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Der Blick ins Heft Juli 2016

foto: pixabay.com Monatsspruch:

Der Herr gab zur Antwort: Ich will meine ganze Schönheit vor dir vorüberziehen lassen und den Namen des Herrn vor dir ausrufen: Ich gewähre Gnade, wem ich will, und ich schenke Erbarmen, wem ich will.

2. Mose 33, 19

Von Sibylle Sterzik, Berlin

Gut ist Mose zu verstehen. Er möchte Gottes Herrlichkeit sehen. Unverhüllt. Lass mich dich sehen, damit ich weiß, ob ich Gnade vor dir fand und dein Volk, bittet er Gott. Wer angesehen wird, an wem nicht vorbeigesehen wird, der fühlt sich beachtet, anerkannt. Das möchte auch Mose - und er möchte Gewissheit, ob er auf dem richtigen Weg ist, auf dem er das Volk Israel durch die Wüste führt. Gott verwehrt ihm einen Wunsch. „Kein Mensch wird leben, der mich sieht.“ Unsicherheit ist schwer auszuhalten. Und Gott nicht zu sehen auch. Von Zweifeln durchwirbelt zu werden, ob nicht alles etwa Einbildung ist, wo es uns hintreibt, hier im Jetzt und später, wenn die Augen zufallen und der Atem versiegt.

„Du siehst mich!“ Diesen Ausruf der schwangeren Hagar, der Magd Saras, Abrahams Frau, hat sich der Kirchentag im Reformationsjubiläumsjahr 2017 etwas abgewandelt als Losung gewählt. „Du bist ein Gott, der mich sieht“ (1. Mose 16,13), sagt Hagar zu Gott, der ihr viele Nachkommen neben Ismael verheißt und sie schützt.
Gott zeigt sich Mose. Aber anders als erhofft. Er führt Mose und sein Volk, indem er sein „Angesicht“ vorangehen lässt. Und Gott offenbart Mose ein zweites Mal seinen Namen: „Ich gewähre Gnade, wem ich will.“
Wir können seiner Herrlichkeit immer nur hinterher sehen. Aber seine Gnade spüren wir.

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foto: pixabay.com Ganz anders
oder die totale Veränderung

Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Jesus Christus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln.
Römer 6, 3+4

Predigttext zum 3. Juli 2016
6. Sonntag nach Trinitatis: Römer 6, 3-11

Von Hendrik Kissel, Pastor in der Baptistengemeinde „Friedenskirche“ Berlin-Charlottenburg

Es gibt die Zeit nach dem Kennenlernen des Partners. Die Zeit nach dem Umzug nach Irgendwo und seitdem wir Kinder haben - ist alles anders! Es gibt Momente, da zerfällt das Leben in zwei Teile und wir werden in neue, ja andere Welten versetzt.

Paulus malt ein „Vorher“ und ein „Nachher“. Auf den ersten Blick scheint es um die Taufe zu gehen. Tatsächlich aber redet er von „Veränderung“. Es geht im Leben der Adressaten um die neue, ja andere Lebensgestaltung mit Christus. Durch das Taufzeichen wird sie real.

Im religiösen Bereich ruft diese Vorstellung der „Veränderung“ Skepsis hervor. Fehlt es Paulus an der nötigen Selbsteinschätzung? Interpretiert er sich mit der „Bekehrung“ und dem Taufzeichen die Welt etwa passend? Wenn ja, dann hätte Paulus die „Sünde“ zur sittlich-moralischen Angelegenheit gemacht. Dieser harmlosen Art von Sünde nämlich könnte der Mensch dann entkommen. Ein Schuss ordentliche Willenskraft dazu und noch „Gott in sein Leben lassen“ ... Die Sünde ist für Paulus aber kein Mangel, sondern ein unverbesserlicher Zustand. Sünde ist Lebensgestaltung im Erfahrungs- und Deutungshorizont unseres Diesseits. Dieser kann nur durch einen anderen - Gott - beendet werden.

Und dann kann der Mensch anders leben: „So auch ihr, haltet dafür, dass ihr der Sünde gestorben seid und lebt Gott in Christus Jesus“ (Vers 11). Denn der Mensch soll mehr leben. Das Taufzeichen bildet diese Realität ab: Von nun an anders leben und neu denken mit Christus. Und Paulus legt noch eins drauf: Die Taufe ist Vorwegnahme der eigenen Bestattung (Vers 4)! Das totale Ende der „sündhaften“ Lebensgestaltung.

Ich wende ein: Wäre es nicht erfolgversprechender, wenn ich selbst an mir arbeite? Viele Lebensweisheiten würden mir helfen, ein besserer Mensch zu werden. Paulus aber denkt an Bekehrung, er setzt auf die verändernde Arbeit eines anderen an mir. Den anderen soll ich in meiner Lebensgestaltung mitdenken.

