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Der Blick ins Heft Juni 2016

foto: pixabay.com Monatsspruch:

Meine Stärke und mein Lied ist der Herr,
er ist für mich zum Retter geworden.

2. Mose 15, 2

Von Uwe Baumann, Prädikant, Berlin

Vielleicht ist die Zeile aus dem Lobgesang des Mose auf Gott so eine Art ständiger Begleiter für mich geworden. Weil er so kess klingt und Mut macht. Gemeinsam mit den Israeliten besang Moses den Sieg über die Streitwagen des Pharao, die im geteilten Meer versanken. Ein Lied auf einen militärischen Sieg also und doch kein Kriegsgeheul, denn der Überlieferung nach geschah lediglich des Herrn Wille an seinem Volk. Der musikalische Triumphbogen gilt einzig Gott.

So kann es geschehen, wenn wir ganz und gar dem Herrn vertrauen. Möglicherweise ist dieses Urvertrauen zu Gott das einzige, was keine egoistischen Überlegungen zulässt. Nichts, was nur uns selber nützt und andere übervorteilt.

Gott allein gebührt Ehre. Nicht unsere, sondern Gottes Stärke bringt herrliche Taten hervor. Was für unsere Verhältnisse heute einigermaßen unmöglich klingt, ist nicht mehr als Gottes Recht und uraltes Gesetz. Waren es nicht gottverlassene Gedanken, die zu gottlosen Taten wurden und das Erdenrund in Not stürzten? Die Streitwagen des Pharao sind längst modernen Kampfpanzern gewichen, aber immer noch will ein Volk über dem anderen stehen. Noch immer scheint Knechtschaft die blutige Politur für eitlen Glanz und Habgier zu sein. Gott wird das nicht zulassen. Warum nicht? Er hat es versprochen.

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foto: pixabay.com In Frieden
beieinander wohnen

Und er ist gekommen und hat im Evangelium Frieden verkündigt euch, die ihr fern wart, und Frieden denen, die nahe waren. So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.
Epheser 2, 17+19

Predigttext zum 5. Juni 2016
2. Sonntag nach Trinitatis: Epheser 2, 17-22

Von Schwester Sonja Rönsch, Oberin der Diakonissenanstalt Emmaus in Niesky, Kaiserswerther Verband und Synodale der EKBO

Beide haben Tränen in den Augen. Die alt gewordene Mutter und ihr fast 50-jähriger Sohn Christian sitzen am Küchentisch und suchen nach Antworten. Warum ist auch die zweite Ehe von Christian auseinander gebrochen? Wie soll es nun weiter gehen? Wie werden die zwei Kinder mit dieser Nachricht zurechtkommen? Die Erziehung der Zwei wollen sich die Eltern auch zukünftig teilen, doch kann das wirklich gelingen? Christian ist froh, dass er erst einmal zu seiner Mutter ziehen kann, bis er etwas Passendes für sich und die Kinder gefunden hat. Das, wonach er sich jetzt am meisten sehnt, ist, dass trotz äußerer Trennung der Familie wieder Frieden in das Miteinander einkehren kann.

Die Bibel sagt uns heute etwas dazu, dass wir nicht mehr Fremde und Ausländer, sondern Mitbürgerinnen der Heiligen und Hausgenossen Gottes sind (Epheser 2, 19). Diese Zusage macht Gott nicht nur dir und mir, sondern auch denen, die mehr als einmal in ihrem Leben ihre Haus- und Lebensgemeinschaften neu definieren müssen. Zu den Mitbürgern und Hausgenossen Gottes gehören auch die, die aus einer anderen Kultur kommen, die anders aussehen, anders glauben, anders reden und denken als du und ich. Gott allein ist es vorbehalten, sich durch nichts von der Liebe zu seinen Kindern scheiden zu lassen.

Der Epheserbrief ist nicht nur im Namen von Paulus, sondern auch ganz in seinem Sinne verfasst. Im zu Ende gehenden ersten Jahrhundert nach Christus schreibt ihn jemand im Namen des Paulus, vermutlich als ein Rundschreiben an die Gemeinden in Kleinasien. Es geht dem Verfasser um den Zusammenhalt der Gemeinde im Sinn der paulinischen Ordnung. Die sich entwickelnde Kirche befand sich in einem Balanceakt zwischen denen, die aus jüdischen, und denen, die aus heidnischen Wurzeln zum Christentum gefunden hatten. Je weiter der Bau der Gemeinde fortschritt, desto weniger verstanden sich die beiden Gruppen.

Der Predigttext aus Epheser 2 ist ein Krisentext und der Verfasser wünscht dem gemeinsamen Haus, der jungen christlichen Gemeinschaft, vor allem eins: Frieden. Das ist das Wichtigste, wenn man gemeinsam die Zukunft gestaltet. In einem Haus, in einer Familie muss Frieden sein.

