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Der Blick ins Heft Mai 2016

foto: pixabay.com Monatsspruch:

Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt? Ihr gehört nicht euch selbst.

1. Korinther 6, 19

Von Kevin Jessa, Mitglied des Vorstandes der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V.

Gerade sitze ich im ICE und düse mal wieder stundenlang quer durch die Bundesrepublik. Egal ob ich Tagungsunterlagen studiere oder einfach schlafe, anstrengend ist es immer. Und ein Abendessen wird es wieder nicht geben, ein Snack muss reichen. Klingt nicht gesund, oder? Dann erinnere ich mich an Vaters Ansprachen mir Ruhe zu gönnen, dass ich meine Gesundheit nicht überstrapazieren soll und wie oft ich darauf mit einem leicht genervten „Jaa“ reagiere. Nur komme ich dann zur Ruhe, erwischt es mich. Wenn ich pünktlich zum Urlaub krank werde oder an einem freien Wochenende kaum aus dem Bett komme, fühlt es sich an, als würde mein Körper einfordern, was ihm fehlt.

So wie ich oftmals handle, habe ich wohl wirklich vergessen, dass mein Körper und mein Leben Leihgaben Gottes sind. Dabei gehe ich normalerweise mit geliehenen Dingen besser um, fast überfürsorglich. Und warum nicht mit meinem Körper? Vielleicht, weil Gott nicht hinter mir steht und drängelt, wann er die Leihgabe wiederbekommt. Mir wird bewusst, ich kann nicht nur im Interesse anderer handeln, nicht immer helfen und für andere da sein. Auch ich brauche Zeit, Zeit für mich.
Mir wurde ein hohes Gut anvertraut. Dem möchte ich gerecht werden. Alles andere wäre respektlos, vor mir und dem Tempel.

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foto: pixabay.com Pfingstwunder und
Pfingstpredigt des Petrus

Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, liebe Männer, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, und lasst meine Worte zu euren Ohren eingehen! Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde am Tage.
Apostelgeschichte 2, 14-15

Predigttext zum 15. Mai 2016
Pfingsten: Apostelgeschichte 2, 1-18

Von Hans-Jürgen Tebs, Gemeindeleiter, Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten), Berlin-Friedrichshagen

Ich sitze in der S-Bahn, um mich herum viele junge Leute, fremde Sprachen, ich verstehe nichts! Könnte jetzt nicht Pfingsten sein und ein großes Wunder geschehen, wie damals? Dann könnte ich die jungen Leute auch verstehen, so wie es einst den vielen Fremden in Jerusalem möglich war, Petrus zu verstehen. Aber das ist halt nur ein Traum! Wie war das damals, zu Zeiten der Apostelgeschichte? Was war da geschehen? Nach Jesu Himmelfahrt fanden sich die Jünger, die Frauen und andere Begleiter Jesu in Jerusalem zusammen, um eines der höchsten jüdischen Feste zu feiern - Pfingsten, das Erntefest. Gleichzeitig warteten sie auf den von Jesus zugesagten Tröster, den Heiligen Geist. Diesen hatte er vor seiner Himmelfahrt seinen Jüngern versprochen. Und da geschah es.

Wie eine Gotteserscheinung, ähnlich der am Sinai zur Bundesgründung des Alten Bundes, nämlich gleichsam wie ein Sturmesbrausen und etwas wie Feuerzungen erfüllten den Raum und die setzten sich auf die Anwesenden. Sie wurden erfüllt mit dem Heiligen Geist - Jesus hat sein Versprechen gehalten!

Die Jünger waren wahrscheinlich nicht nur überwältigt von diesem Ereignis, sie erfüllte eine große Freude und sie fingen an zu predigen. Sie verkündigten, was Gott in Jesus Christus an ihnen getan hat. Und das nicht einfach so, sie redeten in Sprachen, die nicht ihre Muttersprachen waren. Vom Geist Gottes inspiriert, verkündigten sie die frohe Botschaft in anderen Sprachen, so dass die Zuhörer aus aller Herren Länder sie in ihrer Muttersprache hören konnten. Alle waren entsetzt, hielten die Jünger für betrunken.