Und dies soll aufgrund nur eines Ereignisses gelingen? „Denn was er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben ein für allemal; was er aber lebt, das lebt er Gott“ (Vers 10). Zu schön um wahr zu sein? „Ich trinke nie wieder!“ Und: „Einmal ist keinmal!“ Entgegen unserer Erfahrungen bildet das Taufzeichen die Einmaligkeit tatsächlich ab: Der andere ist nur einmal und nicht noch einmal und
noch einmal (Vers 3) gestorben. Wie auch ich nur einmal „Bestattung“ in der Taufe erlebe: Jetzt können die Römer - und auch ich - mit Hoffnung auf Gott leben.

Es gibt im Leben die einmaligen Ereignisse mit lebenslanger Bedeutung: Die geschenkte Blume ließ Beziehungen entstehen und mancher erster Händedruck hält lebenslang. Danach lebt's sich anders! Nämlich hoffen können und den unsichtbaren - Gott - mitdenken.

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foto: pixabay.com Annehmen können

Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen, … Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam.
Apostelgeschichte 2, 41a-44

Predigttext zum 10. Juli 2016
7. Sonntag nach Trinitatis: Apostelgeschichte 2, 41a.42-47

Von Dr. med. Nicolas Schönfeld, Prädikant, Berlin

Es Geschenke werden gemacht, um Menschen einander näher zu bringen. Soziale Beziehungen mögen dadurch gefestigt werden. Zwar sollen Geschenke idealerweise selbstlos dargeboten werden, doch das gut Gemeinte kommt nicht immer so an. Schwierig wird es, wenn ein Geschenk ausdrückt, was gut für den Beschenkten sei, wenn es womöglich bevormundet und gar nicht die Wünsche der Beschenkten bedenkt. Und passen sollte das Geschenk: nicht zu klein, weil das enttäuscht, aber auch nicht zu groß, weil das beschämt. Manche Menschen tun sich schwer, Geschenke anzunehmen, als gingen sie damit eine Schuld ein.

Petrus bringt die Sache auf den Punkt. „Was sollen wir tun?“, antwortet der Apostel den Verunsicherten kurz und klar: „Tut Buße und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden. Lasst euch erretten aus diesem verkehrten Geschlecht!“ (Apostelgeschichte 2, 38a.40b). Petrus verheißt ein Geschenk, eine Gabe, die er selbst empfangen hat: den Heiligen Geist. Und es gab Menschen, die diese Verheißung, das Wort Gottes, annehmen konnten, die gläubig wurden - aber manche auch nicht. Die Apostelgeschichte zählt konkret auf, dass dem Annehmen der Botschaft die Taufe und ein neues Leben folgt, und dass die junge Kirche ihren Glauben dem Volk zu erkennen gab: Täglich traf man sich zu Predigt und Gebet im Tempel, zum Brotbrechen - der neuen kultischen Mitte - auch in den Häusern, um ihre Gemeinschaft dort ebenso gesegnet zu finden. Das Leben war vom selbstlosen Schenken erfüllt, vom Teilen aller Güter allein aus Glauben.

Nehmen wir einmal an, dass wir gemeint sind. Sind wir Christen, weil wir Jesu Namen tragen, oder weil wir in unserer Lebensführung erkennbar für andere sind, so dass wir deren Wohlwollen finden, womöglich weil wir Gott öffentlich loben? Ein Jahrhundertstreit. Für die Reformatoren ist Glauben die durch das Verheißungswort selbst gewirkte Vergebung. Das allein ist der Grund für das neue Sein, durch das der neue Mensch in Christus sein Leben hat. Aber auch wenn ein solcher Glaube den Menschen neu macht, so baut der Christ seine Zuversicht allein auf das Gnadengeschenk Gottes.

Die Annahme dieses Geschenks allein im Glauben reicht aus, wenn Glaube als Vertrauen auf die Verheißung verstanden wird. In den Augen unserer katholischen Geschwister allerdings tragen gute Werke, die vom Wirken des Heiligen Geistes erfüllt sind, zu einem Wachstum in der Gnade bei, dass die von Gott empfangene Gerechtigkeit bewahrt und die Gemeinschaft mit Christus vertieft wird.

Die guten Werke haben ihren Wert, nach der Bibel ist dafür ein Lohn im Himmel verheißen. Es gibt nach solcher Lehre eine Verantwortung des Menschen für sein Handeln, eine Art des Annehmens, die das Geschenk Gottes ganz Geschenk bleiben lässt, denn kein Mensch kann es sich verdienen.

Was nun sollen wir tun? Genau das, was die Menschen damals taten: Nehmen wir an, dass wir gemeint sind! Alles Weitere kommt, später. Und die Geschichte wird fortgeschrieben: wie wir alle Gottes Geschenk immer freudiger miteinander teilen.