In einem Gemeindelied heißt es: „Wenn wir in Frieden beieinander wohnten, Gebeugte stärkten und die Schwachen schonten, dann würden wir den letzten heiligen Willen des Herrn erfüllen“ (Evangelisches Gesangbuch 221). Der Wortsinn des Begriffes Frieden meinte ursprünglich einmal: schonen, achtsam leben, behutsam miteinander umgehen. Dieser schonende und achtsame Umgang schließt mich selbst mit ein. Wir können wohl nur wirklich in Frieden miteinander leben, wenn wir unser Ich wie ein Geschenk entdecken und zur Entfaltung bringen können. Wenn wir unsere Kraft nicht mehr damit verschleißen, irgendwelchen Vorstellungen entsprechen zu müssen. Ach ja, auch das wünschte sich Christian, endlich keine Rolle mehr spielen zu müssen, sondern von Menschen umgeben zu sein, die Ja zu ihm sagen, so wie er ist.

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foto: pixabay.com Gottes Lob
hinausposaunen

Der Dresdner Posaunentag

Von Hans-Joachim Hesselbarth, Diakon und Kreisposaunenwart,
Bläser seit 60 Jahren, Mitglied im Posaunenchor Berlin-Wilhelmshagen


Was bringt mich dazu, mein Leben lang der evangelischen Bläserarbeit mit meiner Trompete die Treue zu halten? Neugierde, Staunen, Faszination, dass die Trompete oder das „Blech’le“ überall auf der Welt, mit und ohne Anlässe, Freude, Interesse und Lächeln weckt, Gespräche auslöst, Kontakt und Vertrauen schafft. Und das wiederum in einem Menschen Glück und Zufriedenheit auslöst. Dann empfinde ich Dankbarkeit, dass Gott mir diese bescheidene, aber schöne Gabe geschenkt hat. Obwohl ich kein vollkommener Mensch und Bläser bin, darf ich viele Menschen für das „Blech“ begeistern und ausbilden. Diese Dankbarkeit und Freude ist die Triebfeder, mich dieser ehrenamtlichen Aufgabe zu stellen.

Es gibt natürlich im Leben und auch bei der Bläserarbeit Situationen, die die eigene Motivation in Frage stellen. Etwa, wenn manche nicht die gleiche Bereitschaft und das Pflichtbewusstsein im Bläserchor teilen. Wir Bläser haben uns ja der Aufgabe und damit unter die Pflicht gestellt, die frohe „Bläserbotschaft“ zu Gehör zu bringen, Gottes Wort im Posaunenspiel mit zu gestalten. Wenn aber dann beispielsweise statt der angemeldeten sieben Bläser nur zwei kommen, geht mir Gottes Zusage durch den Kopf: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ Das ist meine Zuversicht.

Diese Kraft darf ich in meinem Leben immer wieder erfahren. Deshalb mache ich mit Freuden weiter und werde immer wieder gestärkt, wenn alte und junge Zuhörer ihre Freude und Dankbarkeit darüber zum Ausdruck bringen, dass das Zuhören und Mitsingen bei ihnen nachhaltig Freude ausgelöst hat und positive Erinnerungen
wachruft.

Ich habe bei vielen Posaunentagen und Veranstaltungen, Gottesdiensten und Feiern mitgeblasen. Es motiviert uns Bläser selbst wieder neu, begeistert und schenkt uns eine innere Zufriedenheit, dazu gehören zu dürfen, Freundschaft und Gastfreundschaft zu erfahren.

Ich war beim Bläsertag 2008 in Leipzig ein Bläser von etwa 16.000 Bläsern aus ganz Deutschland. Es klingt pathetisch, aber es geht eine große Kraft von den Bläsertagen aus, die ahnen lässt, was Gottes Kraft durch uns bewirkt.

Das zu spüren, lässt uns Bläser in großer Vorfreude das Programm üben, das vom 3. bis 5. Juni 2016 in Dresden beim bisher größten Bläsertag mit und von 22.000 Bläsern aus allen Bundesländern gemeinsam von beiden Seiten der Elbe gespielt wird. Das Zusammengehörigkeitsgefühl ist grandios - wir sind eine große Bläserfamilie von sechs Jahren bis über 90 Jahre, Schüler, Studierende, Berufstätige, Rentner, Frauen und Männer, aber fast alle gut ausgebildete Laienbläser, die ehrenamtlich Gottes Lob dankbar hinausposaunen. Im Psalm 19,2 heißt es: „Die Himmel rühmen die Herrlichkeit Gottes.“

Mit Klaus Schlegel, Landesposaunenpfarrer in Sachsen, können wir alle und die Bläser beten: Öffne uns alle Sinne, um den Reichtum deiner Schöpfung mit ihren Formen und Farben, Klängen und Düften wahrzunehmen. Öffne uns das Herz, dass wir dankbar deine Güte erkennen. Öffne uns den Mund und lass uns mit Leib und Seele einstimmen in den Lobgesang deiner Welt. Herr, wir, Beter und Bläser, sind ein Teil deiner Schöpfung, darum danken wir dir. Amen.

