonntag – ein biblischer Sonntag der Gegensätze: Jesus wird wie ein König bei seinem Einzug in Jerusalem gefeiert; ein König auf einem Esel!? „Hosianna“ rufen die einen; „kreuzige“ rufen kurz danach die anderen. Wir hören die Erzählung von der Glaubensgeschichte einer namenlosen Frau, die Jesus kurz vor seinem Tod mit kostbarem Salböl salbt. Anders als die Jünger Jesu wagt diese Frau etwas Außergewöhnliches – wider alle Konvention und Tradition. Sie beweist Mut.
Eine Frau stärt die Männergesellschaft
Die Frau schweigt die ganze Zeit ihres Auftritts. Ungefragt und ungehörig schreckt die Frau die Runde der Männer hoch. Mit einem unglaublichen Aufwand stört sie die Männergesellschaft: Sie gießt kostbares, teures Salböl auf Jesu Haupt. Die Jünger Jesu sind entrüstet. Bei ihnen taucht sofort die bis heute aktuelle Streitfrage auf, was den Luxus und seine sinnvolle Verwendung betrifft. Heute fragen Menschen: Warum verwenden Kirchengemeinden zum Beispiel so viel Geld für die Pflege von Orgeln, für die Erhaltung alter Gebäude oder für festliche Veranstaltungen? Wäre dieses Geld nicht sinnvoller für soziale Not und Armut in Krisengebieten, für Hungernde und Flüchtlinge in der Welt, gesammelt?
Zur rechten Zeit das richtige getan
Wir wissen nicht, warum die namenlose Frau so gehandelt hat. Sie ist verschwenderisch in ihrer Hinwendung und Zuneigung zu Jesus. Sie setzt eigene Prioritäten. Ihr Tun hat nichts mit Berechnung und ökonomischem Denken und Nutzen zu tun. Zuneigung lässt sich nicht bilanzieren! Die Frau setzt ein klares Zeichen: Dieser Jesus ist der Gesalbte! Dabei bleibt völlig offen, ob sie von dem bevorstehenden Tod Jesu weiß oder ihn ahnt. Sie schweigt und handelt.
Dann ergreift Jesus das Wort. Er spricht aus, was diese Frau zeichenhaft getan hat. Anders als die Jünger hat sie „getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis“. Jesus schaut voraus auf seinen Karfreitag. Die Jünger verstehen seine Botschaft nicht. Sie wollen nicht hören, dass diese Frau ein „gutes Werk“ getan hat – zur rechten Zeit das Richtige!
Das Antlitz Christi im Nächsten entdecken
Denkbar ist, dass wir heute mit unserem Namen durch unser Tun der namenlosen Frau einen Namen geben. Sie macht Mut, in unserer Begegnung mit anderen Menschen nicht nur unserem Verstand zu folgen, sondern auch spontane, ungewöhnliche Handlungen zu wagen. Die Frau ist Vorbild darin, dass eine wenig ökonomische Tat gerade sinnvolles Leben symbolisiert. So bekommen wir Mut, im Angesicht des namenlosen, schweigenden Nächsten das sterbende und auferstehende Antlitz Jesu Christi zu entdecken.
Klaus Wollenweber, früherer Bischof der Evangelischen Kirche der Schlesischen Oberlausitz, Bonn
Die Zeitschrift gibt Hoffnung 125 Jahre Frohe Botschaft Eine Leserin schreibt, was ihr an der Frohen Botschaft wichtig ist, die sie seit Jahren liest. Monika Kaden, Leserin aus Seiffen
Neue Serie: Menschen Geteilter Mantel und schnatternde Gänse. Vor 625 Jahren starb Martin von Tours. Von Hans-Jürgen Grundmann, Berlin
Buchtipp: Wir müssen reden Elke Büdenbender und Eckhard Nagel haben ihr Gespräch über das Leben und Sterben veröffentlicht Von Sibylle Sterzik, Berlin
Am Horizont leuchtet schon das Licht der Ewigkeit. Gedanken am Ewigkeitssonntag Von Sibylle Sterzik, Berlin
Leserfrage Wie erkläre ich meiner Enkelin, wo ihr Opa jetzt ist und wie tröste ich sie? Es antwortet: Pfarrerin Katharina Plehn-Martins, Supervisorin in Berlin
Gottes Wort ist Richtschnur und Stütze. Foto: pixabay
Monatsspruch November 2022
„Weh denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen, die aus sauer süß und aus süß sauer machen!“ Jesaja 5,20 (L)
Vieles hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert. Nichts ist mehr wie es war. Wie auch bei Jesaja erleben wir, dass Werte auf den Kopf gestellt werden. Was unsere Eltern uns als wertvoll mit auf den Lebensweg gaben, zählt heute nicht mehr. Die Alten werden belächelt, nach dem Motto: „Ihr versteht die Welt nicht mehr.“ Nur noch materielle Werte zählen, dabei ist es doch unsere Seele, die Halt und Stütze braucht. Beides finden wir einzig bei Gott, wie es auch Jesaja schon längst erkannt hatte. Er musste den Verfall seines Volkes mit ansehen und konnte nichts tun als beten. Wer hörte denn noch auf ihn?