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foto:Berthold Werner/Wikipedia Es kommt noch was

Ich sage die Wahrheit in Christus und lüge nicht, wie mir mein Gewissen bezeugt im heiligen Geist, dass ich große Traurigkeit und Schmerzen ohne Unterlass in meinem Herzen habe. Ich selber wünschte, verflucht und von Christus getrennt zu sein für meine Brüder, die Israeliten sind, denen die Kindschaft gehört und die Herrlichkeit und der Bund und das Gesetz und der Gottesdienst und die Verheißungen.
Römer 9, 1-4

Predigttext zum 31. Juli 2016
10. Sonntag nach Trinitatis: Römer 9, 1-8.14-16


Von Saskia Péau, Pfarrerin und Vorstandsreferentin im Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Berlin

Frau T. kommt vor ihren Kindern nach Hause. Sie kann ihren Augen nicht trauen, als sie die Verwüstung in ihrer Wohnung vorfindet. Sie watet durch die nassen Fetzen ihrer Habseligkeiten, die von dem Wasserrohrbruch nicht verschont geblieben sind. Jedes Jahr erinnert sich die Familie mit Schrecken an den Gestank, den Verlust sämtlicher persönlicher Gegenstände.

Ein Kreuz an der Kreuzung erinnert an jenen Montagmorgen. Da will Mario zum ersten Mal mit seinem neuen Motorrad zur Arbeit fahren. Er hat keine Chance, als er die Kontrolle über sein Fahrzeug verliert. - Simone wird auf ihr neues Tattoo angesprochen: Ich will mich an meine kleine still geborene Tochter erinnern, die ich leider nie in den Armen halten durfte. Geburtstage feiern, klar - auch wenn manch einer sein Alter gerne verschweigt, bestandene Prüfungen, Jubiläen, aber Ereignisse um Tod und Zerstörung? Sollten wir solche Tage feierlich begehen?

Jedes Jahr erinnert sich das Volk Israel an die Zerstörung des ersten Jerusalemer Tempels im 6. Jahrundert vor Christus durch die Babylonier, und des Zweiten Tempels 70 nach Christus durch die Römer. Was kann man der Erinnerung an Zerstörung Positives abgewinnen? Im Hinterkopf bleibt die Frage: Was habe ich falsch gemacht, womit habe ich das verdient? Zerfleische ich mich damit selbst oder führt mich diese Frage zu neuen Erkenntnissen? In der Epistel für den Israelsonntag bekennt sich Paulus zu großer Trauer. Er hat sich für Christus entschieden, sich damit das Herz aus dem Leib gerissen. Denn sein Volk geht einen anderen Weg. Ist damit nicht alles aus?

Manchmal bleibt uns nichts weiter übrig, als zu klagen. Kein Licht am Ende des Tunnels. Paulus stellt sich dem Trennungsschmerz. Er gedenkt seines Volkes. Immer. Er weicht nicht aus, er findet den Faden des Lebens wieder: Egal, was wir tun, Gott hält seine Versprechen, bleibt bei seiner Barmherzigkeit. Er findet den Weg zu mir, wenn ich ins Leere laufe, Fallstricke mich umgarnen, ich denke: Alles ist doch vergebliche Liebesmüh.

Immer wieder Gottes barmherziges Angebot: Kehrt um, wendet euch einander zu. Gott hält seine Versprechen. Besonders für Israel. Für uns. Für alle, die sich nicht selbst genug sind. Für alle, die alles von Gott erwarten, wie Jesus, Sohn des Volkes Israel, Gottes leuchtender Hoffnungsschimmer, der in Dunkelheiten den Weg zu uns sucht.

Auf dem Tempelberg Zion in Jerusalem: die Klagemauer, der letzte Rest des zweiten Tempels. Ein Ort der Klage ist einer der heiligsten Orte des Judentums. Sie gehört zur Erinnerung an brutalste Zerstörung, die zugleich darauf hofft, dass Gott barmherzig hört.

Da kommt noch etwas. Das ist nicht alles. Gott hat es versprochen.

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Die aktuelle Ausgabe

foto privat Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,
der Sommer schickt seine Schönheit über das Land. Sonne verwöhnt uns, Regen tränkt unsere Felder, manchmal üppig, manchmal karg. Blumen streuen Rot, Gelb, Weiß und Blau zwischen die Wiesen, Bäume spenden grünen Schatten und saftige Früchte. Abende sind lau und leicht mit Freunden oder der Familie. Open-Air-Gottesdienste locken auch Menschen an, die sonst keinen Fuß über die Kirchenschwelle setzen. Schönheit lockt.

Die Sommerfreuden kommen nicht von ungefähr. Gottes Schönheit ist es, die er uns kosten und genießen lässt. Die Natur, aus seiner Hand empfangen, ist für uns mit Händen zu greifen. Viel mehr noch als das schenkt er uns. Das Leben, das vor uns liegt, jetzt im Sommer und einst in der himmlischen Jahreszeit. Und er ruft vor uns seinen Namen aus: Ich gewähre Gnade, wem ich will. Auf diesen seinen Namen sind wir getauft. Christus, der Erbarmer, der Gnade-Bringer. Wie Menschen diesen Namen und seine Gnade in ihre Lebenswelt tragen, davon lesen Sie in diesem Heft.

Herzlich grüßt Sie Ihre

Sibylle Sterzik
Leitende Redakteurin

titel februar 2014