Nicht als Betrunkene, sondern als mit Gottes Geist erfüllte Menschen stehen wir vor euch. Gott hat sein Versprechen wahr gemacht - jetzt geht in Erfüllung, was der Prophet Joel schon lange verheißen hat: Gottes Geist ist ausgegossen auf alle Menschen. So könnte man das, was Petrus dann sagt, für heute kurz übertragen.

Plötzlich verstehen Menschen einander. Und das, was sie hören und verstehen, macht sie fragend.

Vielleicht geht es uns auch manchmal so. Menschen kommen in unseren Gottesdienst, hören auf die Predigt und plötzlich verstehen sie, was Gott ihnen durch uns zu sagen hat. Wir wissen nicht, wie und woher das kommt. Aber Gottes Geist wirkt, damals wie heute. Und lässt uns, die wir hören oder reden, verstehen, was Er von uns will.

Und wenn wir dann auf sein Wort hin Ihm vertrauen, dann hat sich die Verheißung erfüllt bis zum heutigen Tag: Gott hat seinen Geist über alles Volk ausgegossen - zum Heil dieser Welt.

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foto: pixabay.com Der Vollender

O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege! Denn „wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen?“ (Jesaja 40,13)
Römer 11,33.34

Predigttext zum 22. Mai 2016
Trinitatis: Römer 11, 33-36

Von Franziska Roeber, Pfarrerin, Forst-Noßdorf

Gott hat es nicht leicht mit uns, hört man hin und wieder Gläubige sagen. Und manch einer wagt auch die Umkehrung: Wir haben es nicht leicht mit Gott. Wie viel leichter lässt sich etwas annehmen, das man versteht, wie viel leichter lässt sich eine Situation ertragen, die man nachvollziehen kann. Ursache und Wirkung, Tun und Ergehen.

Je nachdem, was du tust, so wird es dir ergehen. Und alles hat seine Ordnung. Nicht so in der Welt und nicht so bei Gott. Gerade angesichts von Naturkatastrophen oder wenn Menschen einander unfassbares Leid zufügen, geht diese Rechnung nicht mehr auf. Manch einer versucht, dennoch einen göttlichen Sinn, einen göttlichen Plan, der hinter allem steht, zu erkennen verständlich, denn es würde helfen, das Unfassbare fassbar zu machen.

Ähnlich ging es Paulus, der die Qualen des gekreuzigten Gottessohnes und dessen Ablehnung durch das jüdische Volk immer vor Augen hatte. In den Kapiteln, die unserem Predigttext vorangehen, versucht er eine Antwort zu finden für das, was sich schwerlich beantworten lässt: Warum erkennen gerade diejenigen, die Gott so gut kennen müssten, die sein Wort über Generationen hinweg bewahrt haben, ihn nicht in seinem Sohn? Paulus’ Versuche, eine Antwort zu geben, münden schließlich in jenen Lobpreis, der zugleich Antwort auf die drängenden Fragen ist: Ich weiß es nicht, aber Gott weiß und das ist alles, worauf es ankommt. Er weiß, wie und woher alles kam, denn er ist der Schöpfer. Er weiß, wie und wohin alles geht, denn er ist der Vollender. Seine Wege sind unerforschlich und sein Tun unbegreiflich.

Das kann Angst machen, weil es bedeutet, sich auf Ungewisses einzulassen. Doch es ist keine Angst, die uns Paulus hier vermittelt, sondern Freude und Vertrauen, denn er selbst hat erfahren: Gott ist der Barmherzige. Derjenige, der nicht mit Zorn, sondern mit Zuneigung auf die Welt blickt und uns die Chance gibt, ihm zu begegnen und anhand der Tiefe seines Reichtums zu schmecken und zu sehen, wie freundlich unser Gott ist.

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foto:dietmar silber Gott ist die Liebe

Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. ... Und dies Gebot haben wir von ihm,dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.
1. Johannes 4, 16b+21

Predigttext zum 29. Mai 2016
1. Sonntag nach Trinitatis: 1. Johannes 4,16b-21


Von Thilo Haak, Pfarrer in der Epiphanien-Kirchengemeinde, Berlin

Gott ist Liebe! Ein Wort reicht aus, um alles zu sagen, was Gott und wie Gott ist. Der kleine Ausschnitt aus dem 1. Johannesbrief setzt unser ganzes Fühlen und Wissen um die Liebe in Beziehung zu unserem Glauben an Gott. Gott ist Liebe und wer in Gott ist, wer glaubt, der liebt. Liebende und Liebender zu sein heißt ganz und gar vom Wesen Gottes durchdrungen zu sein. Die Begegnung mit dem Glauben ist die Begegnung mit der Liebe. Wir können die Liebe nicht machen. Aber wer in der Liebe Gottes geborgen ist, kann jederzeit Zeugnis davon geben, wie diese Liebe das Leben verändert.