Leider sehen auch wir zunehmend, dass nicht Gottes Wort im Vordergrund steht, sondern das „Mit der Zeit gehen“. Gottes Wort, das uns Richtschnur und Halt sein sollte, wird als Geschichtenbuch abgetan. So nach dem Motto: „Ihr müsst nicht alles so ernst nehmen. Wir sind doch nicht mehr von gestern.“
„Weh denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen, die aus sauer süß und aus süß sauer machen!“, lesen wir bei Jesaja. Sind wir nicht auf dem besten Wege, diese Worte zu übernehmen und die Dinge zu verkehren, anstatt uns von ihnen aufrütteln zu lassen und Gottes Wort als das zu nehmen, was es ist: Richtschnur und Leitsatz für unser Leben. Wenn nicht aus eigener Kraft, dann doch mit Gottes Hilfe.
Christina Telker, Bernau
Ein gutes Wort kann viel verändern. Foto: pixabay
Gottes Reich braucht Raum
Predigttext zum 6. November 2022 Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres: Lukas 17,20–24(25–30)
Als er aber von den Pharisäern gefragt wurde: Wann kommt das Reich Gottes? antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht mit äußeren Zeichen; man wird auch nicht sagen: Siehe, hier!, oder: Da! Denn sehet, das Reich Gottes ist mitten unter euch.
Lukas 17,20+21
Gottes Reich ist kein Ort. Darin irren die Imperatoren und die ihnen nachlaufen. Durch gewaltsame Aneignung, durch Grenzverschiebungen und Geländegewinne ist kein Reich zu machen. Jedenfalls keines, das von Dauer ist.
Mich langweilen diese nicht enden wollenden Versuche, letztlich austauschbare Symbole von Macht und Größe zu errichten. Nichts Neues unter der Sonne. Sichtbare Zeichen von Herrschaft und Wohlstand landen früher oder später als Fragmente in Museen. Sie deprimieren, weil sie Vergeblichkeit und Vergänglichkeit vor Augen führen. Menschliches Machwerk ist nichts Bleibendes.
Beim Singen des Abendlieds von Karl Albrecht Höppl (Evangelisches Gesangbuch Nr. 490) breitet sich in mir eine tiefempfundene Genugtuung aus: Erdenreiche mögen fallen, Gottes Reich, das steht in Ewigkeit. Eine Genugtuung und eine Sehnsucht spüre ich gleichermaßen. Sehnsucht nach dem Ende irrsinniger Kriege. In Träumen schon jetzt ausgemalt. Unbeschwertes Schlendern auf den Magistralen von Kiew, Theaterbesuch in Mariupol, erschwingliche Getreidepreise für alle und alle … sind am Leben. Wann endlich?
Wann kommt das Reich Gottes? Eine (über-) lebenswichtige Frage. Sie zielt auf eine künftige Zeitenwende. Einen Umkehrpunkt, der mehr verändert als die Paradigmenwechsel dieser Tage: im Konsumverhalten – wir müssen sparen, im Wirtschaften – wir brauchen Stabilität, in der Militärstrategie – wir brauchen mehr Wehrhaftigkeit.
