Predigten des Monats

Einladung zu einem neuen Leben

Predigttext zum 20. Januar 2019 Zweiter Sonntag nach Epiphanias:

Römer 12, 9–16

Zur Zeit, als Paulus seinen Brief nach Rom schreibt, ist Rom die Hauptstadt eines Weltreiches. Rom war damals der Schmelztiegel aller Kulturen des großen Weltreiches. In vielem lässt sich das, was damals Rom bestimmte, mit der Gesellschaft der heutigen Zeit vergleichen: Verschiedenheit, Konkurrenz und Unbestimmtheit beschreiben das
Verhältnis und das Verhalten der Menschen zueinander. Der einzelne Mensch muss in einer unüberblickbaren Fülle seinen Ort finden. Die eigene Einmaligkeit kann in dem großen Haufen vieler Einmaligkeiten kaum bestimmt werden. Vor allem viele Religionen mit vielen Göttern gibt es in der Stadt. Die Gesellschaft ist gespalten in freigelassene Sklaven, die den Handel beherrschen, eine adelige Oberschicht, die in unerhörtem Luxus lebt und die Masse des einfachen Volks, Schuld sklaven, einfache Handwerker und verarmte Arbeiter.

Die Zusammensetzung der christlichen Gemeinde ist Spiegel der Gesellschaft. Das Verhalten der Gemeindeglieder untereinander ist nicht anders als das ihrer Umwelt. Hier sind Sklaven neben Freien, Adelige neben Bettlern. Sie alle haben unterschiedliche
Begabungen. Es gibt Starke und Schwache, Überhebliche, Selbstbewusste, Reiche
und Arme. Unter diesen Voraussetzungen gibt es auch in der Gemeinde Neid und Konkurrenz. Die Konkurrenz untereinander wird dadurch noch schlimmer,
dass bestimmte Begabungen oder Voraussetzungen von der Gemeinde als höherwertig, andere als minderwertig angesehen werden.

Paulus kritisiert dieses Verhalten in der Gemeinde. Es soll dort nicht zugehen wie in der
Welt um sie herum. Überheblichkeit, Neid und Angeberei hat keinen Ort, wo sich die Menschen um das Wort Jesu versammeln. Aber Paulus prangert diese Zustände nicht an. Er ruft die Gemeinde nicht mit Strenge zur Ordnung, sondern er entwirft ein Ideal vom Zusammenleben in der Gemeinde. Dazu ist es nötig, dass wir uns auf die geschwisterliche Liebe einlassen: Seid untereinander herzlich, kommt einander mit Ehrerbietung zuvor, sagt Paulus. Die Worte, die wir heute dafür gebrauchen, heißen Wert schätzungskultur und Dankeskultur. Wir haben erkannt, dass nicht alles
selbstverständlich ist und wie gut ein Dankeschön tut. Die geschwisterliche Liebe steckt also durchaus als Möglichkeit in uns. Wenn nicht mehr Alter, Bildung, gesellschaftliche Stellung darüber entscheiden, welche Rolle ein Mensch in der Gemeinschaft der Gemeinde hat, sondern wenn wir alle lernen, uns gegenseitig mit
unseren Gaben zu dienen, dann sind wir auf dem Weg zu der einen ganzheitlichen Gemeinde, von der Paulus seinen Traum erzählt.

Ich glaube nicht, dass es ein Traum bleiben muss, was Paulus schreibt. Es kann hier und jetzt unter uns geschehen. Eine sehr glaubwürdige Kirche wäre die Folge. Sie wäre
nicht mehr Spiegel der Welt, in der sie lebt, sondern sie wäre die Einladung zu einer anderen Welt, einem neuen Leben in der Liebe Gottes.

Thilo Haak, Pfarrer der Ostergemeinde,Berlin-Wedding

Wunder gibt es immer wieder

Predigttext zum 13. Januar 2019 Erster Sonntag nach Epiphanias:

