foto: dietmar silber
Der Blick ins Heft September 2016

foto: pixabay.com Monatsspruch:

Gott spricht: Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte.

Jeremia 31,3

Von Brigitte Tobehn, Mitarbeiterin im Evangelischen Diakonissenhaus in Teltow in der diakonisch-theologischen Fort- und Weiterbildung und ehrenamtlich tätig in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Bethel, Berlin-Lichterfelde-Ost

Was für eine wunderbare Liebeserklärung! Liebe ohne Ende, ohne wenn und aber, unzerstörbar und unauflöslich. Liebe, die nur Gott geben kann, weil sein ganzes Wesen Liebe ist. Doch ist dieses Versprechen für uns mehr als geschriebene Worte, mehr als theoretisches Wissen über Gott?

Jeremia schreibt diese göttliche Liebeserklärung an die nach Babylon verschleppten Israeliten. Muss dieser Satz für sie nicht wie Hohn geklungen haben? Es war doch offensichtlich, dass Gott sie nicht zu sich gezogen hat, sondern in die Gefangenschaft einer fremden Macht hat wegführen lassen. Tag für Tag mussten sie hart für ihre Unterdrücker arbeiten, die für ihren Gott und für ihren Glauben nur Spott übrig hatten.

Wie kann Jeremia die Herzen der Menschen erreichen? Indem er die Israeliten damals und uns heute in das Herz Gottes blicken lässt: Gott hat einen Plan mit euch. Ihr sollt als seine Kinder leben, auch wenn es im Moment nicht so aussieht. Er gibt euch nicht auf. Und wenn ihr mal nicht glauben könnt, - Gott glaubt an euch. Er wird niemals aufhören, euch zu lieben. Lasst euch diese Liebe gefallen. Dann wird aus theoretischem Wissen eine Liebesbeziehung.

Mehr lesen Bitte hier klicken


foto: rike/pixelio.de Die 10 Gebote

Siebtes Gebot:
Du sollst nicht stehlen

Von Uwe Breithor, Landespfarrer für Gefängnisseelsorge, Großbeeren

"Die Juden haben der Welt den universalen Gott und - in den zehn Geboten - das Grundgesetz des Menschenanstandes gegeben." Im Jahr 1943, mitten in der Zeit des Nationalsozialismus, schrieb Thomas Mann seine Novelle "Das Gesetz" und formulierte damit einen bis heute gültigen Zugang zur Sammlung der sogenannten Zehn Gebote, die selbst ein nicht religiöser Mensch heute mehr oder weniger gut zitieren kann.

Die Grundlage des siebten Gebots "Du sollst nicht stehlen" bildet - juristisch gesprochen - der Tatbestand der Aneignung fremden Besitzes. Die Notwendigkeit, dieses Gebot als einen wichtigen Teil im israelitischen Grundgesetz zu formulieren, zeigt zum einen an, dass es offensichtlich schon damals auch eine Art Beschaffungskriminalität gab. Es bedeutet weiterhin, dass auch in alter Zeit das Eigentum ein wichtiger Faktor für das eigene (Über-)Leben war.

Schaut man in die Gefängnisse, und das ist mein tägliches Brot, dann fällt auf, wie häufig Raub und noch häufiger Diebstahl die Ursachen der Inhaftierungen sind.

Ein Gefangener erzählt von sich, er sei kein Dieb, sondern sitze wegen Raubes im Gefängnis. Auf die Frage nach dem Unterschied antwortet er sehr überzeugt, er sei wirklich kein Dieb, er habe lediglich (durch seine Raubzüge) andere "enteignet". Mir scheint, da gibt es noch eine Menge Gesprächsbedarf, und die Zeit dafür werden wir haben. Ich denke mir, er hat wohl nicht nur das alte, sondern auch unser eigenes Grundgesetz noch nicht richtig verstanden.

Denn dort heißt es: Eigentum verpflichtet (Artikel 14). Und weiterhin: Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig.

Dass es Regelungen zum Eigentum im Grundgesetz gibt, zeigt den hohen Stellenwert an, den der Besitz in unserer Gesellschaft hat. Im Grundgesetz der Israeliten, in den Zehn Worten, ist das eben nicht anders. „Du sollst nicht stehlen“.