Nichts von all dem spielt eine Rolle, wenn Jesus das Reich Gottes mit nachvollziehbaren Alltagsbildern vergleicht. Erstaunlich und herausfordernd zugleich ist es, dass ein unscheinbares Samenkorn (Matthäus 13), ein gutes Wort, Veränderung und Ewigkeit schafft. Es muss nur ausgesät, muss ausgesprochen und getan werden.
Das Reich Gottes ist kein Ort. Es ist ein Ereignis. Es ereignet sich unter Menschen, ausnahmslos. Gottes Reich ist kein Ort aber es braucht Raum, es sucht seinen Platz in der Herberge, in Dörfern und Städten, ganz gleich welche Fahnen über ihnen wehen. Und noch eines. Das Himmelreich kommt nicht ohne Geschichten aus, gute Geschichten von einer Zukunft, in der die Saat aufgeht. Schon jetzt kann jede und jeder ein Teil davon werden. Lege das Samenkorn in aller Ungewissheit aber voller Hoffnung in den Boden. Und sieh!
Pfarrer Matthias Puppe, Koordinator in der Arbeit mit ukrainischen Geflüchteten, Berliner Missionswerk
Ein Richterspruch hat Gewicht. Foto: pixabay
Gott in den Ohren liegen
Predigttext zum 13. November 2022, Vorletzter Sonntag des Kirchenjahres: Lukas 18,1–8
Es war aber eine Witwe in derselben Stadt, die kam immer wieder zu ihm und sprach: Schaffe mir Recht gegen meinen Widersacher! Und er wollte lange nicht. Danach aber dachte er bei sich selbst: Wenn ich mich schon vor Gott nicht fürchte noch vor keinem Menschen scheue, will ich doch dieser Witwe, weil sie mir so viel Mühe macht, Recht schaffen, damit sie nicht zuletzt komme und mir ins Gesicht schlage.
Lukas 18,3–5
Schon ganz mit seinem Abschied beschäftigt, verdichtet Jesus im Evangelium des Lukas das, was ihm wichtig ist. Ein Gleichnis, eine Geschichte folgt der anderen. Auch diese – merkwürdige.
Das kann man sich doch schlicht nicht vorstellen, dass da ein Mann, der sich vor nichts und niemandem fürchtet, ein Richter, der letztgültige Urteile fällt, dass der plötzlich Angst haben sollte vor einer Witwe, weil diese ihm ins Gesicht schlagen könnte?
Ich kenne hingegen Tausende Geschichten von Frauen, die Angst haben. Überall auf der Welt. Irgendein Grund findet sich immer, warum man sie schlägt, verstümmelt, erniedrigt, vergewaltigt, entrechtet. Das macht mich fassungslos, traurig, wütend. Es gibt gar nicht so viele Donnerstage wie ich schwarz tragen müsste. Bei „Thursday in black“ wollen Menschen auf diese Gewalt hinweisen, indem sie jeden Donnerstag ganz in Schwarz gehen.
Gott im Himmel, der Du Menschen in Vielfalt erschaffen hast, mach der Gewalt ein Ende! Um Deiner Gerechtigkeit willen!
Beeindruckt bin ich von dieser Witwe, einer Frau, die ganz allein dasteht und für ihr Recht kämpft. Woher nimmt sie die Kraft, wo doch Abschiede so zehren und einen ganz wackelig machen? Ich bewundere sie für ihren Mut, wie ich die Frauen im Iran bewundere, die „Frauen. Leben. Freiheit.“ rufen und sich den Schleier vom Kopf reißen, obwohl ihnen massive Gewalt droht.
Der Richter in der Geschichte weigert sich zu tun, was seine Aufgabe ist, nämlich Recht zu sprechen und der Gerechtigkeit zur Durchsetzung zu verhelfen. Ihn mit Gott zu vergleichen, macht mir Mühe. Aber bei Lukas erzählt Jesus auch andere befremdliche Geschichten, zum Beispiel die von einem Vater, der seinem Sohn, wenn er um einen Fisch bittet, eine Schlange gibt. Unmöglich! Genau, sagt Jesus, wenn ihr das schon unmöglich findet, und niemals so handeln würdet, um wie viel mehr dann Gott! Wenn sich schon ein unfassbar hartleibiger Richter erweichen lässt, um wieviel mehr dann Gott!