Gott liebt diese Welt. Wer zu dieser Liebe im Glauben ja sagt, wird hineingenommen in diese Liebe und hat dadurch einen unendlichen Reichtum dazugewonnen. Ich darf wissen, dass ich von Gott geliebt bin, nichts anderes ist die Mitte meines Glaubens. Dieser Glaube setzt alle guten Kräfte der Liebe in mir frei. Wie ich die Liebe anderen erweisen und zeigen kann, zeigt mir der Blick auf Jesu Weise mit Menschen umzugehen, sie anzunehmen.

Dem Autor des 1. Johannesbriefs sind drei Auswirkungen der Gottesliebe wichtig. Sie geben meinem Glauben, meinem Leben als Christ sichtbares Profil. Johannes redet zum einen von der Liebe Gottes in der Welt, zum andern von einer Liebe, die Leben ohne Angst ermöglicht und zum dritten von der Liebe zu den Geschwistern.

Oft ist es nicht leicht, die Welt, die Menschen in ihr zu lieben. Die Welt ist manchmal schwierig und die Menschen sind, wie sie sind. Da ärgere ich mich über jemanden, weil er oder sie so nachlässig ist mit Dingen, die ich lieber geordnet fände. Da ärgere ich mich über Unzulänglichkeiten im Alltag mit anderen. Gottes Liebe geht darüber hinweg. Sie nimmt die Menschen, wie sie sind. Sie nimmt sie an mit allen ihren Schwächen, mit allem, was an ihnen schwer auszuhalten ist, sie nimmt sie ganz und ohne Vorurteile.

Liebe ermöglicht Leben ohne Angst. Oft bin ich misstrauisch gegen andere, gegen Fremdes. Manchmal habe ich auch Angst vor mir selbst, dass mir etwas misslingt. Solche Angst kann schlimme Folgen haben, wenn sie umschlägt in Hass gegenüber meinen Nächsten. Liebe überwindet Angst und Hass. Sie geht auf Fremde, sogar auf Feinde zu und nimmt sie an. Die Liebe Gottes kennt kein Misstrauen, niemand ist ihr fremd, gegen Feindschaft setzt sie Frieden. Und so hilft mir die Liebe Gottes meine Angst zu überwinden, weil sie stärker ist als die Angst.

Am Ende wird Johannes am deutlichsten. Die Liebe, die ich von Gott erfahre, hat ihre erkennbarste Gestalt in der Gemeinde. Es ist an uns, das Zeugnis der Liebe Gottes zu leben.

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Die aktuelle Ausgabe

foto privat Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,
die Jünger hätten Jesus am Himmelfahrtstag nicht gehen lassen dürfen. Unter keinen Umständen. Wir brauchen ihn so sehr. Die Güte, mit der er Menschen begegnete, auf die man herabsah - wir brauchen sie. Das Vertrauen, mit dem er Gottes Wort folgte und persönlichen Vorteilen widerstand, wir brauchen es. Die Hingabe, mit der er seinen Weg ging, um uns Menschen mit Gott in Verbindung zu bringen - wir brauchen sie. Aber Gott, der Vater, hat ihn zu sich gerufen, es stand gar nicht in der Macht der Jünger, ihn aufzuhalten. Jesu Platz ist an der Seite Gottes.

Unser Platz ist hier, auf der Erde, die aus den Fugen ist, wo der unbegreifliche Hass auf fremde Menschen ihre Schutzräume anzündet. Wo selbst Menschen, die Christen sind, sich Jesu Liebesgebot gegenüber allen Menschen verschließen. Deshalb brauchen wir ihn und seinen Geist so sehr. Denn unser Platz ist hier als Botschafter seiner Güte. Mit seinem Geist stärkt er uns. Das feiern wir zu Pfingsten.
Herzlich grüßt Sie Ihre

Sibylle Sterzik
Leitende Redakteurin

titel februar 2014