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foto: pixabay.com Das Kreuz bleibt
unser Zeichen

Wo sind die Klugen? Wo sind die Schriftgelehrten? Wo sind die Weisen dieser Welt? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht? Denn weil die Welt, umgeben von der Weisheit Gottes, Gott durch ihre Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt selig zu machen, die daran glauben.
1. Korinther 1, 20-21

Predigttext zum 26. Juni 2016
5. Sonntag nach Trinitatis: 1. Korinther 1, 18-25


Von Manfred Hermasch, Prädikant, Rohne

Leider nehmen wir wahr: Das Christentum in Europa ist auf dem Rückzug. Das hat wenig damit zu tun, dass Menschen anderer Religionen bei uns heimisch werden wollen, sondern meist damit, dass immer weniger Menschen mit der christlichen Botschaft etwas anfangen können. Zwar werden christliche Werte als wichtig hochgehalten, aber Wenige können damit Inhalte verbinden. Dieses Vakuum wird nun leider ausgenutzt und Meinungen popularisiert, die sogar völlig in Widerspruch zur christlichen Botschaft stehen. Nächstenliebe, Achtung und Respekt voreinander sucht man hier vergeblich.

In dieser Situation lesen wir die Worte aus dem 1. Korinther 1, 18-25. Paulus schreibt von der Gotteskraft des Wortes vom Kreuz für uns. Das was die Weisen der Welt für klug und richtig halten, bezeichnet er als Torheit. Für mich ist es Torheit, Jesus als dem Retter und Heiland nicht nachzufolgen. Für Paulus wie für uns ist dies die einzig richtige Entscheidung. Aber warum leidet Gottes Sohn? Weil wir auch keine strahlenden Helden sind. Das, was er hinauf zum Kreuz trug, das haben Menschen ihm aufgebürdet. Natürlich sind wir stark, fleißig, selbstbewusst, klug, zielstrebig und souverän. Gott hat uns mit wunderbaren Gaben ausgestattet, mit denen wir gestalten und gute Dinge durchsetzen können. Bei all dem Gejammer, dass es uns schlecht gehe, vergessen wir, dass wir die schönsten Dinge geschenkt bekamen: Atem, Herzschlag, Liebe und Lachen, die Sonne, den Duft der Blumen, den Glanz der Sterne und die Lieder.

Aber Gottes Blick fällt auch auf die Seiten meines Lebens, die mir Sorgen und Mühe machen, die ich nicht im Griff habe, nicht vorzeigen will - auf diese meine Grenzen fällt Gottes Blick. Denn das gehört auch zum Wort vom Kreuz: Er hat den Gekreuzigten lieb, er lässt ihn nicht im Stich, erweckt ihn wieder zum Leben. Genauso liebt er mich, mit meinen Grenzen und Schwächen. Ich darf der sein, der ich bin, ihm muss ich nichts vormachen, ihn darf ich um Hilfe bitten. Da wäre ich doch ein wirklicher Tor, wenn ich mich diesen Argumenten des Paulus verschließen würde! Ich würde mich von der Gotteskraft des Wortes abschneiden, die mir die Seligkeit zuspricht. So nehme ich meine Gesundheit, die Kinder und das täglich Brot dankend an, auch jenes, was mich beschwert und eingrenzt. Von den Zeichen der Zeit brauchen wir uns nicht ins Bockshorn jagen lassen. Wir bekamen mit dem Wort Gottes die Richtung vorgegeben. Also Kurs halten - mit Gotteskraft.

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Die aktuelle Ausgabe

foto privat Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,
die Ohren sind manchmal müde. Wenn die Ablenkung groß ist, so dass ich nicht wirklich zuhören kann oder wenn schon so viele Stimmen auf mich eingeredet haben, dass ich nicht mehr zuhören will. Dann bin ich wie taub. Dabei kann aber Wichtiges an mir vorbei gehen.

Neigt eure Ohren her und kommt zu mir, sagt der Herr. Jesaja richtet den Menschen Gottes werbenden Ruf aus. In besonderer Weise haben ihn über ein Jahrhundert die Diakonissenschwes tern des Kaiserswerther Verbandes aufgenommen, der so viel Gutes getan hat und tut. Selbstlos, mit einem Herzen voll Liebe sind sie für Menschen da, deren Lebensgeschichte auch die Bitte in sich trägt: Neige mein Ohr zu mir. Komm zu mir.

Auch aus Dresden wird im Juni ein Ruf zu hören sein: Der vielstimmige Bläserruf beiderseits der Elbe und auf den Brühlschen Terrassen. Die Posaunenklänge werden "die Himmel rühmen". Die Juni-Ausgabe berichtet von beiden Anlässen. Und wir starten mit unseren „Buch-Tipp“.
Herzlich grüßt Sie Ihre

Sibylle Sterzik
Leitende Redakteurin

titel februar 2014