So fasst Jesus in der Erzählung des Evangelisten Lukas noch einmal zusammen, was er seinen Lieben zum Beten erzählt hat: „Bittet, so wird euch gegeben; Suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird Euch geöffnet. Denn alle, die bitten, werden bekommen; und die suchen, werden finden; die anklopfen, denen wird geöffnet.“
Machen wir Ernst damit. Hören wir nicht auf Gott in den Ohren zu liegen mit unseren Gebeten für ein Ende aller Gewalt. Gott im Himmel, der Du Menschen in Vielfalt erschaffen hast, mach der Gewalt ein Ende! Um Deiner Gerechtigkeit willen!
Oberkirchenrätin Sabine Habighorst, Berlin
Wer wacht, kann etwas tun: zum Beispiel beten. Foto: pixabay
Wachen und Beten
Predigttext zum 20. November 2022 Ewigkeitssonntag: Markus 13,28–37
Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen. Von jenem Tage aber oder der Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater.33 Seht euch vor, wachet! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist. Markus 13,31–33
Sprachpolizei gab es schon immer. Als junger Pfarrer sprach ich einmal im Pfarrkonvent von „Totensonntag“. Ein gestandener älterer Kollege korrigierte: „Der junge Bruder wollte wohl sagen: Ewigkeitssonntag“. Ich weiß nicht mehr, was ich damals sagen wollte, aber der kommende Sonntag hat zwei Themen oder Propria: Als „Totensonntag“ ist er der Sonntag, an dem – im Lichte von Ostern – der Verstorbenen der letzten zwölf Monate gedacht wird, als Ewigkeitssonntag ist er der Sonntag, an dem vorausgeschaut wird auf das Ende der Welt und auf Gottes Ewigkeit.
Markus 13,28–37 ist der Text für den Ewigkeitssonntag. Lange konnten wir, konnte die Kirche mit solchen Texten nichts anfangen. Noch in einem neueren Kommentar (2012) heißt es fast überheblich: „Heute ist das Ende der Geschichte und das Weltgericht kaum noch vorstellbar.“ Wie sich die Zeiten ändern! Fast muss man sagen, angesichts von Krieg, Klimakatastrophe, Pandemie und Teuerung haben wir die apokalyptischen Reiter (Offenbarung 6) und die Ballung der Katastrophenszenarien nie so gut verstanden wie heute! Das Ende der Welt ist wieder möglich geworden. Gut, dass sich in der Christentumsgeschichte die nicht durchgesetzt haben, die – zu ihrer Zeit – unverständliche Bücher und Texte aus der Bibel einfach herausschneiden wollten. Andererseits, was helfen uns Texte wie Markus 13? Machen sie die Furcht nicht noch größer? Legitimieren sie unsere Panik und Zukunftsangst? Ich sage: Nein.
Und ich finde drei positive Aspekte in diesem Text: „An dem Feigenbaum aber lernt ein Gleichnis. Wenn seine Zweige saftig werden und Blätter treiben“ (Vers 28). Ich kann mich trotz der düsteren Zukunftsaussichten am Erwachen der Natur im Frühjahr immer wieder erfreuen. Und an der
„Gnade der Natur“, die ich diesen Spätsommer wieder erlebt habe. Nach monatelanger Hitze und Trockenheit verbrannte Felder und Wiesen überall, dann ein kräftiger Regenguss, und am übernächsten Tag waren die Wiesen wieder grün. Diese Vitalität der Schöpfung hat mich regelrecht beschämt. Und gerade weil wir wissen, dass die Welt endlich ist, sind solche Momente kostbar.
„Von jenem Tage aber oder der Stunde weiß niemand…, auch nicht der Sohn“ (Vers 32). Dieses Wort hat den Theologen immer Mühe gemacht. Wie kann Jesus so etwas sagen? Wie kann er seine eigene göttliche Autorität so untergraben? Jesus wusste es wirklich nicht, wie auch der Satz davor (Vers 30) beweist: „Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles geschieht.“ So wie es tröstlich ist, dass ich meine Todesstunde nicht kenne, so ist es auch tröstlich, dass wir die Stunde des Weltgerichts nicht kennen, um die verbleibende Zeit sowohl genießen als auch nutzen zu können.