Allerdings, der Blick auf den Kontext, in dem sich die Zehn Worte finden lassen, wirft ein neues Licht auf den vertrauten Text. Das Volk Israel hat soeben die Grunderfahrung der Befreiung durch Gott gemacht, und die alten Bundesschlüsse werden am Sinai erneut bekräftigt. In Stein gemeißelt werden Regeln formuliert, wie das menschliche Zusammenleben gestaltet werden könnte, damit diese von Gott geschenkte Freiheit für alle Menschen unumstößlich gelten kann.

Wer auf diesem Hintergrund das siebte Wort nicht ernst nehmen will, der wird erfahren, dass der Zugewinn an Besitz mit einem Verlust an Freiheit einher geht. Und ganz elementar wird dies dann in einem Gefängnis sichtbar.

Ernst Lange, ein bedeutender Reformtheologe des 20. Jahrhunderts, hat dem Gedanken der Freiheit, der die Grundlage der Zehn Worte bildet, ein neues Gewicht und ein neues sprachliches Gesicht gegeben. Er sieht sie als eine Orientierungshilfe für ein freies Leben in unserer zunehmend komplexer werdenden Gegenwart. Es geht ihm im Letzten um ein gelingendes menschliches Zusammenleben im Vertrauen aufeinander und in Freiheit. Deshalb überträgt Lange das siebte Wort in dieser Weise: Du sollst frei sein von dem Druck, dich auf Kosten anderer bereichern zu müssen, indem du sie ausnutzt, sei es, indem du sie um ihr Eigentum bringst. Ich will dir genug von allem geben.

Die Perspektive für unser Leben lautet also: "Du musst nicht stehlen." Und die Große Freiheit Nr. 7 will daher mit all den anderen Freiheiten einen sicheren Rahmen um unser Leben bilden.

Die Israeliten erhielten ihr Grundgesetz, ihre Großen Zehn Freiheiten, als sie unterwegs auf dem Weg in das Gelobte Land waren. Es bleibt in unserer Verantwortung, diesen Weg der Freiheit mit zu gehen.

Mehr lesen Bitte hier klicken


foto: elypse/Fotolia.com Am Anfang ist das Hören

Wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet. Denn wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und wenn man mit dem Munde bekennt, so wird man gerettet.
Römer 10, 9-10

Predigttext zum 18. September 2016
17. Sonntag nach Trinitatis:
Römer 10, 9-17(18)

Von Paul Geiß, Pfarrer im Ruhestand, Berlin

Der Apostel Paulus befindet sich in einer echten interreligiösen Auseinandersetzung. Juden und Griechen sind Mitglieder seiner Gemeinden. Paulus selbst war als studierter Pharisäer einst fest im Judentum verhaftet. Dann entdeckte er, dass diese Religion versucht, Gottes Willen mit festen Gesetzesregeln zu erfüllen.

Wann kommt der Messias, fragten die Juden. Ihre Antwort: Wenn an einem Tag alle Juden einmal alle 613 Gesetze aus den fünf Büchern Mose halten. Da das nicht klappt, dauert es noch eine Weile, bis der Messias kommt.

Paulus setzt dagegen: Christus, der Messias ist schon gekommen, er ist des Gesetzes Ende, wer an ihn mit seinem Herzen glaubt, der ist in den Augen Gottes schon gerecht. Das ist seine Überzeugung, und darum verwirft er die Gerechtigkeit, die aus dem Einhalten von Regeln und Gesetzen kommt.

Ich kenne solche regelkonformen, gesetzestreuen Menschen. Sie wirken manchmal überheblich und ich habe oft genug darunter gelitten, weil sie mit ihrer Regelgläubigkeit fanatisch und selbstherrlich sein können.

Wie kann man zum Glauben an Jesus Christus finden? Die Methode, die Paulus beschreibt, die gilt auch noch heute, denn die Mitteilung und Weitergabe des Evangeliums ist ein lebendiger Prozess, der sich in Gesprächen über Fragen, Zweifel und unterschiedliche Lebenserfahrungen entwickelt.

Der Anfang ist das Hören. Hören und zu begreifen versuchen, was das meint, das Wort von Kreuz und Auferstehung Christi, dann selber reden und erzählen von diesem Christus, der das Ende aller Regel- und Gesetzesgläubigkeit ist. Andere erfahren so etwas von diesem Glauben, sie beginnen zu glauben und bekennen das gemeinsam im Gottesdienst, in Gemeindekreisen, in der Musik, in den vielfältigen Ausdrucksformen des lebendigen Gemeindelebens.