Josuah 3, 5-17

So sang Katja Epstein. Das galt aber auch für die Geschichte des Volkes Israel. Gott befreit sein Volk gegen den Willen des Pharao aus der Knechtschaft in Ägypten. Sie haben eine große Verheißung. Ich will euch in ein Land bringen, in dem Milch und Honig fließt. Bis dahin ist es aber ein weiter und beschwerlicher Weg. Schon am Anfang steht ein Wunder: der Durchzug durch das Rote Meer. 40 Jahre Wüstenwanderung – auch da sorgt Gott durch Wunder für sein Volk. Er weist ihnen durch Wolken- und Feuersäule den Weg. Er sättigt sie mit Manna. Und nun kurz vor dem Ziel noch ein scheinbares unüberwindliches Hindernis: der Jordan. Da wirkt Gott wieder ein Wunder: Er lässt die Bundeslade mit den zwei Steintafeln, auch denen die Zehn Gebote stehen, zur „Sperrmauer“ werden. Happy End: Alle kommen wohlbehalten ins verheißende Land. Auch im Evangelium dieses Sonntag (Matthäus 3, 13-17) spielt der Jordan eine Rolle: Jesus kommt an sein Ufer und lässt sich von Johannes dem Täufer taufen. Und dabei geschieht wieder ein Wunder: Der Himmel öffnet sich, der heilige Geist kommt wie eine Taube auf Jesus und eine Stimme spricht: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ Welche Wunder sind schon in Ihrem Leben geschehen? Denn auch heute gilt: Wunder gibt es immer wieder. Sind Sie vielleicht von einer schweren Krankheit wieder geheilt worden? Sind Ihnen als „hoffnungsloser“ Fall noch Lebensjahre geschenkt worden? Sind Sie bei einem Unfall bewahrt worden? „Da hatte ich aber einen Schutzengel?“, so hat mancher schon ausgerufen. Oder: Da war an unserer Stadtkirche der Turm in einem sehr desolaten Zustand. Das ganze Ausmaß der Gefahr war nicht bekannt. Aber niemand war zu Schaden gekommen. Keiner der Gottesdienstbesucher hat eine Viale (Steinsäule) auf den Kopf bekommen und die Turmspitze ist nicht auf das Kirchenschiff gestürzt. Gott hat schützend seine Hände über uns gehalten. Und er hat ein weiteres Wunder gewirkt: Er hat uns auch die große Summe von fast 800000 Euro zur Sicherung des Turmes geschenkt. Nun können die Glocken die Menschen in unserer Stadt wieder zum Gottesdienst rufen – ohne Gefahr. Und dann geschieht auch heute immer wieder das Wunder der neuen Geburt, wenn Menschen unter Gottes Wort mit Wasser getauft werden. Gott schließt mit ihnen den Gnadenbund der Taufe. Sie empfangen dabei auch den Geist Gottes. Sind Sie getauft und gehören damit zu Gottes Kindern? Oder tragen Sie sich mit dem Gedanken, sich taufen zu lassen? Ich möchte Ihnen Mut dazu machen. Und denken Sie daran: Wunder, die Gott wirkt, gibt es immer wieder – auch noch heute.

Günter Dimmler, Pfarrer i.R. , Königsee/Thüringen

Gott ist auf der Seite der Flüchtlinge

Predigttext zum 6. Januar 2019
Epiphanias: Matthäus 2, 1–12:

Matthäus 2,1–12

Als sie den Stern entdecken, rechnen sie noch einmal nach und finden ihre Annahme bestätigt, dass es sich hier doch um die Geburt eines neuen Königs handeln muss. Sie packen und ziehen los, der Stern gibt die Richtung vor; auf beschwerlichem Weg immer westwärts!
So kommen sie, vom Stern geleitet, nach Jerusalem. Da gibt es nichts zu überlegen, selbstverständlich suchen sie den Palast des Königs auf. Ihre berechtigte Frage:
„Wo ist der neugeborene König der Juden?“ Doch Herodes ist ahnungslos! Das wissen nur die in den alten Schriften bewanderten Männer des Volkes, denn sie kennen natürlich die Prophezeiung Michas und nennen Bethlehem, nicht die kleinste unter den Städten in Juda, aber von dort würde er kommen, der im Volk Israel herrschen soll.
Mit Hinterlist informiert sie Herodes. So erreichen sie Bethlehem, freuen sich, dass der Stern sie richtig geleitet hat. Sie finden Vater, Mutter und das Kind in der Krippe und akzeptieren, zwar verwundert, die Armseligkeit des Ortes dieser Geburt. Doch überzeugt, dass sie hier richtig sind, knien sie nieder und bringen ihre mitgebrachten
Geschenke.
Wieder muss Gott eingreifen, wie schon vorher, um das Leben seines Sohnes in der sichtbaren Welt zu sichern. Im Traum befiehlt er ihnen, nicht wieder zum König Herodes zurückzukehren. Sie nehmen einen anderen Weg zurück in die Heimat.
Doch die Gefahr ist noch nicht gebannt, der König lässt in Bethlehem Kinder töten.
Wieder greift Gott ein, ein Engel fordert Josef zur Flucht auf. Eine Flüchtlingsfamilie, wie die vielen, die auch heute in der Fremde angekommen, auf die Hilfe anderer angewiesen sind, Menschen die aufgenommen werden wollen und die Mittel zum Überleben, Unterkunft und Arbeit bekommen müssen. Damals lebten sie in Sicherheit
in Ägypten, bis die Gefahr vorüber war. Wie in kaum einer anderen Geschichte treffen
anfangs Gottheit und Menschheit so oft aufeinander. So sichert Gott selbst mit seinen Engeln das Leben seines Sohnes, damit er das Ziel, unsere Erlösung durch sein Leiden,
Sterben und Auferstehen vollbringen kann.

Hans-Jürgen Grundmann, Berlin