Und so verstehe ich auch das letzte Wort in unserem Text: „Wachet!“ (Vers 37). „Wachet und betet“ hieß auch das letzte Wort Jesu vor seinem Tod, das er zu seinen Jüngern sprach, im Garten Gethsemane. Dieses Wort steht gegen jeden Fatalismus. Wer wacht, kann noch etwas tun. Der
UNO-Generalsekretär hat davor gewarnt, dass wir „schlafwandlerisch“ in die Klimakatastrophe hineinschlittern. Er hat zur Wachsamkeit und zur Tat aufgerufen. Was zu tun ist, wissen wir. Aber vergessen wir auch das andere nicht, das nur wir können, und das wir der Welt schuldig sind: Beten.
Pfarrer Dr. Bernhard Schmidt, Vorsitzender der Kollegialen Leitung des Kirchenkreises Falkensee
Gott wartet darauf, dass ihm die Türen in unserer Welt von uns geöffnet werden. Foto: pixabay
Adventliche Klopfzeichen
Predigttext zum 27. November 2022 1. Advent: Offenbarung 3,14–22
Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer Ohren hat, der höre, was er den Gemeinden sagt
Offenbarung 3,20.22
Eine Predigt gelingt, wenn etwas hängen bleibt. Ein Bild, ein Wort, eine Wendung. Der Glaube kommt nicht aus der Predigt, er „kommt aus dem Hören“ (Römerbrief 10,17). Die Predigt macht ihn nicht. Sie legt eine Möglichkeit frei: Es könnte doch möglich sein, dass … Das Bild unseres Textes für den 1. Adventssonntag ist die Tür.
Eine Erfahrung: Eine Pfarrerin macht Hausbesuche. Sie klingelt. Aus der Sprechanlage ruft eine Stimme: „Bist du es, mein Engelchen?“ Sie ist ein wenig verwirrt, antwortet aber schlagfertig: „Nicht direkt, aber von der gleichen Firma!“
Ein Urtraum: Wenn es klopft an der Haustür, an der Wohnungstür, an der Krankenzimmertür – möge es doch es ein Engel sein, der mein Leben mit Liebe erfüllt, mit Freundlichkeit erwärmt und mit Fürsorge bewahrt. Ein Urtraum.
Die Tür ist für uns zu einem Symbol geworden: So wie es offene und verschlossene, einladende und abweisende Türen gibt, so auch Menschen mit einem Herzen, das verschlossen ist wie eine Tür, mag man noch so rütteln und klopfen – es gibt unzugängliche Menschen, Häuser. Auch Gemeinden, auch Kirchen? „Offene Kirche“, ein gesegneter Dienst der Gemeinde, Advent ist bekanntlich immer …
Nun aber 1. Advent mit dem Text: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an!“, Vers 10 aus dem Sendschreiben an die Gemeinde in Laodicea, Offenbarung es Johannes 3, 14-22. Der Inhalt ist wenig erfreulich, „eine Abfuhr sondergleichen“, wie es der Theologe Wolfgang Huber bezeichnete, früher ein Text für den Buß- und Bettag. Die liturgische Farbe für den Advent ist das Violett, Farbe der Umkehr, des Hörens, des Sich-Öffnens, des Bereit-Werdens für den, der an der Tür steht und klopft.
Vor 60 Jahren kam ich als Student nach Berlin und hörte bei Eberhard Jüngel die wunderbare Auslegung von Psalm 24,7–10: „Macht die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehren einziehe!“ (Predigten, 1968), sie begleitet mich bis heute. Sie ist der biblische Zusammenklang zum Sendschreiben-Vers. Wem es möglich ist, möge sie bitte lesen oder bei mir anfordern!
Ihm ging es um das Brandenburger Tor und das Jerusalemer Mandelbaumtor! Und um das Tor zu uns selbst. „Advent ist Wartezeit … Wartezeit derer, die auf den Herrn harren. Doch der Advent ist vor allem Wartezeit Gottes, der einziehen will und darauf wartet, dass ihm die Tore und Türen in unserer Welt von innen, von uns geöffnet werden. Wenn aber unseres Herzens Tür für Gott offen ist, dann können unsere Haustüren, dann können auch die Tresore ihm nicht verschlossen bleiben. Gott wartet nicht gern umsonst, deshalb: „Macht die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehren einziehe!“
Helmut Ruppel, Pfarrer und Studienleiter im Ruhestand, Berlin