Und dann geht es wieder los: Hören, erinnern, einprägen, wiederholen und weitersagen. So werden Menschen zu Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Reich Gottes in dieser Welt und so geht der Prozess der Verbreitung des Evangeliums immer weiter.

Natürlich sind Regeln und Gesetze, Normen und Vorschriften wichtig für das Zusammenleben untereinander. Aber sie sind menschengemacht, veränderbar in demokratischen Verfahren. Sie garantieren nicht das Heil, das man sich von ihnen erhofft, und schon gar nicht die Gnade Gottes.

In Christus sein: Das ist der innigste Wunsch des Apostels, das rettet in Zeit und Ewigkeit. Und wie sieht diese Rettung aus: Sie schenkt Glauben, Liebe und Hoffnung, sie schenkt die Kraft des Gebets und die fröhliche Solidarität der Menschen untereinander und sie hofft auf das Ende der Welt in Christus.


Mehr lesen Bitte hier klicken


foto: privat Konfirmanden
räumen die Trümmer weg

Konfirmation 1951


Von Albrecht Sudermann, Leitender Verwaltungsdirektor im Ruhestand
und Aufsichtsratsvorsitzender des Wichern-Verlages, Berlin

Wir Konfirmanden haben unsere Kirche mit aufgebaut. Das ist das Erste, woran ich mich erinnere. Unsere evangelische Kirche in Aschaffenburg war im Krieg durch Bomben ziemlich zerstört worden. Nur der Turm stand noch. Nach den Osterferien 1950 begann unser Konfirmandenjahr. Zur gleichen Zeit begann die Gemeinde, den Wiederaufbau der Kirche vorzubereiten. Und wir kleineren Jungen arbeiteten zusammen mit älteren Jugendlichen mehrmals pro Woche (auch samstags nach der Schule!) in der Ruine. Zunächst war der Schutt aufzuräumen; alles ohne Bagger von Hand mit Pickel und Schaufel. Von den Sandsteinen klopften wir den Mörtel ab; die Steine wurden aufgeschichtet, der kleine Schutt gesiebt; soviel wie möglich sollte wieder verwendet werden. Ein Jahr nach unserer Konfirmation ist die Kirche wieder eingeweiht worden.

Sonntags waren wir immer im Gottesdienst, donnerstags hatten wir Konfirmandenunterricht, zwei Stunden. Wir waren etwa 40 Mädchen und Jungen. Wir mussten sehr viel auswendig lernen: Viele Gesangbuchlieder, den ganzen Kleinen Katechismus Martin Luthers, einige Psalmen, weitere Bibelstellen, wie zum Beispiel die Weihnachtsgeschichte, aber auch Tischgebete und Luthers Morgensegen. Das „prüfte“ eine Woche vor der Konfirmation der Kirchenvorstand. „Durchfaller“ gab es aber wohl nicht.

Die Konfirmation selbst? In der Erinnerung ragen neben dem Üblichen drei sehr persönliche Dinge heraus: Ich bekam, weil wir arme Leute waren, einen Anzug von einer Kleiderfabrik geschenkt; als ich ihn abholen durfte, habe ich geweint. Zur Konfirmation war mein Onkel da; der war Pfarrer und hielt am Nachmittag die Andacht für Konfirmanden und Paten: Ich war sehr stolz! Das Dritte: Mein Konfirmationsspruch "Ich schäme mich des Evangeliums von Jesus Christus nicht ..." (Römer 1,16); mein Onkel hat ihn mir in ein griechisches Neues Testament geschrieben, mit dem er in der Kriegsgefangenschaft begonnen hatte, Theologie zu studieren. Auf wundersame Weise hat dieser Satz mein ganzes Leben akzentuiert. Das aber wäre eine eigene Geschichte.


Mehr lesen Bitte hier klicken


foto: pixabay.com Gottes Gerechtigkeit

Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem Heiligen Geist. Wer darin Christus dient, der ist Gott wohlgefällig und bei den Menschen geachtet. Darum lasst uns dem nachstreben, was zum Frieden dient und zur Erbauung untereinander.
Römer 14, 17-19

Predigttext zum 25. September 2016
18. Sonntag nach Trinitatis:
Römer 14, 17-19

Von Michael Domke, Pfarrer im Ruhestand, Guben

Wir können Gott nicht sehen. Das ist schwer auszuhalten. Darum wollen wir uns am liebsten an feste Regeln halten, mit denen wir eindeutig auf der Seite Gottes sind.

In den ersten Christengemeinden dachten manche: Wir sind sicher auf der Seite Gottes, wenn wir kein Fleisch essen und vegetarisch leben. Heute denken manche: Wir sind sicher auf der Seite Gottes, wenn wir die Bibel wörtlich nehmen. Wir sehnen uns nach eindeutigen Regeln, mit denen wir ganz sicher auf der Seite Gottes sind.

Paulus schreibt: Die Königsherrschaft Gottes ist kein Schlaraffenland, wo es um Essen und Trinken geht. Sie ist aber auch kein Land der Askese, wo es um kein Fleisch, keinen Alkohol, kein Rauchen geht. Die Königsherrschaft Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist. Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist, das liegt auf einer ganz anderen Ebene.

Beim Essen und Trinken kann ich mir selbst ein gutes Gefühl geben, wenn ich es schaffe, Fleisch und Alkohol zu meiden. Aber bei Gerechtigkeit, Frieden und Freude muss ich mich von sicheren Regeln lösen und immer wieder neu nach dem Wirken Gottes fragen. Da kann ich nicht bei mir selbst und meinem richtigen Verhalten stehen bleiben. Der Mitmensch mit seinen Ansprüchen und Bedürfnissen kommt in den Blick.

Gerechtigkeit „üben“ bedeutet, den sicheren Boden verlassen und etwas ausprobieren, bei dem ich noch nicht von vornherein weiß, ob es gut ist für andere und für mich.

Zur Gerechtigkeit gehört das Teilen. Miteinander teilen fällt denjenigen schwer, die abgeben, weil sie danach weniger haben. Das Teilen darf bei denen, die bekommen, aber auch nicht die Faulheit stärken. Das Ziel des Teilens ist, dass wir gemeinsam teilhaben an den Möglichkeiten, mit denen jeder selbst seinen und jede selbst ihren Unterhalt erarbeiten kann.

Wer Frieden macht, sucht nach erneuerter Gemeinschaft in der Partnerschaft, in der Familie, in der Gemeinde, in der Kommune, im Land und zwischen den Staaten. "Suche Frieden und jage ihm nach!" heißt es im Psalm 34,15. Frieden macht, wer immer wieder neue Möglichkeiten von Gemeinschaft erprobt. Es geht nicht um einen Frieden, den eine Seite der anderen aufzwingt. Es geht darum, miteinander auf Augenhöhe zu leben.

Die "Freude im Heiligen Geist" ist keine Schadenfreude. Es ist keine Freude auf Kosten anderer. Es geht darum, sich mit anderen gemeinsam zu freuen. Heiliger Geist, das ist der Geist, der anderen und uns von Gott gegeben worden ist und immer wieder gegeben wird.

Auch das Üben von Gerechtigkeit und das Suchen nach Frieden können nicht von uns aus gelingen. Es ist das wunderbare Wirken Gottes selbst durch den Heiligen Geist, wenn Gerechtigkeit und Frieden gelingen.

Mehr lesen Bitte hier klicken


Frohe Botschaft Abonnement bestellen Bitte hier klicken
Die aktuelle Ausgabe

foto privat Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,
der Sommer duftet noch über unseren Wiesen und vor unserem Fenster. Erfüllt sind wir von schönen Sonnentagen, der Blütenpracht, Spaziergängen in der Natur, in die Gott uns Menschen hinein gestellt hat.

Auch der Herbst wird uns mit seinen Schönheiten umgeben, der Kraft des Windes, der belebenden Frische des Herbstregens, den goldenen Farben der Blätter. Ein Bild auch für unser Leben, so schreibt Waltraud Radte in ihrem Artikel "Herbst des Lebens". Was werden wir ernten?, fragt sie und findet Antworten im Glauben.

Gefängnisseelsorger Uwe Breithor spürt dem Sinn des Siebten Gebotes nach. Er erklärt, warum jeder Diebstahl dem Dieb selber schadet und wovor Gott uns bewahren möchte.

Oberkonsistorialrätin Cornelia Coenen-Marx lädt zu Pilgerreisen zu den Wurzeln der Diakonie ein.

Danken möchte ich an diese Stelle noch einmal allen, die der Redaktion zum 70. Jubiläum der „Frohen Botschaft“ nach dem Verbot durch die Nationalsozialisten geschrieben haben. Mit Ihnen sind wir dankbar für das segensreiche Wirken dieser Zeitschrift.

Herzlich grüßt Sie Ihre

Sibylle Sterzik
Leitende Redakteurin

titel september 2016